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Das jüdische Echo · 1930-08-08 · 32 (8.8.1930) · p. Seite 447

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
32 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
Seite 447 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32 L)as Jüdische Echo 447 die polnische Spruche ausgezeichnet beherrscht, einen Regierungsposten, sei es auch nur als „Kanzelist“, erhält oder in diesem oder jenem Regierungsamt angestellt wird. Das alles ruft bei den Juden eine tiefe Niedergeschlagenheit hervor und bringt sie zu der Ansicht, daß sie von der polnischen Gesellschaft als Menschen betrachtet werden, die irgendwie schlechter sind, als Bürger zweiter Klasse. Und doch handelt es sich darum, daß die Juden in den Ostgebieten nicht bloß passiv in ihrer Loyalität verharren, sondern warme Patrioten des polnischen Staates werden; daß sie, ohne ihre nationalen und religiösen Besonderheiten aufzugeben, zu gleicher Zeit aktiv an der Befestigung des polnischen Staates mitarbeiten. Snell über jüdisch-*arabische Zusammenarbeit Brief an den Brith Schalom — Er schlägt binationale Lokalkomitees in Palästina vor J e r u s a 1 e m , 30. Juli. (JTA.) In dem soeben erschienenen fünften Heft der vom Brith Schalom in Jerusalem herausgegebenen periodischen Veröffentlichung „Sche’ifotejnu“ (Unsere Ziele) gelangt ein Brief zum Abdruck, den Harry Snell Anfang Mai an den Brith Schalom gerichtet hat. Harry Snell war bekanntlich der Vertreter der britischen Arbeiterpartei innerhalb der von Sir Walter Shaw geführten Paläslina-l nlersuchungskommission und ist Verfasser der Vorbehaltserklärung, die dem Bericht der Kommission beigegeben ist und zahlreiche Einwendungen gegen seine Darstellung und Schlußfolgerungen enthält. Der Brief Harry Snells hat folgenden Wortlaut: „Ich bin der Meinung, daß ,Brith Schalom' es sich angelegen sein lassen sollte, zu prüfen, ob es nicht möglich wäre, in jedem Dorfe und in jeder Stadt, in denen die beiden Völker nebeneinander wohnen, binationale Komitees zu errichten, wie ich sie in meiner, dem Bericht der Untersuchungskommission beigegebenen Vorbehaltserklärung vorgeschlagen habe. Ich bin überzeugt, daß die Basis für Beziehungen gegegenseitiger Achtung und gegenseitigen Verständnisses zwischen den beiden Völkern vorerst in den Dörfern geschaffen werden muß und daß sie sich von dort aus auf die Städte und schließlich auf das ganze Land ausdehnen wird. In den südamerikanischen Ländern haben binationale Komitees einen außerordentlich wirksamen Einfluß auf die Verbesserung der Beziehungen zwischen den dort ansässigen Völkern ausgeübt und zu einem unerwarteten Erfolge geführt. In der ursprünglichen Fassung meiner Vorbehaltsbemerkungen zum Shaw-Bericht habe ich mich über diesen Punkt ausführlich geäußert, war aber später gezwungen, diesen Teil meiner Ausführungen ausfallen zu lassen, wie ich auch andere Dinge, die ich gern hätte sagen wollen, ungesagt sein ließ. Solche binationale Komitees werden sich zunächst mit lokalen Aufgaben zu befassen haben, wie Straßenreinigung, Versorgung mit einwandfreiem Wasser, Kinderhygiene, Krankenhausdiensl, Säuglingsfürsorge, Haushygiene, sanitäre Kontrolle, allgemeine sanitäre Verhältnisse. Von da aus könnten die Komitees dazu übergeben, sich mit landwirtschaftlichen Fragen zu befassen, wie Wasserversorgung usw. Die Komitees hätten sich mit den zwischen den beiden Völkern bestehenden Schwierigkeiten nicht zu beschäftigen. Sie sollen eine ungetrübte Quelle guten Willens zwischen den beiden beieinander wohnenden Völkern darstellen. Zentralen Komitees in den