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Das jüdische Echo · 1930-08-08 · 32 (8.8.1930) · p. Seite 449

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
32 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
Seite 449 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 32 Das Jüdische Echo 449 Würde er, lautete die Frage, eine Regierung mit den Hitler-Leuten nach thüringischem Muster mitmachen oder unterstützen, um die Bildung der Großen Koalition zu verhindern, für die im nächsten Reichstag ziemlich sicher eine Mehrheit vorhanden sein wird? Herr Dr. Scholz, schreibt nun das „Berliner Tageblatt“, hat bisher keine Antwort auf diese Frage gegeben; inzwischen ist eine andere, zwar unpersönliche, aber glaubwürdige Antwort des Dr. Scholz bekannt geworden: er hat, gemeinsam mit den Führern der anderen Rechtsparteien, in den Verhandlungen mit der Deutschen Staatspartei es abgelehnt, auf ein zukünftiges Zusammengehen mit den Nationalsozialisten zu verzichten, und dadurch auch die Fusionsbemühun.gen der bürgerlichen Parteien zum Scheitern gebracht. Das „Berliner Tageblatt“ begrüßt es, daß dadurch die notwendige Klärung erreicht worden ist. Das demokratische Deutschland trauert um Ludwig Haas Berlin, 4. August. (JTA.) Das am Samstag, dem 2. August, nachmittags, in Karlsruhe erfolgte Ableben des deutschen demokratischen Führers Ludwig Haas, Mitglied des Reichstags, hat die republikanischen Kreise Deutschlands in Trauer versetzt. Seit der Jahreswende lag Ludwig Haas schwerkrank darnieder. Seine politische Tätigkeit als Reichstagsabgeordneter und Vorsitzender der Demokratischen Fraktion des Reichstags hatte seitdem geruht. Doch stand er bis zuletzt mit der Leitung der Deutschen Demokratischen Partei brieflich in Fühlung. Er hatte dem Parteivorsitzenden Koch-Weser mitgeteilt, daß sein Gesundheitszustand ihm eine ernste Spitzenkandidatur in seinem Wahlkreise Thüringen nicht gestatte, er hatte sich aber bereit erklärt, auf der Reichsliste zu kandidieren. Der „Demokratische Zeitungsdienst“ schreibt zum Tode von Ludwig Haas: Reichstagsabegeordneter Dr. Ludwig Haas, der seit den Neuwahlen von 1928 den Vorsitz der Demokratischen Reichstagsfraktion geführt hatte, war infolge der großen Strapazen, die er auf sich hatte nehmen müssen, Anfang 1930' zusammengebrochen; insbesondere hatten ihn die schwierigen Verhandlungen, die sich aus der ungünstigen politischen Lage in der zweiten Hälfte des Jahres 1929 ergaben, körperlich und seelisch außerordentlich in Anspruch genommen. Bei allen Anhängern der Deutschen Staatspartei hat das plötzliche Hinscheiden von Dr. Haas die größte Bestürzung und Trauer hervorgerufen. Dr. Ludwig Haas wurde am 16. April 1875 in Freiburg geboren, hat also ein Alter von 55 Jahren erreicht. Er war einer der angesehensten Rechtsanwälte in Karlsruhe, seit 1912 gehörte er dem Reichstage an. Bei Kriegsausbruch ging er als Freiwilliger ins Feld und erwarb an der Front sehr bald das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse. In den letzten Kriegsjahren war er eine Zeitlang Leiter des jüdischen Dezernats bei der deutschen Zivilverwaltung in Polen. 1918 war er in der badischen „vorläufigen Volksregierung“ Minister des Innern und Staatsrat. 1919 wurde er in die Verfassunggebende Deutsche Nationalversammlung, später wieder in den Reichstag gewählt. Er wurde einer der aktivsten Führer des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Er gehörte dem Hauptvorstand des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an und stritt bei jeder sich bietenden Gelegenheit für jüdische Ehre und jüdische Bürgerrechte. Ein Schreiben der Staatspartei an den Central- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Die Deutsche Staatspartei richtete an den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens das folgende Schreiben: „Die Deutschen Staatspartei‘hat von vornherein in ihrem Aufruf und in den Darlegungen ihrer Führer erklärt, daß sie ohne politische und konfessionelle Engherzigkeit und ohne Klassengebundenheit ihre Tore weit geöffnet hält. Das bezieht sich nicht nur auf die Mitgliedschaft, sondern auch auf die führenden Stellungen in der Partei und in der künftigen Fraktion. Einig ist man sich nur darüber, daß den jungen Kräften aller Schichten eine weitgehende Mitwirkung an der Führung eingeräumt und daß die Deutsche Staatspartei ihren Willen entschlossen für die Verwirklichung der notwendigen großen Reformen einsetzen wird.“ gez. Koch-Weser, gez. Dr. Winschuh. Die Berliner Jüdische Gemeinde und die Abwehr des Antisemitismus Berlin, 31. Juli. (JTA.) Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde hat in seiner letzten Sitzung den einstimmigen Beschluß gefaßt, angesichts der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Lage der deutschen Juden den Versuch zu unternehmen, eine einheitliche Front der Abwehrbewegung des deutschen Judentums zu schaffen. Zu diesem Zweck hat der Gemcindevorstand eine Konferenz einberufen, zu welcher die Zentralvorstände des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland gebeten wurden, Vertreter zu entsenden. Auf der Konferenz soll der Versuch gemacht werden, alle Kräfte des deutschen Judentums für den Kampf gegen die antisemitische Hochflut zusa.mmenzufassen. Palästinensische Makkabim retten die Verunglückten an der Ilmbrücke Berlin, 30. Juli. (JTA.) Wie uns mitgeteilt wird, ist die Rettung bzw. Bergung der bei dem Autobusunglück an der Ilmbrücke Verunglückten Mitgliedern der palästinensischen Makkabi-Organisation zu verdanken, die auf ihrer Rückfahrt von Antwerpen auf Motorrädern zwischen Weimar und Erfurt Zeugen des in der Presse geschilderten Unglücksfalles wurden. Vor den Augen der vier an der Spitze fahrenden Makkabim stürzte beim Überfahren der Brücke über die Ilm ein mit 40 Personen besetzter Autobus in den Fluß. Die zahlreichen Zuschauer des Unglücks verharrten untätig, weil der langsam sinkende Autobus keine Aussichten für Rettungsmöglichkeiten bot. Ohne sich der Kleider zu entledigen, sprangen die vier Makkabi-Angehörigen ins Wasser und befreiten durch Einschlagen der Scheiben die mit dem Tode kämpfenden Menschen. Es gelang ihnen, 36 Personen, darunter fünf Schwerverletzte, lebend zu bergen. Zwei konnten von ihnen nur als Leichen ans Ufer geschafft werden. Zwei wurden von den Fluten abgetrieben und konnten nicht mehr geborgen werden. Dr. Alfred Loewenstein Leiter des britischen Instituts in München München, 30. Juli. (JTA.) Wie aus München berichtet wird, ist unter dem Protektorat der englichen Regierung und mit Beteiligung der Stadt München ein „Britisches Institut“ gegründet worden. Mit der Leitung des Instituts wurde der Münchener Privatgelehrte Dr. Alfred Löwenstein betraut. Das „Britische Institut“ hat die Aufgabe,

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