Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 28 (11.7.1930)
- Date
- 1930-07-11
- Page
- Seite 393 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 393 gehen. Unsere G-enerationen alte Entschlossenheit, nach Palästina zurückzukehren, kann nicht ins Wanken gebracht werden. In dieser Stunde, in der die Wege vorgezeichnet werden, die wir vielleicht viele Jahre lang werden gehen müssen, wenden wir uns noch einmal an die Araber und an die Mandatarmacht. Wir wollen keine mit unserer Ehre zu vereinbarende Anstrengung scheuen, um eine Z u s a m m e n - a r b e i l mit den Arabern in der Arbeit für die Entwicklung des Landes sicherzustellen, und wir fordern die Araber auf, eine solche Zusammenarbeit möglich zu machen. Von der britischen Regierung aber fordern wir, daß sie wieder einmal ihre Aufgabe in Palästina mit d e n Au gen jener Männer sieht, die die Balfourdeklaration verlaßt haben. Die Convention in Cleveland Rückkehr der Brandeisgruppe Die mit so großer Spannung erwartete Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten in Cleveland, die Dienstag zu Ende ging, führte zu einer Rückkehr der Brandeisgruppe, die 1921 (gleichfalls in Cleveland) ausgeschieden war, in die Leitung des amerikanischen Zionismus. Lipsky trat als Präsident der amerikanischen Organisation zurück. Die Convention wählte keinen neuen Präsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas, sondern ein lSgliedriges Komitee, darunter 12 Mitglieder der Brandeisgruppe und 6 Mitglieder der bisherigen Administration. Das Komitee zerfällt in zwei 9gliedrige Unterkomitees, von denen das eine die Verwaltung der Organisation zu versehen hat, während das andere für politische und wirtschaftliche Fragen zuständig ist. Von den Mitgliedern der bisherigen Administration, sind in die neue Leitung wiedergewählt worden: Abraham Goldberg, James Heller, William M. Lewis, Louis Lipsky, Morris Rothenberg, Nelson Ruthenberg; die neu gewählten 12 Mitglieder der Brandeisgruppe sind: Israel Brodie, Jacob de Haas, Jacob, Judge Julian W. Mack, Emanuel Newmann, Abraham A. Neumann, Nathan Ratnoff, Rosenson, Rabbi Silver, Robert Szold, Abraham Tullin, Dr. Stephen Wise. Cleveland, 1. Juli. (JTA>.) Bei Anwesenheit von mehr als 2000 Delegierten und Gästen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten wurde am 29. Juni in Gleveland die Convention der Zionistischen Organisation eröffnet. Die Convention gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung gegen die letzte Entwicklung der Palästinapolitik der britischen Regierung. Der Präsident der amerikanischen Zionistischen Organisation, Loius Lipsky, dem die Versammlung eine Ovation bereitete, erklärte, England habe in der Verwaltung des Palästinamandats vollkommen versagt; die Protestbewegung in der gesamten Welt werde nicht aufhören, bis nicht die Suspendierungsverordnung zurückgezogen ist. Alle Redner, die in der Eröffnungssitzung zu Worte kamen, schlossen sich diesen Worten Lipskys an und fanden den einmütigen Beifall der Delegierten und Gäste. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, sandte der Convention eine in herzlichen Worten abgefaßte Botschaft, in der er dem Gefühl tiefster Wertschätzung für die Zionistische Organisation Amerikas und deren Verdienste um die Intensivierung des geistigen Lebens der jüdischen Rasse Ausdruck gibt. Einigung im amerikanischen Zionismus eröffnet dem Weltzionismus Aussichten Neuyork, 4. Juli. (JTA.) In der zionistischen und jüdischen Öffentlichkeit gibt der in Cleveland vollzogene Friedensschluß zwischen den Anhängern der bisherigen Administration und den Oppositionsgruppen bzw. der Brandeisgruppe zu Optimismus Anlaß. Das Ereignis wird in den Tageszeitungen ,,I)er Tog“ und „Morning Journal' in Leitartikeln begrüßt, in denen frohe Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung des Zionismus in Amerika und in der übrigen Welt ausgesprochen werden. In Erklärungen an die JTA gaben Louis Lipsky, Jacob de Haas, Dr. Stephen S. Wise und Morris Rothenberg iibereinstimmned ihrer festen Überzeugung Ausdruck, daß der in der Zionistischen Organisation Amerikas herbeigeführte Friede nicht nur der weiteren Entwicklung des amerikanischen Zionismus, sondern auch der des Weltzionismus neue wertvolle Ausblicke eröffnet. Weitere Zeugen der jüdischen Sache vor der Klagemauerkommission Jerusalem, 2. Juli. (JTA.) Am 30. Juni vernahm die Kommission einen bucharischen Juden names Zion Ben Isa Isacharoff, der seit 43 Jahren in Jerusalem ansässig ist. Er legte dar, daß er schon als junger Mann dem Gottesdienste an der Klagemauer beizuwohnen pflegte, und daß es in jener Zeit nie Einwendungen von seiten verantwortlicher Moslems gegeben habe. Der frühere Vizebürgermeisler von Jerusalem, Chaim Solomon, machte weitere Aussagen über den jüdischen Gottesdienst an der Mauer. Ein seit 1892 in Jerusalem ansässiger christlicher Engländer, Richard Hughes, sagte aus, er habe oft die Klagemauer besucht und dort Bänke, Öllampen und Gewürzbehälter gesehen. Hingegen habe er nie Araber an der Mauer beten gesehen oder gehört, daß Moslems dem jüdischen Gottesdienst an der Klagemauer Schwierigkeiten gemacht hätten. Es sei ihm nicht bekannt, daß die Regierung die Benutzung von Stühlen an der Mauer verboten habe. Einmal habe er auch einen Schrank an der Mauer gesehen. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen machten zwei Rabbiner, Rabbi Abraham Schon* und der sephardische Chachain Rabbi Uziel ihre Aussagen vor der Kommission. Rabbi Sehorr konnte zwei Regierungsdokumente vorlegen, die auf die Mitglieder der Kommission sichtlich Eindruck machten: Das eine ist vom 11. August 1920 und zeigt, daß damals die Entscheidung der Frage, ob an der Klagemauer ein Thoraschrein aufgestellt werden sollte, von der Regierung als dem Spruch der Rabbinen unterliegend angesehen worden ist; das andere ist vom August 1921 und aus ihm geht hervor, daß die Moslems gegen die Benutzung von Bänken keine Einwände hatten. Als nächster jüdischer Zeuge erschien Rafael Mejuchas, der seit 20 Jahren als Nachfolger seines Vaters die Stelle des sephardischen „Schamasch“ an der Klagemauer versieht. Er sagte aus, daß in den letzten vierzig Jahren, an die er persönliche Erinnerunge hat, individuelle und Gemeindegottesdienste an der Klagemauer mit allen zugehörigen Utensilien abgehalten worden sind, und daß dabei Schofar, Thoraschrein, Bänke, Sonnenzelt und Scheidewand zur Anwendung kamen. Als nächster Zeuge bestätigte der Kassier der „Kolelim“ und ehemalige Sekretär des verstorbenen