Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1930-08-01 · 31 (1.8.1930) · p. Seite 436

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
31 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 436 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103085-9238006--11040-9223107
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

436 Das Jüdische Echo Nr. 31 Stärke der deutschen Delegation ist von der Zahl der verkauften Kongreßkarten abhängig. Da uns bis zum Kongreß nur sehr wenig Zeit zur Verfügung steht, fordern wir alle Freunde des arbeitenden Palästina auf, sich aktiv für den Kongreß einzusetzen und große Massen um das Werk des arbeitenden Palästina zu sammeln. Liga für das arbeitende Palästina Jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation „Poale Zion“, „Hapoel Hazair“, Deutscher Landesverband der Hitachduth, Jung-Jüdischer Wanderbund, „Hechaluz“, Deutscher Landesverband Der Sabbat-Weltkongreß Berlin, 28. Juli. Die Vorarbeiten des Weltverbandes für Sabbatschutz zur Rüstung des von ihm einberufenen am 24., 25. und 26. August in Berlin tagenden Sabbat-Weltkongresses sind in allen Ländern in vollem Gange. Tagtäglich ergehen beim Zentralbüro des Weltverbandes neue Anmeldungen von Delegierten, darunter die namhaftesten Landesrabbiner verschiedener europäischer und außereuropäischer Länder. Die Regierungen der verschiedensten Länder schenken der Tagung eine besondere Beachtung und suchen den Wünschen der Delegierten in jeder Hinsicht entgegenzukommen. Die jüdischen Arbeitnehmerorganisationen der Länder mit jüdischer Massensiedlung sehen der Tagung wegen ihres sozialen Charakters mit größter Spannung entgegen. Die weitere Entwicklung der Dinge in Rumänien Weitere Maßnahmen der rumänischen Regierung zur Unterdrückung der antisemitischen Exzesse Bukarest, 27. Juli. (JTA.) Infolge des fortgesetzten Kurssturzes rumänischer Wertpapiere, der mit den Unruhen in Zusammenhang gebracht wird, beschäftigte sich das rumänische Kabinett neuerdings in einer siebenstündigen Sitzung mit der Beratung und Beschlußfassung über Maßnahmen, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu treffen sind. Das Kabinett erteilte dem Innenminister Vaida-Voevod Vollmacht zur Unterdrückung aller Ausschreitungen unter Anwendung schärfster Mittel. Bukarest, 27. Juli. (JTA.) Der Bukarester jüdische Vizebürgermeister, Herr Jacob Friedmann, hatte heute vormittags mit dem Justizminister Grigore Junian eine Unterredung. Der Justizminister erklärte, daß an alle Gerichts- und Verwaltungsorgane des ganzen Reiches strenge Erlässe ergangen sind, jeden Versuch zur Störung der öffentlichen Ordnung mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu unterdrücken. Bukarest, 27. Juli. (JTA.) Zahlreiche in den letzten Tagen vorgenommene Verhaftungen von antisemitischen Agitatoren in der Provinz lassen erkennen, daß die Regierung in der Bekämpfung der antisemitischen Bewegung im ganzen Lande aktiver wird. Unter den Verhafteten befindet sich auch ein berüchtigter Antisemitenführer, der in einem Städtchen der Bukowina verhaftet wurde, als er unter den Bauern Flugzettel verteilte, die zur Einäscherung jüdischer Häuser und zur Plünderung jüdischen Eigentums aufforderten. Innenminister Vaida-Voevod über die Lage in Rumänien — Ein Interview mit dem JTA- Vertreter Bukarest, 28. Juli. (JTA.) Der rumänische Innenminister Vaida-Voevod, dem tags zuvor durch das Kabinett diktatorische Vollmachten zur Bekämpfung der Unruhen im Lande gegeben wurden, empfing am 27. Juli den Sonderberichterstatter der JTA. in dreistündiger Audienz. Im Verlauf dieses Gespräches sagte der Innenminister: „Ich bin jetzt entschlossen, mit den schärfsten Maßnahmen jede den inneren Frieden gefährdende Bewegung und also auch die antisemitische Bewegung, die eine Gefahr für die Sicherheit der Juden bedeutet, zu unterdriikken und die Beteiligten strengstens zu bestrafen.