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Das jüdische Echo · 1930-08-08 · 32 (8.8.1930) · p. Seite 448

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
32 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
Seite 448 (sequence 6)
Language
German
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448 Das Jüdische Echo Nr. 32 Der Kongreß für das arbeitende Palästina Als Basis für den Allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina, den die Allgemeine jüdische Arbeiterorganisation in Palästina für den Monat September dieses Jahres einberufl, hat die flistadruth folgende Grundsätze und Ziele festgesetzt: Grundsätze des arbeitenden Palästina Chaluz- und Volkseinwanderung nach Palästina auf breiter Basis; Arbeiteransiedlung in Palästina mit Hilfe nationalen Kapitals auf der Grundlage von kooperativer Selbstarbeit in Stadt und Landwirtschaft; Erwerb von Boden durch den Jüdischen Nationalfonds; Organisierte jüdische Arbeit in der gesamten jüdischen Wirtschaft des Landes; Eigenes Erziehungs- und Kullurwerk der Arbeiterschaft für die Jugend und den arbeitenden Erwachsenen; Selbständige wirtschaftliche, politische, kulturelle und organisatorische Tätigkeit der jüdischen Arbeiterschaft Erez Israels; Stärkung des eigenen Fonds der Arbeiterschaft für ihre selbständige Tätigkeit; Kampf um eine Arbeiter- und Arbeiterinnen-Schutzgcsetzgebung; Sicherung einer entsprechenden Interessenvertretung der Arbeiterschaft und der Volksmassen in allen Institutionen der jüdischen Gemeinschaft und den Verwaltungskörperschaften des Landes; Gemeinsame Organisierung jüdischer und arabischer Arbeiter auf der Grundlage nationaler autonomer Einheiten; Ständige Hilfeleistung zur Hebung des wirtschaftlichen und kulturellen Standards des arabischen Arbeiters. Ziele des Kongresses für das arbeitende Palästina Moralische, politische und wirtschaftliche Unterstützung der Tätigkeit der Arbeiterschaft in Erez Israel auf kolonisatorischem, wirtschaftlichem, kulturellem und gewerkschaftlichem Gebiete; Erziehung des jüdischen Volkes und insbesondere der Jugend im Geiste des arbeitenden Erez Israel und ihre Vorbereitung zu der persönlichen Verwirklichung einer arbeitenden Gemeinschaft in Erez Israel. Die Lage der Juden in Rumänien Der JTA-Sonderkorrespondent beim stellvertretenden Ministerpräsidenten Luguzhanu Bukarest, 1. August. (JTA.) Unterstaatssekretär Luguzhanu, der Stellvertreter des Ministerpräsidenten Maniu, empfing den Sonder-Korrespondenten der JTA., Herrn Smolar, in einer längeren Audienz. Im Verlauf der Unterredung sagte Luguzhanu: „Wir haben in den letzten Monaten vielleicht nicht alles zur Bekämpfung des Antisemitismus getan. Wir sehen aber ein, daß nunmehr schärfere Maßnahmen notwendig sind und zögern auch nicht, solche Maßnahmen zu treffen.“ Luguzhanu bat den Korrespondenten, die öffentliche Meinung des Auslands wissen zu lassen, daß die Regierung die Situation beherrscht und nicht zugeben wird, daß sich weiterhin tätliche Angriffe gegen Juden ereignen. „Wir sind aufrichtig bemüht“, führte Luguzhanu weiter aus, „dem Antisemitismus Einhalt zu gebieten. Jedoch kann eine Regierung wohl Gesetze ändern, aber nicht die Menschen oder ihre ererbten Traditionen. Der Antisemitismus ist in unsere Bevölkerung durch vorangegangene Regierungen eingepflanzt worden in einer Zeit, für die wir nicht verantwortlich gemacht werden können. Wir sind nicht für die Tausende antisemitischer Studenten und selbst Beamten verantwortlich zu machen, die durch frühere Regierungen zu antisemitischer Betätigung angetrieben worden sind. Wir können diese Studenten nicht vertreiben und wir können nicht 300 000 Beamte beseitigen. Eine Änderung dieser Lage erfordert Zeit, aber ich versichere Sie, daß unsere gegenwärtige Politik dahin geht, das Land vom Antisemitismus zu säubern und die antijüdische Betätigung der Studenten zu verhindern. Es ist unsere Absicht, die legale Stellung der Juden in unserem Lande auf die höchstmögliche Stufe zu bringen!“ Zur Bekräftigung seiner Argumentation wies Luguzhanu darauf hin, daß die Juden noch nie so viele Vertreter im Parlament und in den Stadtverwaltungen hatten wie unter der Regierung Maniu. Er schloß das Gespräch mit dem Satz: „Lassen Sie uns zwei oder drei Jahre Zeit, und der Antisemitismus in Rumänien wird der Vergangenheit angehören.“ König Carol macht Maniu für weitere antisemitische Vorfälle verantwortlich Bukarest, 4. August. (JTA.) Es verlautet, daß König Carol heute den Ministerpräsidenten Maniu empfangen und ihn bei dieser Gelegenheit für alle weiteren Ausschreitungen des Antisemitismus verantwortlich gemacht hat. Man sieht in dieser Haltung des Königs eine Garantie dafür, daß nunmehr durchgreifende Maßnahmen im Interesse der Sicherheit der jüdischen Bevölkerung durchgeführt werden würden. Die Presse teilt mit, daß die Position des Innenministers Vaida Voevod beim König sich gebessert hat, nachdem Vaida Voevod nunmehr schärfer gegen die antisemitische Bewegung einschreitet. Ein baldiger Rücktritt des Innenministers wird nun nicht mehr erwartet. Der Prozeß gegen Codreanu findet noch in dieser Woche statt Bukare s t , 4. August. (JTA.) Der Prozeß gegen den Führer der „Eisernen Garde“ Zelea Codreanu wird, wie soeben mitgeteilt wird, noch in dieser Woche vor dem Gericht in Bukarest beginnen. Die beschleunigte Vorbereitung des Prozesses wird als ein Symptom dafür angesehen, daß nunmehr auch das Justizministerium ernstlich gegen die Antisemiten einschreiten will. Gegen das Justizministerium wurde bisher geklagt, daß es eine übergroße Milde gegen antisemitische Exzedenten walten läßt, indem es solche Exzedenten nach deren Verhaftung freiläßt und die Prozesse auf einen Zeitpunkt verschiebt, in dem alles in Vergessenheit geraten ist. Hat ja auch Innenminister Vaida Voevod in einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter und Herrn Zwi Aberson erklärt, daß Beamte des Justizministeriums die von Beamten des Innenministeriums verhafteten Antisemiten sofort wieder freilassen. Einen weiteren Schritt zur Besserung sieht man darin, daß der Oberstaatsanwalt Alexandru mit der Führung der Untersuchung gegen die Unruhestifter in der Südbukowina betraut wurde, nachdem gegen die dortigen Justizbeamten seitens der jüdischen Bevölkerung der Vorwurf erhoben wurde, daß sie sich von Sympathien gegenüber den Antisemiten leiten lassen. Aus der Jüdischen Welt Die Deutsche Volkspartei und das Hakenkreuz Will Dr. Scholz auf ein zukünftiges Zusammengehen mit den Nationalsozialsten verzichten? Berlin, 4. August. (JTA.) Das „Beniner Tageblatt“ forderte vor einigen Tagen den Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, auf, sich darüber zu äußern, ob er im nächsten Reichstag jede direkte oder indirekte Verbindung mit den Nationalsozialisten ablehnen werde oder nicht.

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