Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 28 (11.7.1930)
- Date
- 1930-07-11
- Page
- Seite 391 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 391 reu der Ostjuden, die im „Jargon“ die deutsche Sprache sich erhalten haben. Die Verhetzung wird nie ein Ende erreichen, da sie eine bequeme Methode ist und wir nur eine kleine Minderheit sind. Kaum je hat sich ein Volk vollkommen frei gefühlt, wenn es nicht, zugleich eine Minderheit vergewaltigen konnte. Daraus erklärt sich überall die Judenhetze. Sie ist uns allerdings im Endeffekt gut bekommen; denn sie hat unseren Charakter gehärtet. Beim Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten tritt eine Seile unseres Wesens nach außen hervor, nämlich daß wir uns zu wehren verstehen und unseren Mann stehen. Auch heute rufe ich Ihnen zu: Chasak Chasak! I) ie Resolution: Der Vorsitzende Dr. London verlas hierauf folgende Resolution, die einstimmig angenommen wurde: „Die vom Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten einherufene, von allen Bevölkerungskreisen besuchte Versammlung in der Stadthalle erhebt schärfsten Einspruch gegen die immer herausfordernder auftretende nationalsozialistische Volksverhetzung, die seit geraumer Zeit zu Ausschreitungen und Gewalttaten gegen Andersdenkende führt. Neuerdings schreckt diese gewissenlose Hetze nicht davor zurück, mit Judenpogromen zü drohen, und es bestellt die Gefahr, daß unreife verführte Elemente sich zu solchen verbrecherischen Handlungen hinreißen lassen. Die Versammelten fordern daher von den zuständigen Stellen in Reich, Staat und Gemeinden, daß gegen die Anstifter dieser Mordhetze und ihre Helfershelfer mit Nachdruck und Schärfe vorgegangen wird. Der Festtag der Republik am Tage der Befreiung des. Rheines sollte allen Volksgenossen eine ernste Mahnung sein, für den inneren Frieden Deutschlands zu wirken.“ Niederbrennung eines jüdischen Städtchens 250 Häuser vollkommen vernichtet BöO“ jüdische Seelen obdachlos Marmaros Sziget, 5. Juli. (JTA.) Die ununterbrochene Reihe terroristischer Akte, die die Anhänger des antisemitischen Abgeordneten Cuza in allen Teilen Alt- und Neu-Rumäniens seit mehreren Wochen gegen die jüdische Bevölkerung verüben, wurde in der Nacht zum 5. Juli durch eine grauenvolle Tat übergipfelt. Eine Gruppe Cuzisten drang in das transsylvanische Städtchen Borscha, das bereits vor einigen Wochen Schauplatz terroristischer Pogromversuche war. die aber durch d’e jüdische Einwohnerschaft abgewehrt wurden, ein, und legte an mehreren Stellen Feuer an. Bei der herrschenden Hitze und Trockenheit griff das Feuer rasch um sich, so daß nach wenigen Stunden fast das ganze Stäldtchen ein einziges Flammenmeer bildete. 250 ausschließlich von jüdischen Familien bewohnte Häuser brannten bis auf den Grund nieder, mehr als 3600 jüdische Seelen sind obdachlos und der äußersten Not preisgegeben, da aus den Wohnungen und den Läden nichts in Sicherheit gebracht werden konnte. Das Elend und die Panik unter der jüdischen Bevölkerung von Borscha sind unbeschreiblich. In Marmaros Sziget bildete sich sofort ein Hilfskomitee, welches sich telegraphisch an das europäische Büro des American Joint Distribution Comittee in Berlin, sowie an das Berliner Büro der American Joint Reconstruction Foundation mit der Bitte wandte, sofort einen Betrag zur Linderung der dringendsten Not zur Verfügung zu stellen. Bukarest, (>. Juli. (JTA.) Es stellt sich heraus, daß der durch die Niederbrennung des jüdischen Städtchens Borscha im Distrikt Marmaros Sziget (Siebenbürgen) durch Cuzisten ungerichtete Schaden viel größer ist, als anfangs berichtet. Vom Brande vernichtet wurden 250 Häuser. Auch vier Synagogen und drei Kirchen, die sich in den von Juden bewohnten Stadtvierteln befanden, fielen den Flammen zum Opfer. Die siebe'ilbürgische Zeitung „Braschoj Lapok“ führt die Brandstiftung auf die antisemitische Hetzpropaganda des berüchtigten Agitators Danila zurück, der bekanntlich vor einigen Tagen verhetzte Bauerntrupps gegen die Städte Warna und Kimpolung in der Südbukowina geführt hat. Von dort kehrte er mit seinem Stabe, unter dem sich der Geistliche und ein Lehrer von Borscha befinden, nach Borscha zurück und begann die jüdische Bevölkerung dieser Stadl stark zu terrorisieren. Die Zeitung stellt fest, daß Danila und seine Leute die Stadt an vielen Stellen in Brand gesteckt haben und äußert tiefe Besorgnisse für die Zukunft im Hinblick darauf, daß einem solchen gefährlichen Individuum wie Danila erlaubt wird, seine Hetztätigkeit weiter zu betreiben. Die Behörden in Bukarest beobachten hinsichtlich der Ursache und der Urheber des Brandes in Borscha Stillschweigen und lassen durchblicken, daß der Brand vielleicht nicht gelegt wurde, sondern durch Nachlässigkeit entstanden ist. Die Berichte der hauptstädtischen Presse lauten aber dahin, daß der Brand von den Cuzisten gelegt worden ist. Bukarest, (>. Juli. (JTA.) Seitens des Innenministeriums und des Minislerpräsidiums werden die Mitteilungen, daß der Brand in Borscha durch antisemitische Agitatoren gelegt worden wäre, dementiert. Der verhaftete antisemitische Agitator Konstantin Danila wurde auf freien Fuß gesetzt und begab sich sofort nach dem Kurort Dorna-Vatra in der Südbukowina, um in einer Volksversammlung als Redner aufzutreten. Die Cuzisten wollen Bessarabien standrechtlich besetzen Bukarest, 0. Juli. (JTA.) Die antisemitische Organisation „Eiserne Garde“, deren Führer der bekannte Antisemit und Präfektenmörder Celea Codreanu ist, hat eine Proklamation herausgegeben, in der die Garde aufgefordert' wird, sich für den großen Einzug in Bessarabien vorzubereiten; diese Provinz soll einen Monat lang standrechtlich besetzt bleiben, um den Grund für die nationale Idee in Beßarabien zu legen. Die Organisation hofft, daß vom Militär die nötigen Kriegsausrüstungen zur Verfügung gestellt werden. Die Proklamation erweckte in der rumänischen Öffentlichkeit peinliches Aufsehen, die demokratische Presse ermahnt die Regierung energische Maßnahmen zur Verhinderung von Judenpogromen zu ergreifen. Der antisemitische Terror in der Süd-Bukowina Die Regierung „greift ein“, indem sie einen pflichttreuen Polizeipräfekten seines Amtes enthebt Bukarest, 4. Juli. (JTA.) Das Innenministerium ordnete strenge Maßnahmen gegen alle jene an, die die antisemitischen Demonstrationen und Exzesse in Warna und Kimpolung verschuldet haben. Ünterstaatssekretär Angheleseu ordnete telegraphisch die Enthebung des Polizeichefs von Kimpolung an, weil er die höheren Behörden von den Vorfällen in Warna und Kimpolung nicht verständigt hat. Der Unterstaatssekretär gab Auftrag, die An-