Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 29 (18.7.1930)
- Date
- 1930-07-18
- Page
- Seite 405 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 405 tionen zur Grundlage ihrer Entscheidungen nehmen und nicht etwaige Empfehlungen. Simpson wird in drei bis vier Monaten zurückerwartet. Unterdessen sollten sich die Juden beruhigen und nicht mit Mißtrauen auf Großbritannien blicken, denn Großbritannien bricht sein Wort nicht. Im Leitartikel begrüßt die Redaktion des „Vorwärts“ die vorstehende Äußerung Lord Paßfields als eine Geste des Friedenswillens gegenüber den Juden. Die Juden, schreibt das Blatt, werden die ausgestreckte Friedenshand mit Wärme ergreifen. Scharfe Kritik der Mandatskommission an der Palästina»Ädministration Über den Palästinabericht der Mandatskommission des Völkerbundes sind in den letzten Tagen verschiedene sich widersprechende Meldungen veröffentlicht worden. U. a. hat auch der „Daily Telegraph“ (ähnlich die Wiener „Neue Freie Presse“) in sensationeller Weise berichtet, daß die Mandatskommission zwar auch die Haltung der Palästinaregierung kritisiere, sich aber vor allem gegen den Zionismus wende. Diese Meldung wird nun neuerdings durch die folgende berichtigt, die indes auch mit Vorsicht aufzunehmqn ist. Endgültige Klarheit wird erst die Veröffentlichung des Berichts selbst schaffen, die in etwa vierzehn Tagen erfolgen dürfte. London, 11. Juli. (JTA.) „Daily Telegraph“ setzt seine Mitteilungen über den Inhalt des Palästinaberichtes der Permanenten Mandatskommission fort und schreibt: Der Bericht der Mandatskommission über Palästina enthält eine scharfe Kritik der Administration. Er vertritt die Meinung, daß die beschränkte Zahl britischer Truppen und die unzureichenden Polizeikräfte in erster Linie für die Ausbreitung der arabischen Unruhen und für die ernsten Konsequenzen, die sie im Gefolge hatten, verantwortlich zu machen sind. Die Kommission vertritt die Meinung, daß die Unruhen nicht so beurteilt werden dürfen, als wären sie inmitten einer beruhigten politischen Atmosphäre spontan ausgebrochen. Es war ihnen eine Reihe warnender Zwischenfälle vorangegangen, deren offensichtliches Zentrum der Klagemauerkonflikt war. Die Klagemauer wurde in bestimmter Weise zum Konzentrationspunkt für die einander widersprechenden Wünsche der beiden Völker, von denen jedes bemüht war, seine Ansprüche durch Berufung auf eigenes Recht oder durch Anklagen gegen die andere Partei durchzusetzen. Der Streit um die Klagemauer erzeugte in der jüdischen Bevölkerung und durch Übertragung in einem großen Teil Palästinas einen Zustand von Nervosität und erhitzter Leidenschaft, die jederzeit zu einer gewalttätigen Explosion führen konnten. Nichtsdestoweniger sei die Möglichkeit einer Vorsätzlichkeit der Unruhen nicht ausgeschlossen; die Kommission ist nicht davon überzeugt, daß die von der Majorität der britischen Untersuchungskommission eingenommene nachsichtige Haltung gegenüber dem Verhalten der arabischen Führer gerechtfertigt ist. Die Mandatskommission ist ferner der Meinung, daß die britische Erklärung, in der behauptet wird, daß die Palästinabewegung nicht gegen die britischen Behörden gerichtet war, kaum zu rechtfertigen ist. Zweifellos waren die Angriffe der Araber ausschließlich gegen die Juden gerichtet. Aber die Erregung der an ihnen beteiligten Araber hatte in politischen Verhältnissen ihren Ursprung. Für diese Erregung wurden von den Arabern diejenigen verantwortlich gemacht, die an der Ausführung des Mandats interessiert sind, also an erster Stelle die britische Regierung. Alle Vorstellungen von politischen Führern, Vereinigungen und anderen Vertretern des arabischen Elements haben klar erwiesen, daß die arabische Bewegung eine Tendenz zur Auflehnung gegen die Politik der Mandatarmacht als solche enthält. Die britische Regierung hätte vor dem September 1929 handeln müssen. Die Mandatarmacht stimmt mit der (britischen) Untersuchungskommission in der Feststellung überein, daß der im Lande herrschende gefährliche Gemütszustand durch fortgesetzte Propaganda der Landespresse, an erster Stelle der arabischen Presse, gefördert worden ist. Die Administration hat nicht immer rechtzeitig von der zu ihrer Verfügung stehenden Macht Gebrauch gemacht. Durch das Pressegesetz können Veröffentlichungen aufwieglerischen Charakters ausgeschaltet werden. Die Palästinaregierung wurde durch die Ereignisse in vieler Hinsicht überrascht. Die von der Landesadministration in der Berichtsperiode bewiesene Unschlüssigkeit erklärt sich durch die Tatsache, daß die Ereignisse sie vollkommen unvorbereitet trafen. Die Kommission kann ihr Bedauern darüber nicht verbergen, daß die Mandatarmacht bei der Totaldurchführung des Mandats in manchen Hinsichten nicht erfolgreich gewesen ist. Es wird gegen die Regierung der Vorwurf erhoben, sie habe ihre Verpflichtung, die Errichtung eines Nationalheims für die Juden zu fördern, nicht erfüllt. Sie hat es unterlassen, die für die Entwicklung eines nationalen Zentrums für das jüdische Volk notwendigen Bedingungen, die Sicherheit für Leben und Eigentum, zu schaffen. Ihre Schwäche in mancher Beziehung angesichts solcher präzedenzloser Erscheinungen, wie sie die zionistische Bewegung darstellt, hat auch andere als nur jüdidische Interessen geschädigt. Im Hinblick auf die wohl organisierte und über bedeutende Mittel verfügende jüdische Gemeinschaft müssen die unorganisierten und solcher finanziellen Wellen entbehrenden Araber schwere Bedenken hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Zukunft tragen. Sie hätten Schutz ihrer Interessen finden müssen in einer Agrarpolitik oder in der Durchführung öffentlicher, zur Entwicklung der landwirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes bestimmter Arbeiten. Solche Maßnahmen würden die Araber dahingebracht haben, die gewonnenen Vorteile richtig einzuschätzen und die Kenntnis moderner Methoden zur Erzielung größter Gewinnung aus dem Boden unter ihnen verbreitet haben. Die Kommission ist der Meinung, daß die Mandatarmacht die Interessen der beiden Elemente der palästinensischen Bevölkerung miteinander in Einklang hätte bringen können. Durch Studium der die Einwohner des Landes interessierenden ökonomischen Probleme hätte die Regierung die beiden Elemente in eine enge Verbindung miteinander bringen und so zu einer Fusion der Interessen beitragen können. Auf die arabischen Forderungen nach freier Selbstregierung übergehend, stellt die Kommission fest, daß diejenigen, die diese Gedanken formulieren, bei ihr keine Unterstützung finden werden. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die Notwendigkeiten, gegen feindselige Elemente einzuschreiten, die Palästina-Regierung nicht daran hindern werden, ein konstruktives Programm mit größerer Energie als bisher durchzuführen. Die von der britischen Regierung zur Verhinderung zukünf-