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Das jüdische Echo · 1930-08-01 · 31 (1.8.1930) · p. Seite 434

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
31 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 434 (sequence 6)
Language
German
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434 Das Jüdische Echo Nr. 31 wen sein soll. In einer nur für offizielle Delegierte zugänglichen Konferenz unter Vorsilz von Professor Julien Morgenslern (Cincinnati) wurden Maßnahmen zur Überwindung der religiösen Indifferenz beraten. Referate hielten Rabbiner Dr. Josef Norden (Elberfeld) und Rabbi Martin Zielonka (El Paso, U.S.A.). Die Anordnung der Leitung der Wellunion, daß jede Einbeziehung des Zionismus in die Diskussion der Konferenz verboten sein solle, führte bei der Sitzung vom Montag zu einer stürmischen Debatte im Zusammenhang mit einem Antrag von Rabbi Ferdinand Isserman (St. Louis, U.S.A.), dieses Verbot aufzuheben. Der Antrag war vom Resolutionskomitee unter dem Vorsitz von Rabbi Schuhnan behandelt worden, und das Komitee entschied einstimmig, die Ablehnung des Antrags von Rabbi Isserman zu empfehlen. In der Begründung seines Antrags sagte Rabbi Isserman, er bekämpfe die Anordnung der Konferenzleitung, weil er es als Liberaler für falsch im Prinzip und unliberal hält, die Delegierten darin zu besehränken, worüber sie zu diskutieren wünschen. Die Bestimmung sei nicht nur unglücklich und unbillig, sondern auch nicht bindend, nachdem Edmond Fleg, Dr. Schulman und Dr. Levv in ihren Referaten auf den Zionismus Bezug genommen haben und die Leitung dazu schwieg. Er bezeichnete es als unmöglich, die Probleme des Judentums zu behandeln, ohne das Problem des Nationalismus und des Universalismus zu berühren. Rabbiner Dr. Max Wiener (Berlin) unterstützte den Antragsteller. Dr. Schuhnan sagte, die Zulassung einer Diskussion über den Zionismus bei der Konferenz würde die Bewegung zerschlagen. In der liberalen Bewegung gäbe es Zionisten und Nichtzionisten. Eine Diskussion über den Zionismus im Rahmen der Konferenz wäre nur zulässig, wenn sie mit dem Ziele einer Entscheidung geführt würde. Fiele eine solche Entscheidung zugunsten der Vereinbarkeit von liberalem Judentum mit dem Zionismus aus, dann müßten der Redner und viele seiner Freunde die Bewegung verlassen. Fiele die Entscheidung gegensätzlich aus, würden andere die Bewegung verlassen. Daher appelliere er an die Konferenz, den Antrag Rabbi fssermans abzulehnen. Der Antrag wurde dann mit großer Mehrheit abgelehnt. Palästina auf der britischen Labour- Reichskonferenz Eine Rede Shiels’ London, 27. Juli. (JTA.) Bei der britischen Labour-Reichskonferenz, die unter Beteiligung von Vertretern aus den Dominien, Kolonien und Mandatsgebieten in der vergangenen Woche in London abgehalten wurde, war, bei einer Gesamtbeteiligung von dreißig Delegierten, Palästina durch drei Delegierte, den Vorsitzenden der Jüdischen Arbeiterpartei in Palästina, Ben Gurion, Dov Hos und Golda Meyerson vertreten. Alle drei palästinensischen Delegierten kamen zu Worte. In längeren Ausführungen über die politische Gesamtsituation Palästinas im gegenwärtigen Augenblick sagte Ben Gurion u. a.: Es versteht sich von selbst, daß das Grundproblem des Nationalheims Einwanderung ist. Soll das Jüdische Nationalheim wiedererrichtet werden, dann wird das nicht durch die 170 000 gegenwärtig in Palästina ansässigen Juden erreicht werden, sondern durch die Einwanderung jüdischer Massen. Die jüdische Einwanderung nach Palästina unterscheidet sich weitgehend von der Einwanderung in andere Länder. Die jüdische Einwanderung hat die