Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 29 (18.7.1930)
- Date
- 1930-07-18
- Page
- Seite 409 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 409 stellte, daß der Vorsitzende des Elternausschusses, Dr. Steintal, in einem nationallsozialistischen Blatt ein Pamphlet gegen jüdische Ärzte geschrieben hat, in dem der Versuch gemacht wird, die Aufmerksamkeit von den wahren Schuldigen abzulenken und die Schuld jüdischen Ärzten in die Schuhe zu schieben. In seiner Erwiderung rückte das Mitglied des Elternausschusses, Dr. Meyer, von dem Artikel des Dr. Steintal ab und betonte die Notwendigkeit, in dieser Angelegenheit parteipolitische Neutralität zu wahren. Leipziger Stadtverordneten-Kollegium lehnt einen Schächtverbotsantrag de** Nationalsozialisten ab Leipzig, 10. Juli. (JTA.) In der letzten Sitzung des Leipziger Stadtverordneten-Kollegiums stand ein Antrag der Nationalsozialisten zur Beratung, das Schächten im Stadtgebiet Leipzig zu verbieten. Berichterstatter für diesen Antrag war Stadtverordneter Obermeister Robert Schneider von der Wirtschaftspartei. Er wies darauf hin, daß das Schächten bereits vor einer Reihe von Jahren in Leipzig untersagt gewesen sei, daß man es aber 1911 aus wirtschaftlichen Gründen in Leipzig wieder eingeführt hat. Ein Verbot könne höchstens seitens des Reiches in Frage kommen, niemals aber seitens eines einzelnen Stadtgebietes. Das Kollegium lehnte dem Antrag des Berichterstatters gemäß das Ersuchen der Nationalsozialisten mit großer Mehrheit ab. Verbindung der Arbeiterinnen Palästinas mit der Weltorganisation zionistischer Frauen London,, 9. Juli. (JTA.) Am 2. Juli kam in London anläßlich einer Sitzung der Wizo-Exekutive mit der Vertreterin des Arbeiterinnenrates Palästinas, Frl. Ada Fischmann, der Anschluß der Arbeiterinnen-Organisation Palästinas an die Weltorganisation zionistischer Frauen auf Grund einer besonderen organisatorischen Abmachung zustande, derzufolge die Arbeiterinnenschaft Palästinas eine Vertreterin in die Exekutive der Wizo entsenden und durch'zwei Delegierte im Council, durch vier Delegierte in den zweijährlichen Konferenzen der Weltorganisation zionistischer Frauen vertreten sein soll. Die durch die Moazath Hapaoloth vertretene Organisation der Arbeiterinnen Palästinas umfaßt heute 11 000 Mädchen und Frauen der städtischen und der ländlichen Berufsarbeit. Daniel Pasmanik gestorben Paris, 7. Juli. (JTA.) In Paris verstarb an Tuberkulose Dr. Daniel Pasmanik, der bis zur bolschewistischen Revolution in der zionistischen Bewegung eine bedeutende Rolle gespielt hat. Im Jahre 1864 in Rußland geboren, war Pasmanik einige Jahre als Privatdozent der Medizin in Genf tätig. Der zionistischen Bewegung schloß er sich im Jahre 1900 an und wurde bald einer ihrer tätigsten Mitarbeiter. Er war Gegner des Charter-Gedankens und Befürworter der „evolutionistischen“ Auffassung des Zionismus und der „praktischen“ Richtung. Die Tragödie von Borscha Bukarest, 8. Juli. (JTA.) „Adeverul“ bringt einen ausführlichen Bericht über die Lage in Borscha. Das ganze Städtchen ist eine einzige Brandwüste, Schutt verbrannter Einrichtungsgegenstände, Waren, verkohlte Kadaver von Vieh und Geflügel füllen die Gassen. Die Einwohnerschaft der Unglückstadt kampiert im Freien, da nur ein kleiner Teil derselben von Verwandten und Bekannten aus der Umgebung aufgenommen werden konnte. Tiefe Trauer ist auf den Gesichtern der unglücklichen Einwohner zu lesen. Lebensmittel werden von außen zugeführt, aber nur die Kinder sieht man essen, die Erwachsenen verzichten auf Nahrung. Der Brandschaden wird auf insgesamt 50 Millionen Lei geschätzt, nur ein kleiner Teil des Besitzes war versichert. Das Finanzministerium hat eine halbe Million Lei für schnelle Hilfe zur Verfügung gestellt. Fünf Todesopfer? Czernowitz, 10. Juli. (JTA.) Der Sonderberichterstatter des „Czernowitzer Morgenblatt“ telegraphierte aus Borscha, daß bereits lünf Personen aus Borscha, die mit lebensgefährlichen Brandwunden ins Hospital von Sziget gebracht wurden, ihren Verletzungen erlegen sind. Der antisemitische Terror in der Bukowina Czernowitz, 13. Juli. (JTA.) Die von antisemitischen Agitatoren geführte Bauernbewegung in der Bukowina nimmt immer schwerere Formen an und gibt Grund zu äußerster Besorgnis um das Schicksal der Juden. Der Katastrophe von Borscha sind am 10. Juli Ereignisse in der überwiegend von Juden bewohnten Stadt Suczawa gefolgt, die den Juden schweren Schaden an Gesundheit und Besitz verursacht haben, und besonders dadurch zu schweren Besorgnissen für die Zukunft Anlaß geben, weil sich bei ihnen die Unzulänglichkeit der Schutzmaßnahmen erwies, die die rumänischen Behörden zur Anwendung bringen. 70. Geburtstag von Abraham Kahan Neuyork, 14. Juli. (JTA.) Am Sonntag, dem 13. Juli, vollendete Herr Abraham Kahan (engl. Abe Cahan), der hervorragende jiddische Schriftsteller und Publizist, Mitschöpfer und Führer der modernen jiddischen Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten, Chefredakteur der großen jiddischen Tageszeitung „Vorwärts“ (Jewish Daily Forward), sein 70. Lebensjahr. Abe Cahan ist einer der populärsten Männer des jüdischen öffentlichen Lebens in den Vereinigten Staaten und er genießt auch unter den jüdischen Massen in den Ländern Osteuropas großes Ansehen. Die Verhandlungen der Klagemauerkommission Jerusalem, 9. Juli. (JTA.) Im Verlauf der Verhandlungen vor der Klagemauerkommis&ion wurde der frühere diplomatische Vertreter Iraks in London, Mezah Bey Pachachi, vernommen. Reverend Christie, der älteste englische Einwohner von Tiberias, hat, da er seines hohen Alters wegen die Reise nach Jerusalem nicht unternehmen konnte, in einer schriftlichen eidlichen Erklärung eine erschöpfende Beschreibung seiner zahlreichen Besuche an der Klagemauer übersandt. In ihr legt er dar, daß er sowohl individuellen wie Gemeindegottesdienst mit allen Zubehören beobachtet hat. Eine andere schriftliche eidliche Erklärung übersandte ein Lehrer aus Manchester, namens Slotki. Weiter wurden als jüdische Zeugen Dr. David Yellin und Dr. Brawer vernommen. Für die arabische Seite wurde dann Mohammed Altaftazani Sufi, der „Wächter“ des ägyptischen Wakf, verhört. Tel-Awiw erhält sein eigenes Schlachthaus Jerusalem, 9. Juli. (JTA,) Die in den letzten Monaten in Tel-Awiw bestandenen Schwierigkeiten in der Fleischversorgung, die ihre Ursache darin hatten, daß die jüdischen Schlächter sich nach den Augustunruhen weigerten, im Schlachthaus von