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Das jüdische Echo · 1930-07-25 · 30 (25.7.1930) · p. Seite 421

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
30 (25.7.1930)
Date
1930-07-25
Page
Seite 421 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 421 und viel zur Entstehung des gegenwärtigen Zustandes beigetragen hat. Die ganze zionistische Sache ist in die Hände Englands gelegt worden, ln der weiteren Führung durch Weizmann sieht die Konferenz eine Gefahr für die zionistische Bewegung und sie drückt ihm ihr Mißtrauen aus.“ Dr. Soloweitschik schließt sich den scharfen Angriffen Strickers auf Weizmann an, meint aber, man müsse auf Grünbaum als den Führer der stärksten Gruppe der Radikalen Zionisten hören, wenn er glaubt, daß die Stimmung gegenwärtig der Forderung nach Rücktritt Weizmanns nicht günstig ist. Dr. Goldmann betonte, daß die Protestbewegung gegen die Politik der englischen Regierung keinen Kampf gegen das englische Volk bedeute, und daß auch Grünbaums Forderung nach Intensivierung der Protestbewegung nicht im Sinne eines Bruches mit England verstanden werden darf. Nach Beendigung der Aussprache, in der noch zahlreiche Redner zu Worte kamen, wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der es u. a. heißt (nach einer Schilderung der englischen Politik): Diese britische Politik bestätigt alle die Warnungen, die wir Jahre hindurch ausgesprochen haben. Jahrelang, und sogar noch nach den Augustunruhen 1929, hat die zionistische Politik, haben ihre leitenden Repräsentanten und die Majorität, auf die sie sich gestützt haben, diese Warnungen nicht beachtet und geglaubt, durch den Verzicht auf eine rückhaltlose Kritik der englischen Politik in Palästina und die Zurückstellung wichtigster zionistisch-politischer Forderungen sich die Möglichkeit ungestörter praktischer Aufbauarbeit sichern zu können. Dieser Glaube hat sich als eine Illusion erwiesen, denn die jetzige Situation zeigt, daß die britische Regierung auf dem Wege der langsamen Aushöhlung des Mandats bis zu einer direkten Behinderung der Ausbreitung der jüdischen Aufbauarbeit gelangt ist. Damit ist der Zusammenbruch des politischen Systems, das der von Dr. Weizmann und den von ihm geführten Exekutiven in all den Jahren betriebenen Politik zugrunde gelegen hat, offensichtlich geworden, eine Erkenntnis, aus der auch Dr. Weizmann in seinem Verhalten gegenüber den letzten Handlungen der britischen Regierung die Konsequenzen ziehen mußte. In dieser schweren politischen Krise der zionistischen Bewegung drohen ihr neben all den äußeren schwerwiegende innere Gefahren seitens bestimmter innerzionistischer und innerjüdischer Erscheinungen. Strömungen wie der Brith Schalom und ähnliche Tendenzen in anderen zionistischen Gruppen, die zu einer Preisgabe der letzten politischen Zielsetzungen des Zionismus bereit sind, bedrohen die Stärke und Einheitlichkeit der inneren moralischen und politischen Front der Bewegung, diskreditieren die zionistische Politik sowie die Zionistische Organisation und gefährden die stärkste Quelle unserer Kraft: den Glauben an die letzten Ziele des Zionismus und an die Möglichkeit ihrer Verwirklichung.... Daher rufen wir die gesamte zionistische Bewegung zum Kampfe auf gegen alle solchen liquidatorischen Tendenzen, sei es innerhalb der zionistischen Organisation, sei es innerhalb der Jewish Agency. Das Problem der jüdischarabischen Beziehungen in Palästina, das im letzten Jahre in den Vordergrund des Interesses und der Diskussion der zionistischen Öffentlichkeit getreten ist, erfordert die größte Aufmerksamkeit und ernsthafteste Behandlung. Alle zionistischen Gruppen sind sich einig in ihrem Willen, ein friedliches Zusammenleben und eine auf gegenseitiger Achtung beruhende Kooperation mit den Arabern herbeizuführen. Aber Voraussetzung hierfür ist der gleiche Wille auf arabischer Seite und in erster Reihe ihre Bereitschaft zur Anerkennung des Rechtes des jüdischen Volkes auf die Errichtung seines nationalen Heims in Palästina.... Die Zeit für eine politische Regelung der staatsrechtlichen Formen des Zusammenlebens von Juden und Arabern in Palästina ist noch nicht gekommen; jede Vorwegnahme einer solchen Regelung muß zu einer Preisgabe wichtigster politischer Ziele der zionistischen Bewegung führen und muß daher von uns abgelehnt werden. Die Ereignisse des letzten Jahres führen zu der zwingenden Erkenntnis von der Notwendigkeit einer Neuorientierung der zionistischen Politik. Das bisherige politische System, das in erster und fast ausschließlicher Linie auf dem Vertrauen in die englische Politik beruhte und darüber den internationalen Charakter der Judenfrage und des Zionismus als ihrer Lösung in den Hintergrund treten ließ, hat keine Begründung mehr, sei es in der Haltung der englischen Regierung, sei es in der seelischen Einstellung des jüdischen Volkes. Dies bedeutet nicht, daß die zionistische Politik antienglisch werden soll. Die zionistische Politik muß aus den Lehren der letzten Monate die Konsequenz einer völligen Neuorientierung ziehen: Neuorientierung im Sinne einer erneuten Darlegung der großen und letzten Ziele des Zionismus vor der gesamten Öffentlichkeit, einer Stärkung und Intensivierung des politischen Kampfwillens des jüdischen Volkes, einer Internationalisierung unserer Politik, auf der Erkenntnis basierend, daß die Judenfrage international sei, der Zionismus als Lösung der Judenfrage international ist, das Mandat eine internationale Verpflichtung ist und England als Mandatarmacht nur Vollstrecker dieser internationalen Verpflichtung ist. Diese Neuorientierung bedeutet, wenn sie konsequent und mit Aussicht auf Erfolg vorgenommen werden soll, einen völligen Kurswechsel der zionistischen Politik der letzten Jahre. Ein solcher Kurswechsel muß auch darin zum Ausdruck kommen, daß Dr. Weizmann und die von ihm geführte Exekutive als die Träger der zionistischen Politik, zu denen wir nach wie vor auf Grund ihres politischen Systems in all diesen Jahren kein Vertrauen haben können, und die vor der gesamten jüdischen und internationalen Öffentlichkeit als die verantwortlichen Repräsentanten des bisherigen Kurses dastehen, ihre Mandate niederlegen und so dem baldigst einzuberufenden ordentlichen zionistischen Kongreß die Möglichkeit geben, durch die Wahl einer neuen Leitung auch in dieser Form den Willen zur Neuorientierung unserer Politik zu dokumentieren. Tagung der Reichsarbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände Berlin, 15. Juli. (JTA.) (Amtlich.) Die Reichsarbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände trat am Sonntag, dem 13. Juli 1930, nach halbjähriger Pause in Berlin zu einer Beratung zusammen. Den Vorsitz führte der Präsident des Preußischen Landesverbandes, Kammergerichtsrat Leo Wolff. Die Versammlung war sehr gut besucht, insbesondere hatten auch die süddeutschen Landesverbände Vertreter in größerer Anzahl entsandt.

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