Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 30 (25.7.1930)
- Date
- 1930-07-25
- Page
- Seite 423 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 423 Studien, namentlich über den „Universalismus im Recht“, weit über seine Fachkreise hinaus bekannt geworden. Der Verstorbene war Hauptvorstandsmitglied des C.-V., hat in der Liberalen Vereinigung mitgearbeitet und sich mit viel Interesse der Arbeit der Gesellschaft ORT gewidmet. Oberrabbiner Dr. M. Lerner gestorben Altona, 16. Ju'li. (JTA.) Am Mittwoch, dem 9. Juli, starb in Altona im Alter von 73 Jahren, der langjährige Oberrabbiner von Schleswig-Hollstein, Dr. Meier Lerner. Der Verewigte genoß einen ganz besonders geachteten Ruf als Talmudist der alten Schule, der es verstand, gründliches jüdisches mit wirklich umfassendem profanem Wissen zu paaren. Dr. Lerner war über 30 Jahre lang der allseits beliebte geistige Führer der Altonaer Gemeinde. Habimah-Generalprobe von Shakespeares „Was ihr wollt“ vor Berliner Habimah-Freunden Berlin, 16. Juli. (JTA.) Das hebräische Theater „Habimah“, das sich seit einigen Monaten in Berlin aufhält und hier sein neues Repertoire studiert, hatte die Mitglieder des „Kreises der Freunde der Habimah“ am 15. Juli in das „Berliner Theater“ gebeten, um dort der Generalprobe zu Shakespeares „Was ihr wollt“, dem ersten Stück des neuen „Habimah“-Repertoires, beizuwohnen. Der Einladung war eine zahlreiche Verehrer-Gemeinde der „Habimah“-Kunst gefolgt, so daß die zur Verfügung stehenden Plätze des Theaters nicht aüsreichten. Unter den Anwesenden sah man prominente Vertreter der Berliner jüdischen Gesellschaft und des jüdischen öffentlichen Lebens, sowie Vertreter des geistigen Berlin, unter ihnen Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig, 'Alfred Döblin, Bernhard Döblin, Graf Montgelas u. a. Als auch Rabindranath Tagore, der sich gegenwärtig in Berlin aufhä’lt, im Theater erschien, wurde er Gegenstand herzlicher Ovationen, nachdem ihn Rechtsanwalt Sammy Gronemann durch eine kurze herzliche Ansprache im Namen der „Habimah“ begrüßt hatte. Die Aufführung löste bei den Anwesenden Begeisterung aus, die sich an vielen Stellen in Applaus vor offener Szene entlud. Zum Schlüsse, wurden neben den Schauspielern der Dichter-Übersetzer Dr. S. Tschernichowski, der Regisseur Tschechoff, der Bühnenmaler Masjutin und der Komponist Ernst Toch immer wieder gerufen. Der seit einigen Tagen in Berlin weilende hebräische Dichter Chaim Nachman Bialik hatte, weil er sich am nächsten Tag bereits zu Heilzwecken in ein Sanatorium begeben mußte, einer Theaterprobe am Abend vorher beigewohnt und hat sich über die Darstellung außerordentlich befriedigt geäußert. Die Berufung Prof. Kelsens an die Kölner Universität und die Zentrumspresse Köln, 20. Juli. (JTA.) Prof. Kelsen, der bedeutende Staatsrechtslehrer Österreichs und Autor der ersten Verfassung der österreichischen Republik, hat, um aus der Atmosphäre des Antisemitismus und Klerikalismus, die gegenwärtig an der Wiener Universität herrscht, herauszukommen, die an ihm ergangene Berufung der Kölner Universität angenommen. Prof. Kelsen hat seinen Entschluß auch nicht geändert, als ihm in den letzten Tagen eine Adresse, die die besten wissenschaftlichen Namen Österreichs trug, überreicht wurde, um ihn zum Verbleiben