Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 29 (18.7.1930)
- Date
- 1930-07-18
- Page
- Seite 410 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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410 Das Jüdische Echo Nr. 29 Jaffa zu arbeiten, und die Regierung anderseits die Benutzung eines in Tel-Awiw errichteten Schlachthauses wegen angeblicher Nichterfüllung der geforderten hygienischen Bedingungen verbot, werden durch Errichtung eines Schlachthauses in Tel-Awiw bald behoben sein. Das Colonial Office hat beschlossen, die Bewilligung für eine Anleihe der Stadt Tel-Awiw zwecks Errichtung eines ständigen Schlachthauses zu erteilen. Vorzugstarif für palästinensische Güter auf den ägyptischen Eisenbahnen Kairo, 8. Juli. (JTA.) Die Palästina-Regierung hat an die ägyptische Regierung das Ersuchen gerichtet, für palästinensische Güter den Beförderungstarif auf den Eisenbahnen um 33 Prozent herabzusetzen. Wie die JTA aus zuverlässiger Quelle erfährt, dürfte diesem Ersuchen seitens der ägyptischen Regierung entsprochen werden. Feuilleton Thomas Mann liest aus dem Josephroman Im dichtbesetzten Auditorium Maximum der Universität las Thomas Mann mehrere Kapitel aus seinem der Vollendung entgegengehenden Roman ,. Joseph und seine Brüde r“. In einem „Lebensabri ß“, der im Juniheft der „Neuen Rundschau“ erschien, deutete Thomas Mann bereits an, wie er zu diesem jüdischen Stoff kam: „Aus aller gewohnten Modernität und Bürgerlichkeit nämlich so tief ins Menschliche erzählerisch zurückzudringen, übte eine unbeschreiblichen sinnlich-geistigen Reiz auf mich aus. Die zu Gehör gebrachten Szenen sind der Vor- und Vätergeschichte entnommen, in der die Figur des Jaakob eine hervorragende Rolle spielt. Mit Schärfe und einzigartiger Deutlichkeit, zugleich mit leise schmunzelnder Ironie zeichnet Thomas Mann seine Gestalten. Einmalig, lebensdurchpulst erstehen sie vor uns: die kalte abweisende Lea, die zarte, kleine aber schlaue Rahel, die um den Besitz der Dudaim, der Alraune in Streit geraten: Jaakob, der vor dem Neide seines Schwiegervaters Laban flieht; Esau, der flötenspielend und tanzend seinem Bruder entgegenzieht und dabei eine lächerlich-komische Figur macht. Liebevoller Humor be- Personalia Mit dem Ableben von Jakob Hirschinger, der am 13. Juli im 73. Lebensjahr verschied, hat die Münchener Gemeinde eine außerordentliche Persönlichkeit verloren. 28 Jahre wirkte er hier in stiller, aufopfernder Arbeit, ein Freund und Ratgeber für jeden, der ihm begegnete, ein Vater und Helfer für unzählige Hilfesuchende, ein Gelehrter von seltener Tiefe, ein Mann reinster Überzeugungstreue, ein Weiser, wie sie unlsere Zeit kaum noch kennt. Als Jakob HiPschinger 1902 nach München kam und die Geschäfte des damaligen Zentralverbandes der jüdischen Wohlfahrtsvereine übernahm, baute er in freundschaftlichem Zusammenwirken mit dem sei. Rabbiner Dr. Werner und dessen Frau das geisamte Wohlfahrtswesen zu einer mustergültigen Organisation aus. Jakob Hirschinger war die führende Kraft der Chewra Kaddischa? der Krankenfürsorge, der Ferienkolonie, des Durchwanderervereins, des Frauenvereins und des Holzvereins. Mit der Gründung des Wohlfahrtsamteis der Kultusgemeinde übernahm er diese Arbeiten im Dienste der Gemeinde und wirkte in ihr unermüdlich, ein seltenes Beispiel hingebungsvollen Schaffens. Was ihn vor allem auszeichnete, war das menschliche Verstehen, das Miterleben und Fühlen für alle, die des Rates und der Hilfe bedurften. Das bewies er vor allem bei der Versorgung der ortsansässigen Armen, von denen mancher durch ihn in der diskretesten Weise gestützt, gefördert und zu neuem Mute geleitet wurde. Dieses allumfassende, allverstehende Liebeswerk konnte nur von einem Manne geleistet werden, gleitet die einzelnen Begebenheiten und rückt sie uns in greifbare Nähe. Überall spürt man die vollkommene Beherischung des Stoffes; nirgends lästige Breite, sondern Lebensganzheit, Wirklichkeit. Wie in seinem übrigen Werk ist auch hier die Sprache Thomas Manns eigenartig, blühend, durchsichtig, geistig und zugleich anmutig; anschaulich und lebenserfüllt gleitet sie dahin. Die kurzen Darstellungen zeugten von wahrer Dichtung, unbelastet von subjektivistischer Spielerei. Die Neugier nach dem menschlich Frühesten und Ältesten, dem Vorvernünftigen, Mythischen. Glaubensgeschichtlichen, die nach Manns Meinung in uns allen rege ist, nimmt hier Kunstform an. wird zu dauerndem Wert. Und wenn es auch nicht ohne weiteres gestattet ist, von einzelnen aus dem Zusammenhang gerissenen Szenen auf das noch unvollendete Ganze zu schließen, so darf man wohl vermuten^, daß dieses Werk ein erneuter Beweis für jene Humanität werden wird, von der Thomas Mann selbst sagt, daß sie für ihn kein erlesener und gedachter, sondern erlebter Gedanke sei. Hertha Lieber. dessen Geist ihn befähigte, sich über das Niveau des täglichen Lebens, zu erheben. Aus einem Hauise stammend, in dem jüdisches Wissen und strenge Gläubigkeit Tradition war, war Jakob Hirschinger bereits in jungen Jahren in die Wissenschaft des Judentums eingedrungen und hatte sich ein solches Maß von Kenntnissen angeeignet, daß er zum wissenschaftlichen Helfer des berühmten Gelehrten Raphael Rabinowitsch wurde, den er auf seinen Studienreisen bis in den Orient begleitete. Er war einer der besten Kenner alter Literatur, ein Bibliograph von umfassendem Überblick. Dies bewiels er immer wieder, galt es nun die Bibliothek des Ohel Jakob zu leiten und zu katalogisieren, in der Zusammenarbeit mit dem sei. Dr. Ehrentreu Fragen zu entscheiden oder Gelehrten wertvolle Hinweise zu geben. Dabei trat er, der einer der besten Gelehrten, allerdings ohne Rang und Titel war, für sich stets bescheiden in den Hintergrund. Er wollte nicht genannt sein; wer aber das Glück hatte, in wissenschaftlicher Unterhaltung, in seiner mit einer wertvollen Bibliothek gefüllten Stube ihm näherzutreten, der empfing einen Hauch echter Gelehrsamkeit, eines Wissens, das sich auf Gebiete erstreckte, das mit der gleichen Begeisterung Altem wie Neuem, jüdischer Erkenntnis wie technischen Erfindungen folgte. Die Kultusgemeinde München, die Gemeinde Ohel Jakob, die große Schar derer, der er Wohltäter gewesen, das Judentum verliert in Jakob Hirschinger einen der Würdigsten und Edelsten, einen Mann, dessen Andenken fortleben wird bei allen, die ihn kannten, verehrten und liebten. An der Bahre hob Oberstlandesgerichtsrat Neu-