Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1930-07-11 · 28 (11.7.1930) · p. Seite 392

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
28 (11.7.1930)
Date
1930-07-11
Page
Seite 392 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103085-9230141--10987-9223057
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

392 Das Jüdische Echo Nr. 28 führer der Demonstranten festzunehmen und dem Gerichte zu überstellen. Das Innenministerium teilt mit, daß ein Teil der antisemitischen Agitatoren in Warna und Kimpolung bereits verhaftet wurden, es würden die strengsten Maßnahmen gegen die Schuldigen ergriffen. Czernowitz, 4. Juli. (JTA.) In der Bukowina weiß man noch nichts von der Verhaftung der Anführer bei den Exzessen in der Südbukowina, dagegen äußert sich das „Czernowitzer Morgenblatt“ zu der Amtsenthebung des Polizeiinspektors von Kimpolung wie folgt: Polizeipräfekt Cobilansche hat seine Pflicht erfüllt und sich als Hüter der öffentlichen Ordnung geradezu heroisch benommen. Rücksichtslos und unerschrocken ging er gegen die Exzedenten vor und hat sich redlich bemüht, die Ruhe in der Stadt und im Bezirke aufrecht zu erhalten. Er wurde dabei von den cuzistischen Rowdies mißhandelt. Das soll nun der Lohn seiner heroischen Pflichterfüllung sein? Das wird die Bevölkerung kaum verstehen. Dr. Meyer Ebner über den antisemitschen Terror in der Süd-Bukowina Czernowitz, 6. Juli. (JTA.) Senator Dr. Meyer Ebner, der Vorsitzende des Jüdischen Parlamenlsklubs in Rumänien, unternahm eine Reise in die bedrohte Gegend der Südbukowina und berichtet hierüber in der ,,Ostjüdischen Zeitung“. Die Situation der Juden im Süden der Bukowina, schreibt Dr. Ebner, charakterisiert sich durch ein Wort: Panik. Während ich in Kimpolung mit unseren Freunden zusammensitze, schrillt das Telephon: „Dorna-Vatra“ meldet sich. Der Hetzer Danila und sein Stab sind dort eingetroffen, die Juden sind wehrlos und erwarten jeden Augenblick den Ausbruch antisemitischer Exzesse. Das zweite für die Situation charakteristische Moment ist das Gefühl, daß die Behörden selbst hilflos sind. Man ist mit den lokalen Behörden zufrieden, aber all diesen Funktionären fehlt die bewaffnete Macht, um ihrem Willen Nachdruck zu verleihen. Man muß die Hetzer strafgerichtlich verfolgen. Wenn das Volk wissen wird, daß Juden nicht vogelfrei sind, und daß ein Exzeß mit einem persönlichen Risiko verbunden ist, dann wird bald Ruhe eintreten. Aber wenn sie straflos bleiben, dann stehen sie, die Cuzisten, über dem Gesetze, und wir Juden stehen außerhalb des Gesetzes,; Erklärung der Politischen Kommission der Jewish Hgency London, 29. Juni. (JTA.) Die Politische Kommission der Jewish Agency hat nach Beendigung ihrer Tagung folgende Erklärung erlassen: Die Politische Kommission der Jewsih Agency ist zu einem Zeitpunkt zusammengetreten, an dem das unbedingte Vertrauen des jüdischen Volkes in die britische Regierung — bisher die Basis ihrer gegenseitigen Beziehungen bildend — einen schweren Stoß erlitten hat. Die von der britischen Regierung in Verfolg des Shaw-Berichtes eingeschlagene Richtung, die in Verbindung mit einer anscheinend die eigentlichen Grundlagen unserer Arbeit für das Jüdische Nationalheim in Frage stellenden Untersuchung verfügte Suspendierung der jüdischen Arbeitereinwanderung und die in dem jüngsten Weißbuch dargelegte Politik haben eine Atmosphäre der Ungewißheit geschaffen und im jüdischen Volke die