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Das jüdische Echo · 1930-07-25 · 30 (25.7.1930) · p. Seite 419

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
30 (25.7.1930)
Date
1930-07-25
Page
Seite 419 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 419 tischen Organisationen, Anwendung des Aufruhrparagraphen gegen alle Hetzer und strenge Maßnahmen gegen einige Vertreter der Behörden, die den antisemitischen Agitatoren Unterstützung angedeihen ließen, außerdem wurde die Veröffentlichung eines Regierungskommuniques verlangt, in dem die Haltung der Regierung zu den Unruhen genau präzisiert wird, sowie die Herausgabe eines Zirkularschreibens an alle dem Innenministerium untergeordneten Behörden mit der Anordnung, gegen die cuzistische Agitation mit aller Strenge vorzugehen. Wie in einer vom jüdischen Parlamentsklub veranstalteten Pressekonferenz von Dep. Landau mitgeteilt wurde, versprach der Innenminister Bestrafung der Schuldigen, erklärte jedoch, den anderen Forderungen der Delegation nicht nachkommen zu können. Er verwies die Delegation an den Justizminister. Der jüdische Parlamentsklub hat weiter um Audienzen bei König Carol, beim Ministerpräsidenten Juliu Maniu und beim Justizminister Junian nachgesucht. Die Klagemauerkommission hat Palästina verlassen Jerusalem, 21. Juli. (JTA.) Die Klagemauerkommission hat am Sonnabend, dem 19. Juli, spät abends Jerusalem verlassen. Vertreter der Regierung sowie Vertreter der Juden und Araber hatten sich zur Abreise der Kommission eingefunden. Beim Abschluß der Verhandlungen der Klagemauerkommission gab der Vorsitzende, Loefgren, in seiner Schlußrede die Anregung, daß der Kommission bis zum 1. September Vorschläge gemacht werden, die geeignet sind, eine arabisch-jüdische Verständigung in der Klagemauerfrage herbeizuführen. Wie der JTA aus Jerusalem telegraphiert wird, wird Sir John Hope Simpson Palästina am 27. Juli verlassen. Die letzten Verhandlungstage Jerusalem, 18. Juli. (JTA.) In der Sitzung der Klagemauerkommission am 14. Juli wurden von jüdischer Seite neue wichtige Dokumente vorgelegt, die bei der Durchforschung türkischer Archive in Konstantinopel von einem Beauftragten der Jewish Agency, Lebanon, entdeckt wurden. Es handelt sich um Firmane (kaiserliche Verordnungen) der Sultane Abdul Medschid und Abdul Hamid aus den Jahren 1841, 1889 und 1893, durch die den Juden gewisse Rechte zuerkannt wurden. Die Kommission vernahm weiter zwei christliche Patres als Zeugen des Anwalts der arabischen Sache. Der eine, Pere Dressair vom Orden der Assumptionisten, bezeugte, er habe die Klagemauer häufig besucht, habe aber nie Geräte gesehen. Pater Haidette vom Franziskanerorden, der seit 1880 in Jerusalem ansässig ist, machte eine ähnliche Aussage, bestätigte aber, Lampen gesehen zu haben; er sagte auch, er habe die Bezeichnung el Burak für die Klagemauer nie gehört. Der Sitzung wohnte eine Delegation von acht transjordanischen Notabein bei, darunter der Präsident des transjordanischen Gesetzgebenden Rates. Fünf am 15. Juli vom arabischen Anwalt als Zeugen geführte christliche Geistliche sagten übereinstimmend aus, daß sie als häufige Besucher der Klagemauer keine von den Gegenständen gesehen haben, von denen die Juden behaupten, daß ihre Verwendung an der Mauer üblich ist. Nach ihnen wurde Scheich Ismael Abdul, der oberste* Richter des Moslemischen Gerichtshofes in Jerusalem (Sharai), über die Unverletzlichkeit des für Wohltätigkeitszwecke gestifteten Wakf-Eigentums vernommen. Die Aussage des Scheichs gipfelte in einer Verherrlichung der Heiligkeit der Aksa-Moschee und der sie umgebenden Mauern. Nach Anhörung der Aussage des. Scheichs beschäftigte sich die Klagemauerkommission den ganzen Tag über mit einer ins einzelne gehenden Analyse des moslemischen Kirchenrechtes, insofern es Regelungen über das Wakf-Eigentum enthält. Nachher wurde Jemal Husseini, der Sekretär der arabischen Delegation in London, vernommen. Jemal Husseini sagte als Zeuge, daß er an der Klagemauer Gegenstände von der Art, wie die Juden sie dort benutzt zu haben behaupten, nicht gesehen habe und daß ihm nicht bekannt sei, daß die Juden vor dem Jahre 1919 an der Klagemauer gebetet haben. Der Vorsitzende der Kommission, Loefgren, unterbrach den Zeugen und sagte: Die Shawkommission war sorgfältig darauf bedacht, alles was mit den Rechten und Ansprüchen an der Klagemauer zusammenhängt, von ihren Verhandlungen auszuschließen. Unsere Pflicht ist es, unter Ausschluß aller politischen Fragen allein diese Rechte zu untersuchen. Es ist bedauerlich, daß die Arabische Exekutive sich der gesetzlichen Verordnung der Palästinaregierung, in der der jüdische Gottesdienst an der Klagemauer provisorisch geregelt wurde, widersetzt hat. Die Kommission aber kann sich davon nicht beeinflussen lassen. Sie hat die Klagemauerfrage als eine Rechtsfrage zur Beurteilung übernommen und wird sich durch Drohungen nicht beeinflussen lassen. Der Vorsitzende Loefgren sprach dann die Hoffnung aus, daß die beteiligten Parteien zu einer gegenseitigen Verständigung gelangen werden und daß die Entscheidung der Kommission ohne Furcht oder Haß befolgt werden wird, mit der gegenseitigen Achtung, die den beiden großen Teilen der Bevölkerung des Landes zukommt. Am 16. Juli wurde der Distriktsgouverneur von Jerusalem, Keith Roach, als erster Zeuge aus Regierungskreisen vernommen. Keith Roach war es bekanntlich, der am Jom Kippur 1928 die Beseitigung der Scheidewand und der Bänke anordnete. Er sagte, das Wachstum der jüdischen Bevölkerung seit der britischen Okkupation Palästinas sei die eigentliche Ursache des Klagemauerstreites. Das türkiche Regime befolgte eine Politik des laisser-faire, weil die Zahl der die Klagemauer besuchenden Juden gering war. Er bestätigte, an der Klagemauer früher Feldsessel gesehen zu haben, deren Gebrauch die Palästinaregierung duldete, bis die neuen Regelungen des High Commissioner Sir John Chancellor in Kraft traten. Keith Roach ist der Meinung, daß in der Art der jüdischen Gottesdienste an der Mauer im Laufe seiner Amtszeit gewisse Veränderungen vor sich gegangen sind. Die Schlußreden der Parteien — Loefgren uin eine gütliche Einigung bemüht Die Internationale Klagemauerkommiission drängte die Vertreter der beiden Parteien, die Verhandlungen durch die beiderseitigen Plaidoyers Donnerstag, den 17. Juli, zum Abschluß zu bringen, damit die Kommission Palästina am Sonnabend verlassen könne. Zugleich bemühte sich der Vorsitzende der Kommission, Loefgren, zwischen Juden und Arabern im Klagemauerstreit eine friedliche Einigung zustandezubringen, oder doch wenigstens eine Einigung mit den Moslems in der

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