Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 31 (1.8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 435 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 Das Jüdische Echo 435 und sagl<\ daß die Sache über Gebühr aufgebauscht wird. Er betonte, daß von einer Sperre der jüdischen Einwanderung nicht die Rede sein kann, daß die Einwanderung vielmehr nur vorübergehend, bis zur Erstattung des Berichtes Sir John Hope Simpsons, unterbrochen worden ist. Er appellierte an die Palästinadelegalion, der Arbeiterregierung mehr Vertra uen en tgege'nz ubringen. Dr. Shiels beklagte sich über die jüdischen Angriffe gegen britische Beamte in Palästina und gegen die britische Arbeiterregierung und sagte, daß die Juden die positiven Leistungen der Regierung und der Beamten in Palästina zu wenig würdigen. Er beklagte ferner, daß das Weltjudentum das von der Regierung geleistete Werk nicht genügend einschätzt und die Schwierigkeiten nicht in Erwägung zieht, denen die Palästinaregierung gegenübersteht. Dr. Shiels betonte ferner die Notwendigkeit, eine Verständigung zwischen Juden und Arabern im Lande zu erzielen. Zum Schluß seiner Rede bat er die palästinensische Delegation, keine Zweifel darüber zu haben, daß die britische Regierung an ihrer Absicht fcslhält, das Jüdische Nationalheim in Palästina im Einklang mit den Bestimmungen des Mandats zu errichten. Die Münchener jüdische Bevölkerung im Jahre 1929 Von Herbert Philippsthal Vor einem Jahre wurde an dieser Stelle über die Münchener jüdische Bevölkerung im Jahre 1928 berichtet. Nunmehr sind wir in der Lage, über das verflossene Jahr nähere Angaben zu machen. Die Vermutung, daß der Höhepunkt des Geburtenrückganges noch immer nicht erreicht sei, hat sich bewahrheitet. Die Geburtenzahl fiel von 82 im Jahre 1927 auf 79 im Jahre 1928 und auf 76 im Jahre 1929. Auch die Sterblichkeit nimmt zu, beruhend auf dem jüdischen Altersaufbau, der für Bayern in bezug auf die Juden bekannt ist und vom bayerischen Statistischen Landesamt unlängst publiziert worden ist. Es wurden im Jahre 1927 149, 1928 129 und 1929 145 Juden zu Grabe getragen. Hieraus ergibt sich, daß der Sterbeüberschuß im Jahre 1927 67, 1928 50 und 1929 69 jüdische Seelen betrug. In drei Jahren läßt sich also ein Minus von 186 Juden feststellen. Wären uns Zahlen über Zu- und Abwanderung, konfessionell geschieden, und genaue Angaben über Austritte aus und Eintritte in die Gemeinde bekannt, könnten wir so mit Hilfe der Fortschreibung ziemlich genau angeben, wieviel Juden zur Zeit in München überhaupt wohnen. Diese Aufgabe kann unschwer die Jüdische Gemeinde lösen, was durchaus in ihrem Interesse liegt. Die jüdischen Ehen stiegen von 28 auf 40 auf 43. An Mischehen zählte man 39, 38 und 32. Sie erreichen also fast die rein jüdischen Ehen. Übrigens sind diese Zahlen, Ehen wie Mischehen, in ihrer Gesamtheit und auf eine jüdische Bevölkerung von etwa 11 000 Seelen bezogen, äußerst klein. Die niedrige Nuptialität dürfte wohl mit der schlechten Wirtschaftslage, die gerade die Juden besonders trifft, in Einklang zu bringen sein. Das Verhältnis der rein jüdischen Ehen zu den Mischehen ist, wie obige Zahlen demonstrieren, für den jüdischen Bevölkerungsteil sehr ungünstig. Man sollte überhaupt diesem Problem mehr Aufmerksamkeit schenken, eine Mahnung, die im letzten Bericht ausgesprochen wurde, aber keine Beachtung fand. Aus der jüdischen Welt Der Vorsitzende des Preußischen Landesverbandes, Kammergerichtsrat Leo Wolff, 60 Jahre alt Berlin, 28. Juli. (JTA.) Am Dienstag, dem 29. Juli, vollendet Kammergerichtsrat Leo Wolff, der Vorsitzende des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und stellvertretender Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, sein 60. Lebensjahr. Der Jubilar ist am 29. Juli 1870 in Berlin geboren, 1904 ist er in Bochum zum Amtsrichter ernannt worden. Seit 1910 ist er wieder in seiner Geburtsstadt Berlin tätig. Er wirkte zunächst am Amtsgericht Berlin-Mitte und ist seit 1922 Kammergerichtsrat. Mit jüdischen Angelegenheiten stets befaßt, trat Kammergerichtsrat Leo Wolff Anfang 1918 in den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde ein, wo er zunächst insbesondere den Schul- und Tahnud- Thora-Vorstand leitete. Als Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde erwarb sich Kammergerichtsrat Wolff durch hervorragende persönliche Eigenschaften bald besonderes Ansehen, so daß er nach kurzer Zeit zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeindevorstandes der Jüdischen Gemeinde gewählt wurde. Dieses letztere Amt übte der Jubilar bis Ende 1928 aus. Bei Konstituierung des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden im Jahre 1925 wurde Kammergerichtsrat Wolff zum Präsidenten des Rates gewählt und übt dieses Amt, von allen Parteien und Gruppen geachtet und geehrt, bis heute aus. Glückwunschadresse des Preußischen Landesverbandes Anläßlich des 60. Geburtstages von Kammergerichtsrat Wolff hat der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, im Namen des Landesverbandes ein warm gehaltenes Glückwunschschreiben an den Jubilar gerichtet. Weltkongreß für das arbeitende Palästina Die Liga für das arbeitende Palästina veröffentlicht folgenden Aufruf: An die Freunde des arbeitenden Palästina! Die Exekutive der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina (Histadruth) hat beschlossen, den Weltkongreß für das arbeitende Palästina für Ende September d. J. einzuberufen. Die schwere politische Lage, die Erschütterungen, die unser Werk in den letzten Monaten durchgemacht hat, der gewaltige Drang nach Befestigung der bereits erzielten Errungenschaften im Lande sowie die grenzenlose Not der jüdischen Massen in der Diaspora, die eine breite Masseneinwanderung fordert, dies alles macht den Zusammenschluß aller Kräfte, die dem arbeitenden Palästina nahestehen, notwendig. Die Massen unserer Genossen und Freunde, organisiert in den Parteien und Organitionen des arbeitenden Palästina und unorganisiert, aktiv und passiv, müssen sich um diesen Weltkongreß konzentrieren und in den Dienst der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas stellen. Die Unterzeichneten Parteien und Organisationen rufen die breiten Schichten der jüdischen Massen Deutschlands auf, sich dem Kongreß anzuschließen. Unser Ziel muß es sein, für den Kongreß aus Deutschland eine starke Vertretung zu erreichen. Die Beteiligung am Kongreß ist allen Juden, die das siebzehnte Lebensjahr erreicht haben, sich mit den Grundsätzen des arbeitenden Palästina einverstanden erklären und dies durch den Kauf einer Kongreßkarte bekunden, ermöglicht. Um weiten Kreisen die Möglichkeit der Beteiligung am Kongreß zu geben, ist der Preis der Kongreßkarte auf RM. 0.50 festgesetzt. Die