in Wien zu überreden. Zu seiner Berufung an die Kölner Universität nimmt die Zentrumspresse in eigenartiger Weise Stellung. So schreibt die „Kölnische Volkszeitung“ in ihrer Abendausgabe vom 14. Juli: ... ist es nicht unverständlich, und wirkt es nicht befremdend, wenn man jetzt hört, daß Oberbürgermeister Dr. Adenauer für die in diesen Tagen erfolgte Berufung von Kelsen (Wien) sich tatkräftig eingesetzt habe? Ist dem Öberbürgermeister nicht bekannt, daß die Universität Köln bereis mit Dozenten jüdischen Bekenntnisses überbesetzt ist, eine Tatsache, die auch in Professorenkreisen aus sachlichen Gründen starken Widerspruch findet? . . . Die Jahresversammlung von HIAS-JCA-EMIGDIRECT r Paris, 16. Juli. (JTA.) Bei der in Paris dieser Tage abgehaltenen Jahresversammlung von HIAS- JCA-EMIGDIRECT (HJCEM) wies der Vorsitzende der Versammlung, Justizrat Dr. Blau, darauf hin, daß trotz aller Einwanderungsbeschränkungen die jüdische Emigration aus Osteuropa beständig wächst. Während im Jahre 1927 aus Osteuropa 35 000 Juden nach verschiedenen Einwanderungsländern auswanderten, war die Zahl im Jahre 1928 38 000 und überschritt im Jahre 1929 45 000. In den ersten drei Jahren ihres Bestehens haben sich 157 000 Personen an die HJCEM-Gesellschaft um Rat und Hilfe gewandt. In den Hauptländern der jüdischen Einwanderung, ausgenommen die Vereinigten Staaten von Amerika, wurde 36 500 Einwanderern bei ihrer Ankunft und später Hilfe geleistet. Für 12 100 Einwanderer konnte Beschäftigung besorgt werden. In der gleichen Zeit ist es der HJCEM-Gesellschaft gelungen, den Einwanderern Reisekosten im Betrage von 252 000 Dollar zu ersparen. Spezielle Anstalten zur Schulung der neuen Ankömmlinge in verschiedenen Berufszweigen und in den Sprachen der Länder sind erhalten worden. In Frankreich konnten ungefähr 250 Einwanderer als landwirtschaftliche Arbeiter angesiedelt werden. Dr. Blau sagte weiter, er hoffe, daß es HJCEM gelingen werde, seine Maßnahmen zur Feststellung der Einwanderungsmöglichkeiten zu erweitern und die Juden der ganzen Welt an der Wohlfahrt der jüdischen Wanderer zu interessieren. Der Palästinabericht der Mandatskommission wird erst nach der Septembersession des Völkerbundsrates veröffentlicht werden London, 15. Juli. (JTA.) Im Unterhaus fragte der frühere Staatssekretär für die Kolonien, Amery, den Ministerpräsidenten, ob der Palästinabericht der Permanenten Mandatskommission in Form eines Weißbuches der englischen Regierung zugänglich gemacht werden könnte. Der Ministerpräsident verneinte die Frage. Es handle sich um ein vertrauliches Dokument, das dem Völkerbund von der Permanenten Mandatskommission, die rein beratende Funktionen hat, unterbreitet worden ist. Er sei dahin unterrichtet worden, daß eine Veröffentlichung des Berichtes unangemessen wäre, solange der Bericht vom Völkerbundsrat nicht veröffentlicht worden ist. Seinen Informationen nach wird dies nicht vor Abschluß der Septembersession des Völkerbundsrates geschehen. Rudolf Schildkraut gestorben N e u y o r k , 16. Juli. (JTA.) Gestern ist in Hollywood Rudolf Schildkraut, 68 Jahre alt, einer Herzschwäche erlegen. Schildkraut wurde in Konstantinopel als Sohn einer spaniolischen Familie geboren. Er kam in jungen Jahren nach Siebenbürgen, wo er deutsch lernte, 1893 kam er an das