Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 29 (18.7.1930)
- Date
- 1930-07-18
- Page
- Seite 408 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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408 Das Jüdische Echo Nr. 29 zu ersehen. Während der Mittagspause trafen die Motorradfahrer in den Straßen Antwerpens ein. Es wurde ihnen unter Anteilnahme der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung ein enthusiastischer Empfang zuteil. Am Nachmittag wurden die Verhandlungen fortgesetzt und verschiedene wichtige Beschlüsse gefaßt. Am Sonntag, dem 6. Juli, nachmittags, fand im Berchenstadion ein großes Sportfest bei Anwesenheit von Tausenden von Zuschauern statt. Es wurden Wettkämpfe in der Leichtathletik, im Turnen (dieses unter Beteiligung einer größeren Gruppe aus Holland, wo noch keine Makkabivereine bisher existieren), Gymnastik und Fußball ausgetragen. Der Verlauf des Sportfestes war ein glänzender und stellte eine große Demonstration und ein Bekenntnis der jüdischen Jugend zur Idee der körperlichen Ertüchtigung dar. Am Abend vorher versammelte sich ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung in der großen Turnhalle des Makkabi Antwerpen zu einer Kundgebung. Es sprachen außer den Vertretern der Zionistischen Föderation Belgiens, der Jüdischen Gemeinde Antwerpens und des Rabbinats Delegierte der verschiedenen Länder. Den stärksten Eindruck machten die Reden von Direktor Kareski, Barth, Dr. Klee und Dr. Leiewer. Alle Redner beglückwünschten den Makkabi Antwerpen zu seinem zehnjährigen Jubiläum und legten ein Bekenntnis ab zur Idee des Zionismus und des Makkabi. Mit Absingen der Hatikwah schloß diese eindrucksvolle Kundgebung. Der Sonntagabend vereinigte die Teilnehmer zu einem Schwimmfest, auf welchem vorzügliche Leistungen, besonders der Teilnehmer aus der Tschechoslowakei, England und Belgien gezeigt wurden. Ein besonderes Ereignis war das Tennisturnier am Montag, an welchem sich als Gast der berühmte Tennischampion und Spitzenspieler Daniel Prenn beteiligte. Prenn betonte seine volle Sympathie mit den Zielen des Makkabi-Weltverbandes und stellte seine weitere Mitarbeit in Aussicht. Am Vormittag des Montag fand die Schlußsitzung der Delegiertentagung statt. Dr. Rosenfeld referierte über die Vorbereitungen zur Makkabiah 1932 und Fritz Lewinsohn über die Aufgaben des Ozar Hamakkabi. Für den Keren Kajemeth sprach Herr Pollak, der sich eingehend mit den Spezialaufgaben des Makkabi für den K.K.L. befaßte. Es wurde eine Reihe von wichtigen Beschlüssen betreffend Organisierung der Makkabiah, des Ozar Hamakkabi, des K.K.L. und betreffend Sportuftd turntechnische Fragen gefaßt. Am Montag nachmittag fand ein gastlicher Empfang der Präsidiumsmitglieder und der Delegierten durch die Belgische Föderation im Saale des Beth Zion statt, auf welchem Herr Torczyner im Namen der belgischen Zionisten Worte der Begrüßung sprach. Die Festtage fanden ihren Abschluß durch einen Ball, der alle Teilnehmer und zahlreiche Gäste am Montag abend vereinigte. Vom Präsidium des Weltmakkabi wird dem JTA-Vertreter gegenüber erklärt: „Die Tage von Antwerpen haben bewiesen, daß im Makkabi-Weltverband eine neue Jugend heranwächst, die geeignet ist, Nachwuchsbewegung der zionistischen Weltorganisation zu werden. Der Makkabi-Weltverband ist heute die bei weitem größte Organisation jüdischer Jugend in aller Welt und stellt das stärkste Reservoir zionistischer Kräfte dar. Antwerpen war die letzte Etappe auf dem Wege zur Makkabiah, der jüdischen Olympiade, die im Frühjahr 1932 in Erez Isral stattfinden wird und auf die von jetzt ab alle Kräfte der Makkabiorganisation konzentriert werden.“ Aus der jüdischen Welt Wieder Schändung eines jüdischen Friedhofes Frankfurt a. M., 9. Juli. (JTA.) In einer der letzten Nächte wurde, wie aus Neustadt a. d. Aisch berichtet wird, der jüdische Friedhof bei Dielspeck durch Umwerfen und Beschädigen von Grabsteinen geschändet. Die Gendarmerie hat sofort Nachforschungen aufgenommen. Die Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden Berlin, 9. Juli. (JTA.) Am 30. November 1930 finden die Wahlen zum Verbandstage des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Der Verbandstag besteht aus Abgeordneten, welche von den Mitgliedern der zum Verband gehörigen Gemeinden gewählt werden. Auf je 3000 Seelen entfällt ein Abgeordneter; insgesamt wird der künftige Verbandstag 130 bis 140 Abgeordnete zählen. Die Abgeordneten werden auf die Dauer von vier Jahren gewählt, die Wahlperiode läuft vom 1. Oktober bis zum 30. September. Die Fürsorgetätigkeit des Hilfsvereins Berlin, 11. Juli. (JTA.) Vor einigen Tagen fand eine Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt. Aus den erstatteten Berichten geht hervor, daß die Arbeit in den letzten Monaten auf den verschiedensten Gebieten erhebliche Fortschritte gemacht hat. Die Sammlung für Litauen, die der Kinderfürsorge dient, hat ein sehr günstiges Ergebnis gehabt. Der Geschäftsführende Ausschuß beschloß angesichts der fürchterlichen Notlage die Kinderfürsorgearbeit auch auf Polen auszudehnen unter Zugrundelegung von Vorschlägen von Herrn Dr. Bernhard Kahn. Die Hilfsarbeit sowohl in Litauen wie in Polen erfolgt im Einvernehmen mit dem American Joint Distribution Committee. In der Ukraine und in der Krim vollzieht sich die sanitäre Hilfsarbeit des Hilfsvereins in engstem Zusammenwirken mit der Jewish Colonisation Association und dem Agr o-Joint, die bei dem Bau von Ambulatorien, die der Hilfsverein in den genannten Gebieten errichtet, ihre Mithilfe leihen. Das Kulturwerk des Hilfsvereins in Rumänien wird in umfassendem Maße fortgeführt. Der Produktivierung der jüdischen Jugend, die durch eine intensive Berufsberatung vorbereitet und gefördert werden soll, wird hierbei besonderes Augenmerk gewidmet. Die Fürsorgetätigkeit für die Auswanderer, für Waisenkinder und für Studierende nimmt ihren Fortgang und beansprucht nach wie vor erhebliche Mittel. Die Organisation des Hilfsvereins hat auch im letzten halben Jahr eine sehr wesentliche Erweiterung erfahren. Das Lübecker Kindersterben zu antisemitischer Hetze ausgenützt Berlin, 13. Juli. (JTA.) Am 11. Juli abends fand im „Rheingold“ eine vom „Arbeitsausschuß zur Verfolgung der Lübecker Kindermorde“ veranstaltete Versammlung statt, zu der außer Vertretern der betroffenen Lübecker Eltern (bekanntlich sind in Lübeck bisher 55 Kinder infolge unzweckmäßiger Fütterung mit dem Calmette-Präparat an Tuberkulose gestorben, während zahlreich^ andere Kinder stark gefährdet sind) auch zahlreiche Ärzte erschienen waren. In der den Referaten sich anschließenden Aussprache kam es zu erregten Szenen, als der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Moses fest-