Befürchtung geweckt, daß die Politik des Mandates in Gefahr ist. Die Shaw-Kommission erhielt den . Auftrag, die unmittelbaren Ursachen der Palästina-Unruhen im August 1929 zu untersuchen. In dem der Permanenten Mandatskommission seitens der Jewish Agency unterbreiteten Memorandum sind gewichtige Gründe ins Treffen geführt, die dartun, daß viele Schlußfolgerungen im Sliaw-Bericht — selbst innerhalb der der Kommission zugewiesenen eigentlichen Sphäre — durch das der Kommission unterbreitet gewesene Material nicht gerechtfertigt sind. Es kommt hinzu, daß die Shaw-Kommission ihren Aufgabenkreis überschritt und an Fragen heranging, über die zu urteilen sie weder ermächtigt, noch kompetent war. Nach dem, was der Herr Ministerpräsident am 23'. Dezember 1929 im Unterhaus ausgeführt hal, hätte man erwarten dürfen, daß die Regierung die Befunde der Kommission hinsichtlich Fragen höherer Politik, wie z. B. jüdische Einwanderung, jüdischer Bodenkauf und Kolonisation, nicht in Rücksicht ziehen werde. Dennoch lehnt sich das im vorigen Monat veröffentlichte Weißbuch an die Befunde der Shaw-Komission betreffend die erwähnten Angelegenheiten an. In Verfolg der Politik dieses Weißbuches wurde die Einwanderung unserer Arbeiter nach Palästina zu einem Zeitpunkt suspendiert, an dem der High Commissioner nach sorgfältiger Prüfung feststellen konnte, daß die Gewährung neuer Arbeiter-Zertifikate wirtschaftlich vollkommen gerechtfertigt sei. Die Suspendierungsverordnung, die ihrem Charakter nach eine politische, nicht eine wirtschaftliche M a ßnähme ist, legt die Axt an die eigentlichen Fundamente des Mandates. Darum unsere Proteste und die Proteste der jüdischen Massen, in deren Namen wir sprechen. Diese Proteste sind nicht gegen Großbritannien gerichtet, sondern einzig gegen ein Vorgehen der britischen Regierung, das dem Geist und dem Buchstaben des Mandates widerspricht. Theoretische Zusicherungen hinsichtlich der Politik des Mandates sind nutzlos, wenn sie Hand in Hand gehen mit administrativen Maßnahmen, die dazu angetan sind, unser Werk zunichte zu machen. In Verfolg der im Shaw-Bericht dargelegten Richtlinien hat die Regierung einen Experten entsandt, der die Bedingungen zu definieren hat, unter denen von jetzt ab die Entwicklung des jüdischen Nationalheims vor sich gehen soll. Wir zweifeln die Kompetenz oder die Unparteilichkeit von Sir John Hope Simpson gewiß nicht an, wenn wir uns außerstande erklären, den Bericht eines Experten als ein Verdikt über die Zukunft des Jüdischen Nationalheims zu. akzeptieren. Technische und wirtschaftliche Überlegungen können gegen Imponderabilien des Willens und der Arbeit eines Volkes nicht ins Treffen geführt werden. Die Entschlossenheit und die Energie des jüdischen Volkes können die potentiellen Möglichkeiten Palästinas über die Grenzen einer zeitbedingten Definition hinaus erweitern. Die Errichtung des Jüdischen Nationalheims ist das zentrale Ziel des Palästinamandates; die einzig mögliche Politik, die von der Mandatarmacht verfolgt werden kann, ist bereits festgelegt, die Politik nämlich: zu allen Zeiten jenes Maximum jüdischer Einwanderung zuzulassen, das der Aufnahmefähigkeit Palästinas entspricht. Wir setzen Vertrauen in die moralischen Energien des jüdischen Volkes, wir werden stets auf unsere Rechte pochen. Wir werden unser Werk fortsetzen und den uns vom Schicksal gewiesenen Weg weiter-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.