Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 27 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- Seite 381 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 381 desvorstand hält es für eine Hauptaufgabe der zionistischen Politik, wirtschaftlich und politisch energisch und schnell einen Ausgleich zwischen unserem Volk und dem arabischen Volk anzubahnen. Ziel dieser Politik ist die Sicherung der vollen und freien Entwicklung des Jüdischen Nationalheims. Wir verlangen, daß unser Recht auf Einwanderung und freie Kolonisation und unsere auf eigenem Recht beruhende, international verbürgte freie und autonome politische Entwicklung unbeschränkt bleibt. Der Landesvorstand hält es für erforderlich, daß bei der Vertretung unserer politischen Forderungen fundierte praktische Vorschläge unterbreitet werden, die einen Arbeitsplan für die nächsten Jahre enthalten. Der Landesvorstand identifiziert sich mit der Haltung der Politischen Kommission gegenüber der britischen Regierung. Er hält es angesichts der schädlichen Maßnahmen der Regierung für erforderlich, die Kräfte der zionistischen Welt und der Judenheit so energisch einzusetzen, daß der britischen Regierung die Entschlossenheit des jüdischen Volkes spürbar zum Bewußtsein gebracht wird. Die Zionistische Organisation muß unter allen Umständen und mit dem Aufgebot aller verfügbaren Mittel die Verwirklichung der internationalen Verträge und der Verpflichtungen der Mandatarmacht über die Errichtung des Jüdischen Nationalheims herbeiführen. Die große Entwicklung unseres Siedlungswerkes in den letzten Jahren und die innere Festigkeit und der Mut des jüdischen Volkes in Palästina erhöhen die Zuversicht der zionistischen Welt und verpflichten die Zionistische Organisation zum höchsten Krafteinsatz. Die unwandelbare zionistische Idee wird durch die Wechselfälle der Tagespolitik nicht berührt. Der Landesvorstand ist damit einverstanden, daß die Politik der Zionistischen Vereinigung für Deutschland im Sinne dieser Erklärung geführt wird und in der „Jüdischen Rundschau“ klar zum Ausdruck kommt. Ferner wurden folgende zwei Resolutionen angenommen: 1. Der Landesvorstand protestiert gegen das gegen Jabotinsky gerichtete Einreiseverbot. Er erblickt in dieser Regierungsmaßnahme einen Verstoß gegen das Recht auf freie Einwanderung von Juden nach Palästina. 2, Der Landesvorstand mißbilligt aufs schärfste alle Versuche, die Mitglieder des Brith Scha- 1 o m wegen ihrer Gesinnung zu diffamieren. Aus der jüdischen Welt Sitzung der Berliner Repräsentantenversammlung Berlin, 27. Juni. (JTA.) Am 26. Juni trat die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde zu ihrer letzten Sitzung vor den großen Ferien zusammen. Auf Antrag der Jüdischen Volkspartei wurde die Schaffung eines Spezialreferates für Studentenhilfe beim Jugendpflegeausschuß beschlossen, um ein umfassendes Studentenwerk einzuleiten, das den geistigen und wirtschaftlichen Bedürfnissen der Studentenschaft Rechnung trägt. Im Namen des Vorstandes gab Direktor Kareski eine Erklärung ab, in der er mit Genugtuung feststellte, daß das jüngst ergangene Urteil gegen die Berliner Synagogenschänder und dessen Begründung durch den Gerichtsvorsitzenden geeignet seien, abschreckend und bessernd zu wirken. Dem Verband jüdischer Ingenieure und Chemiker wurde eine einmalige Beihilfe zwecks Arbeitsbeschaffung für seine Mitglieder bewilligt. Ferner wurden bewilligt Mittel für einen konservativen Jugendgottesdienst, für Reparatur der Synagoge Kaiserstraße (45 000 RM.), für Schwesternzimmer im Schwesternhaus Exerzierstraße (15 000 RM.), für die Jugendherberge in Wolzig, für die feierliche Übernahme der Synagogengemeinden Oranienburg und Köpenick, deren Eingemeindung jetzt vom Regierungspräsidenten genehmigt worden ist, für die Versuchsanstalt von Professor Warburg in Palästina (5000 RM.) aus dem für den Lehrstuhl an der Universität Jerusalem bewilligten Betrage, während der Vorstand über den Rest verfügen soll, für die Liberale Synagoge Wilmersdorf, für die chassidische Gemeinde Knesseth Jisroel (5000 RM.), für den Weltverband Schomre Schabbos anläßlich seines Berliner Weltkongresses, für den Synagogenverein Beth Scholaum, für den Hechaluz, für den Verein Schomre Hadass, für den Verein für jüdische Geschichte und Literatur, für das israelitische Frauen- Heim in Bad Nauheim, für Ferien-Fortbildungskurse der Vereinigung gesetzestreuer Lehrer, für Vorarbeiten zwecks Errichtung einer Synagoge im Hansa-Viertel (5000 RM.) u. a. m. Ferner wurde ein Betrag bis zu 80 000 RM. zwecks Schaffung eines Asyls auf dem Grundstück Lietzmannstraße 19—21 bewilligt, auf dem der Verein Jüdische Altershilfe für die Provinzen Brandenburg und Grenzmark ein Altersheim errichtet. Zwecks Weiterberatung der Angelegenheit wurde eine gemischte Deputation eingesetzt. Die Steuerquote für das Jahr 1930 wurde wiederum auf 10 Prozent der Reichseinkommensteuer festgelegt. Ein Schmuckbrunnen zerstört, weil der Stifter Jude war Berlin, 26. Juni. (JTA.) Die Polizei in Köthen verhaftete einen Studierenden des 8. Semesters der Gewerbehochschule, der die wasserspeienden Löwenköpfe des Schmuckbrunnens am Bahnhofsplatz zu Köthen zerschlagen hatte, weil der Stifter des Brunnens ein Jude war. Der Täter gehört der Nationalsozialistischen Partei an. Welchen Schaden Sauckels Äußerungen dem thüringischen Fremdenverkehr gebracht haben. In vielen Fällen wurden Zimmerbestellungen und bereits festgelegte Kuren, auch von Nichtjuden, rückgängig gemacht Erfurt, 26. Juni. (JTA.) Das „Wochenblatt für den Synagogenbezirk Erfurt“ teilt mit: Die von einigen Zeitungen gebrachten Nachrichten über nationalsozialistische Ausschreitungen in Thüringer Badeorten entbehren jeder Grundlage und sind unwahr. Maßgebende Thüringer Verbände haben öffentlich bekanntgegeben, daß sie antisemitischen Bestrebungen fernstehen. So sind auf Einladung des Thüringer Hotelbesitzerverbandes die Vorsitzenden der am Fremdenverkehr beteiligten Wirtschaftsgruppen in Weimar zusammengekommen, um sich darüber schlüssig zu werden, auf welche Weise die durch die nationalsozialistischen Agitationsmethoden bereits eingetretene Schädigung des Verkehrsgewerbes abzuwenden ist. Es konnte an Hand schriftlicher Unterlagen festgestellt werden, daß nach dem Bekanntwerden der Äußerung des nationalsozialistischen Gauführers Sauckel im Landtage, in Thüringen wolle man keine Juden als Kurgäste haben, in vielen Fällen bestellte Zimmer oder bereits festgelegte Kuren in thüringischen Hotels und Bädern wieder rückgängig gemacht wurden, und zwar nicht nur von Juden. Zu dieser wirtschaftsschädigenden Partei-