“ Der Innenminister betonte, daß das rumänische Volk nicht antisemitisch sei und mit seinen jüdischen Nachbarn in Freundschaft zusammenlebe und daß die antisemitischen Unruhen auf Machenschaften der liberalen Partei zurückgehen, die bemüht ist, die gegenwärtige Regierung zu diskreditieren. Die Unruhen ereigneten sich nach der Wiederwahl des antisemitischen Professors Cuza, die nach Vaidas Überzeugung wirksam durch die liberale Partei unterstützt worden ist. „Ich habe nun energische Schritte unternommen“, sagte der Innenminister, „um eine Wiederholung der antisemitischen Ausbrüche unmöglich zu machen. Ich gab Befehl, jeden, der sich antisemitischer Propaganda schuldig macht, zu verhaften und wo es nötig erscheint, militärische Macht einzuselzen. Auf die Frage, ob die Regierung bereit ist, die durch die Unruhen betroffenen Juden in Borscha, Varna, Suczawa usw. zu entschädigen, sagte Vaida- Voevod wörtlich: „Die Regierung wird alle diese Schäden gutmachen, sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind. Den Juden von Borscha wird aus Regierungsmitteln Hilfe gewährt werden, wie sie den Juden von Klausenburg (Cluj) bei früherer Gelegenheit gewährt worden ist.“ Zum Schluß seiner Unterredung hob der Innenminister hervor, daß der Antisemitismus in Rumänien sich immer dann bedrohlich verschärft, wenn das Land unter einer wirtschaftlichen Krisis leidet, was gegenwärtig in besonders schwerer Form der Fall ist. Die Juden im Auslande könnten durch Unterstützung der rumänischen Anleihebemühungen zur Behebung der Wirtschaftskrise in Rumänien und damit auch zur Besserung der Lage der rumänischen Juden beitragen. Es gibt keine Assimilation der Minderheiten — erklärt Präsident Masaryk Prag, 28. Juli. (JTA.) Präsident Masaryk gewährte dem Prager Korrespondenten des Madrider „El Sol“ ein Interview, in welchem er u. a. erklärte: „Eine Assimilation der Minderheiten an das Staatsvolk ist unmöglich und mit den modernen und humanen Tendenzen des Staates unvereinbar. Für den Staat genügt es, wenn alle seine Bürger loyal sind und dies bei den verschiedenen Gelegenheiten beweisen. Den Staat kann man nicht als nationale Einheit ansehen, sondern als ein wirtschaftliches Ganzes, worin die Bürger gemäß ihren Interessen vereinigt werden.“ Thomas Mann zur völkischen Rassentheorie Wien, 28. Juli. (JTA.) Der Chefredakteur der Wiener Sonn- und Montagszeilung, Regierungsrat Ernst Klebinder, der in seiner Zeitung gegen das von Rektor Graf Gleispach erlassene rassenantisemitische Studentenrecht an der Wiener Universität scharfe Stellung nimmt, erhielt von Thomas Mann den nachstehenden Brief: „Nidden, Memel-Land, Haus Thomas Mann, 20. Juli. Sehr geehrter Herr Regierungsrat! Die völkische Rassentheorie und -forschung halte ich für die bedenklichste und unsicherste Art von Wissenschaft, bestimmt von Ressentiments, in ihren Konsequenzen kulturwidrig und absurd. Das Verhältnis ist eigentlich umgekehrt: Der Wunsch, die praktischen Konsequenzen zu ziehen, ist das Primäre und die Forschung nur dazu da, ihn ideologisch zu rechtfertigen. Ihr Protest gegen das Unwesen ist der ehrenhafteste und zu der Festigkeit, mit der Sie ihn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.