Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 30 (25.7.1930)
- Date
- 1930-07-25
- Page
- Seite 420 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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420 Das Jüdische Echo Nr. 30 Richtungzu erzielen, daß sie die Entscheidung der Kommission anerkennen. Die Jüdische Telegraphen- Agentur erfährt, daß Loefgren in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag viele Stunden lang mit dem Großmufti von Jerusalem und seinen Freunden konferierte. Während der Sitzung am Donnerstag verließ Loefgren die Sitzung, deren Vorsitz dann Barde innehatte, um mit dem^ stellvertretenden High Commissioner zu beraten/ Doch sollen die Aussichten auf eine Einigung mit den Moslems gering sein, da der Mufti trotz aller privat und öffentlich an ihn ergangenen Appelle der Kommissionsmitglieder sich von Anfang der Kommissionssitzung an unzugänglich zeigte. Von jüdischer Seite werden die Bemühungen der Kommissionsmitglieder nach Erzielung einer Einigung unterstützt und sowohl David Yellin als auch Dr. Blau, die vor dem Plaidoyer Dr. Eliashs Ansprachen vor der Kommission hielten, traten in warmen Worten für Einigung und Toleranz ein. In seiner einstündigen Ansprache vor der Kommission wies David Yellin auf den intoleranten Fanatismus der moslemischen Agitatoren hin und pries die im Gegensatz dazu stehende Toleranz ihrer Vorfahren. Dr. Yellin legte noch einmal Nachdruck darauf, daß keine einzige moslemische Autorität die Identität des Burak mit der Klagemauer stützt, und daß die moslemischen Theologen niemals gegen das Beten der Juden an der Klagemauer Einwendungen erhoben haben. Selbst der Mufti hat ursprünglich nur im Namen der mughrebinischen Anwohner protestiert und nicht wie jetzt im Namen von 300 Millionen Mohammedanern. Die Moslems haben keinen Zeugen dafür führen können, daß Mohammedaner je an der Mauer gebetet hätten und sie haben nie etwas dafür getan, die Mauer vor Verunreinigung zu bewahren. Die uralten jüdischen Rechte an der Mauer sind nicht auf bestimmte moslemische Herrscher beschränkt, entsprechen vielmehr dem Brauch, der seit Jahrhunderten gilt. Dr. Yellin beschloß seine Rede mit der folgenden feierlichen Erklärung: „Wir erklären vor der ganzen zivilisierten und vor der ganzen islamischen Welt, daß wir nicht beabsichtigen, das Gebiet des Haram esh Sheriff oder irgendeine seiner Moscheen anzutasten. Und daß wir auch nicht darnach streben, den Platz vor der Klagemauer in eine Synagoge umzuwandeln oder gegen die Rechte des Wakf zu verstoßen.“ Dr. Blau von der Agudath Jisrael schloß sich der Erklärung Dr. Yellins an. Der jüdische Vertreter Dr. Eliash verstärkte noch David Yellins Appell an die Moslems, die jüdische Position an der Klagemauer von einem menschlichen Gesichtspunkt aus zu betrachten und befürwortet in leidenschaftlichen Worten eine religiöse Toleranz. Die Juden sind fern davon, die Frage mit Politik zu vermengen. Dr. Eliash schloß seine Rede mit dem Appell an die Kommission, eine Lösung zustandezubringen, die sowohl die 300 Millionen Moslems, mit denen der Kommission gedroht wurde, wie auch die Juden befriedigt. Von moslemischer Seite verlas Ahmed Zaki Pascha zunächst eine Erklärung in arabischer Sprache, in der die Kommissionsmitglieder im Namen des „allmächtigen Rechts“ und derer, die die Gerechtigkeit lieben, begrüßt werden und die Hoffnung ausgesprochen wird, daß ihre Entscheidung unparteiisch sein wird und der Stadt