Steigerung der Einnahmen der Regierung sowohl, wie auch die allgemeine Prosperität des Landes verursacht. Die jüdische Einwanderung ist es, auf welche die Steigerung des Lebensstandards aller Teile der palästinensischen Bevölkerung zurückzuführen ist. Ein Vergleich macht das klar: Palästina ist entgegen allen wirtschaftlichen und historischen Erwägungen künstlich in zwei Teile, Westpalästina und Transjordanien, geteilt worden. Die jüdische Einwanderung hat sich bisher ausschließlich im westlichen Palästina konzentriert. Nun sind im westlichen Palästina die Regierungsausgaben für die arabische Erziehung — die jüdische Erziehung wird fast ausschließlich von den Juden selbst bestritten — pro Kopf der Bevölkerung dreimal höher als die entsprechenden Aufwendungen in Transjordanien. Die Aufwendungen für Gesundheitswesen sind fünfmal höher als in Transjordanien, wobei ebenfalls die Juden ihr eigenes Gesundheitswesen erhalten. Es ist uns gelungen, nach den Unruhen den Frieden im Lande wiederherzustellen und die Beziehungen zwischen den beiden Völkern verbessern sich zunehmend. Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse verbessern sich schnell. Die Suspendierung der Einwanderung hat im Lande eine lastende Ungewißheit erzeugt, sie stärkt jene Elemente, die auf den Konflikt der beiden Völker hinarbeiten und sie hatte einen sehr ungünstigen Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung. Infolge der Immigrationssperre sind viel Pläne wirtschaftlicher Neugründungen zurückgestellt worden und es ist durchaus möglich, daß eine künstliche Arbeitslosigkeit entsteht. Es ist für uns besonders peinvoll, daß diese Maßnahme, die im besonderen den organisierten Arbeiter trifft, unter einer Arbeiterregierung getroffen wurde, deren Mitglieder immer eine positive und freundschaftliche Haltung gegenüber unserem Siedlungswerk und der Arbeiterbewegung in Palästina bekannt haben und, wie ich denke, noch jetzt bekennen. Wir wissen und haben es immer gewußt, daß von allen politischen Parteien in England, die alle die Mandatspolitik gefördert haben, keine mehr Gerechtigkeit und faire Handlungsweise erwarten lassen kann, als die Arbeiterpartei und die Arbeiterregierung. Ich begreife, daß eine Arbeiterregierung wie jede menschliche Körperschaft Fehler machen kann. Im Aufträge der palästinensischen Arbeiterbewegung bringe ich unseren ernsten Wunsch zum Ausdruck, daß dieser Fehler so bald und so vollständig als möglich richtiggestellt wird. Das Mandat und das Jüdische Nationalheim haben ohne ununterbrochene und im Rahmen der vollen ökonomischen Aufnahmefähigkeit des durch jüdische Anstrengungen fortschrittlich entwickelten Landes stetig ansteigende Einwanderung keine Bedeutung. Golda Meyerson schilderte den durch die Suspendierung der jüdischen Einwanderung und die anderen Unrechten Handlungen gegen die Juden seit dem August vergangenen Jahres entstandenen Eindruck. Dov Hos sprach über die Arbeitergesetzgebung Palästinas und trat den unbegründeten Anklagen gegen die jüdischen Arbeitereinwanderer entgegen. Die Mehrheit der Konferenz nahm die Argumente der palästinensischen Delegierten mit viel Sympathie auf. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien in der Arbeiterregierung Dr. Shiels kam in längeren Ausführungen auf die strittigen Fragen der Palästinapolitik zu sprechen, um den Klagen der palästinensischen Delegierten den Standpunkt der Arbeiterregierung entgegenzusetzen. Er sprach mit Bitterkeit und einer gewissen Erregung über die „sogenannte“ Sperre der jüdischen Einwanderung nach Palästina

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