Städten wird die Aufgabe zufallen, die Erfahrungen aller Einzelkomitees zum Besten der Allgemeinheit zu verwerten und die Aufgabe eines übergeordneten binationalen Landeskomitees wäre im Verhältnis zum ganzen Lande die gleiche, wie die Aufgabe der zentralen Komitees im Verhältnis zu ihrem Bezirk. Der jüdische Einwanderer mit seiner reicheren Erfahrenheit hat die moralische Pflicht, in dieser oder einer wirksameren Weise der Anbahnung guter Beziehungen zu dienen. Die Ergebnisse derartiger Anstrengungen können ohne Zweifel groß und außerordentlich wichtig sein.“ Die Vereinigung Brith Schalom hat, wie anläßlich des Abdrucks dieses Briefes vermerkt wird, auf diese Bemerkungen Snells bei der Abfassung eines Memorandums Bezug genommen, das eine Reihe von praktischen Vorschlägen zur Verbesserung der jüdischarabischen Beziehungen in Palästina enthält und der Palästina-Exekutive der Jewish Agency und dem Waad Leumi seitens des Brith Schalom überreicht wurde. Die arabische Taktik im Klagemauerkonflikt London, 1. August. (JTA.) Im Bulletin des Britischen Palästina-Komitees vom 30. Juli nimmt zu der Art, wie die Moslemiten ihren Standpunkt vor der Klagemauer-Kommission vertreten, wie folgt Stellung: Der arabische Standpunkt wurde vor der Klagemauer-Kommission sehr geschickt vertreten, so geschickt, daß man staunen muß, woher das Geld für die umfangreiche arabische Organisation und Propaganda stammt. Daß die Mittel der Jewish Agency bei den Juden der ganzen Welt gesammelt werden, ist allgemein bekannt. Werden die Araber ausschließlich durch Beiträge von Moslems innerhalb und außerhalb Palästinas finanziert? In jedem Falle haben sich die Araber als wohlorganisiert und im Besitze ausreichender Geldmittel, sowie als zur „Abwehr von Gewalt“ hinreichend gerüstet erwiesen. Die Sympathie mit ihrer „Hilflosigkeit“, die sentimentale Menschen in England hegen, scheint daher, vorsichtig ausgedrückf, unangebracht zu sein. Der Versuch, die Empfindungen der Moslems außerhalb Palästinas in Wallung zu bringen, war nur zum Teil erfolgreich. Der in einer Flut von Telegrammen aus Syrien, Ägypten und Indien erhobene Schrei wegen der gefährdeten moslemischen Heiligen Stätten hätte stärkeren Eindruck gemacht, hätten die Kundgebungen durch eine gewisse Gleichartigkeit ihrer Formulierung nicht so nachdrücklich auf eine Zentralstelle, die sie dirigierte, hingewiesen. Die moslemischen Delegierten aus anderen Ländern hielten vor der Kommission Reden, die sie vor ihrer Ankunft im Lande und noch bevor sie die wahre Lage kannten, verfaßt hatten. Und sie machten aus ihrer Enttäuschung kein Hehl: Sie waren gekommen, um die Heiligen Stätten zu verteidigen. Als sie sich aber lange genug im Lande aufgehalten hatten, fanden sie, daß die Heiligen Stätten fern jeder Gefahr und daher einer Verteidigung nicht bedürftig sind. Die arabischen Versuche, aus diesem rein religiösen Streitpunkte eine die ganze Mandatspolitik aufrührende politische Frage zu machen, enthüllen die wahren Ziele der arabischen Agitation. Der Streit wegen des Rechtes auf Gottesdienst vor der Klagemauer reicht in die Zeit vor dem Mandat zurück und hat mit dem Mandat nichts zu schaffen. Der Versuch der Araber, die Mandatsfrage in diesen Streit hineinzuziehen, ist (neben den vielen anderen Beweisen, die die Shaw-Kommission eigentümlicherweise ignoriert hat) ein Beweis mehr dafür, daß die Araber diesen Streit lediglich zu dem Zweck erneuert haben, um die Gefühle der Moslems gegen die Juden aufzustacheln und der Erfüllung des Mandates Schwierigkeiten in den Weg zu legen.

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