Frieden bringen möge, deren Name den Frieden bedeutet. Der Redner, der beansprucht, für Hunderte von Millionen Moslems, vom Pazifischen bis zum Atlantischen Ozean und von Polen bis zum Kap der guten Hoffnung, zu sprechen, sagte, daß alle Moslems entschlossen sind, ihre Rechte an den moslemischen Heiligtümern zu verteidigen. Er brachte dann die folgende, in einer Besprechung der moslemischen Vertreter gebilligte Einspruchserklärung vor: Die überwiegende Mehrheit der palästinensischen Bewohnerschaft erklärt offiziell, daß sie das Mandat unter keinen Umständen anerkennt und sich daher auch durch keine gesetzliche Entscheidung gebunden fühlt, die aus dem Mandat abgeleitet wird, noch erkennt sie das Jüdische Nationalheim an. Die palästinensische Nation allein hat das Recht, über die das eigene Land betreffenden Bestimmungen zu entscheiden. Ein Streit um das Eigentumsrecht an gottesdienstlichen Stätten kann nur den kompetenten Stellen zur Entscheidung übergeben werden. Niemand anderer aber ist zur Behandlung solcher Fragen kompetent, als die palästinensische Nation selbst. Zweite Weltkonferenz der Radikalen Zionisten Scharfe politische Auseinandersetzungen innerhalb der Partei Lemberg, 15. Juli. (JTA.) Die zweite Weltkonferenz der Radikalen Zionisten in Lemberg fand am 13. und 14. Juli statt. Es wurde ein Zentralkomitee gewählt, dem u. a. die Herren J. Grünbaum, R. Stricker, Dr. N. Goldmann, Dr. M. Soloweitschik, Dr. Stephen S. Wise, Dr. E. Margulies, Dr. E. Krämer, Dr. Insler, Dr. Stern, Dr. Aberson und Dr. J. Wilensky angehören. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stand die Frage der oppositionellen Taktik gegenüber der Zionistischen Exekutive und besonders gegenüber Dr. Weizmann, wobei sich scharfe Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Hauptreferenten Grünbaum und Stricker ergaben. Grünbaum hatte in seinem Referat darauf hingewiesen, daß man trotz der opositionellen Haltung zu Weizmanns Politik im gegenwärtigen Augenblick keinen zionistischen „Bürgerkrieg“ entfesseln dürfe, besonders nachdem Weizmann selbst bei der Suspendierung der Einwanderungszertifikate in seinem Vertrauen in die englische Regierung erschüttert worden ist und einen neuen Kurs einhält. Er sehe nicht ein, warum man Weizmann nach diesem Kurswechsel nicht unterstützen solle. Weizmann werde sich ohnehin nicht halten können. Die englische Palästinapolitik werde ihn zerschmettern, aber der Kampf gegen Weizmann sei im gegenwärtigen Augenblick nicht nützlich und selbst die Revisionisten sind nicht mit der Forderung nach Rücktritt Weizmanns vor die Massen getreten. Der Kampf solle nicht gegen Weizmann, sondern gegen England geführt werden, der Rücktritt der Exekutive sei als Mittel des außenpolitischen Kampfes zu fordern. Diesen Ausführungen trat Stricker entgegen, indem er ausführte: Er verstehe nicht, was Grünbaums Wort vom Bürgerkrieg bedeuten solle. Der gegenwärtige Zustand in der zionistischen Politik müsse bekämpft werden, auch wenn man Weizmanns Verdienste in gewissen Situationen anerkennt. Weizmann habe der zionistischen Organisation die Annahme des Churchillschen Weißbuches aufgezwungen, und gehe auch jetzt, nach den Ereignissen des vergangenen Jahres, seinen Weg weiter. Daher müse sein Rücktritt mit allen Mitteln erzwungen werden. Stricker brachte eine Resolution folgenden Wortlauts ein: „Die Konferenz stellt fest, daß die Weizmannsche Politik die zionistischen Interessen schwer geschädigt