Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 27 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- Seite 380 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Das Jüdische Echo Nr. 27 der Genugtuung der Kommission Ausdruck, ein so interessantes Memorandum über die Klagemauerfrage von der jüdischen Vertreterschaft erhalten zu haben, und erklärte, die Kommission werde die für den Nachmittag angesagte Sitzung nicht abhalten, um sich dem Studium des Memorandums widmen zu können. Loefgren stellte noch fest, daß die Juden materielle Eigentumsrechte an der Klagemauer nicht beanspruchen, und erklärte, absolute materielle Eigentumsgesetze seien für heilige Stätten, über welche die wildesten Schlachten;ausgefochten wurden, überhaupt nicht anwendbar. Der Vorsitzende forderte die moslemitische Vertreterschaft auf, das moslemitische Eigentumsrecht auf die die Mauer umgebenden Gebäude und die Mauer selbst nachzuweisen. Er forderte die jüdische Vertreterschaft auf, darzulegen, ob die an der Mauer vollzogene Andacht eine individuelle oder ein Gemeinderitual ist, welcher Unterschied zwischen dem Gottesdienst an der Mauer und demjenigen an den Synagogen besteht, ob die beim Gottesdienst benutzten Zubehöre für den Gottesdienst unbedingt notwendig seien oder nur der persönlichen Annehmlichkeit der Andächtigen dienen sollen; schließlich sei darzulegen, welche Instanz die Gottesdienste an der Mauer arrangiert. Eliash behielt sich vor, auf alle gestellten Fragen des näheren einzugehen, und erklärte schon heute, daß die Juden, obwohl sie die materiellen Eigentumsrechte der Moslemiten an der Mauer nicht in Frage zu stellen beabsichtigen, dennoch der Meinung sind, daß ein solches materielles Eigentumsrecht den Eigentümer nicht berechtigt, an der Mauer bauliche Veränderungen vorzunehmen oder Neubauten zu errichten. , Tagung der Politischen Kommission der Jewish Hgency in London London, 24. Juni. (JTA.) Am Montag, dem 23. Juni, wurde in London die Tagung der Politischen Kommission der Jewish Agency unter dem Vorsitz von Lord Melchett eröffnet. Der Präsident der Jewish Agency, Dr. Weizmann, gab in längeren Ausführungen einen Überblick über die jetzige politische Lage. Er ging im Detail auf alles ein, was sich seit der letzten Sitzung der Politischen Kommission, im November 1929, auf dem politischen Gebiete des Zionismus ereignet hat. Er erstattete ausführlich Bericht über die seitens der Jewish Agency mit der britischen Regierung geführten Unterhandlungen und über seine eigenen Schritte während dieser Zeit. Er übte Kritik an der Haltung der Regierung im allgemeinen und verweilte insbesondere bei der Maßnahme der zeitweiligen Suspendierung der jüdischen Arbeiter-Einwanderung nach Palästina. In der ersten Sitzung ergriffen noch das Wort Dr. Maurice, B. Hexter, Ben Gurion und der Bürgermeister von Tel-Awiw Dizengoff, der einen Überblick über die Lage in Palästina gab. London, 25. Juni. (JTA.) In der zweiten Sitzung der Politischen Kommission der Jewish Agency, am 23. Juni, fand eine Diskussion über die Suspendierung der Arbeiter-Schedule für Palästina durch die englische Regierung statt. Der Präsident der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, gab eine Erklärung ab, in. der er feststellte, daß die spontanen Protestkundgebungen gegen die Suspendierung der Zertifikate, die von allen Teilen der Judenheit ausgehen — obwohl sie voll und ganz gerechtfertigt sind —, dennoch nicht antienglisch betont sind. Dr. Weizmann legte dann weiter die Richtlinien der nun zu befolgenden Politik dar. Den Vorsitz in dieser Sitzung führte Herr Leo Motzkin. Vor der Erklärung Dr. Weizmanns schilderte der Führer des polnischen Misrachi und Präsident der Warschauer jüdischen Gemeinde. Sejmdeputierter H. Farbstein, die durch alle Teile der Judenheit gehende heftige Erregung über die Suspendierungs-Verordnungen der Regierung. S. Kaplansky, Mitglied der Exekutive, berichtete über verschiedene seitens der Jewish Agency der Regierung unterbreitete Vorschläge. Dr. Victor Jacobson berichtete über die Lage in Genf. An der der Erklärung' Dr. Weizmanns folgenden Diskussion beteiligten sich Dr. Georg Landauer, 0. E. d’Avigdor Goldsmid und Dr. Nahum Goldmann. Die Kommission ernannte einen Unterausschuß zur Prüfung der gemachten Vorschläge und zur Ausarbeitung der Resolutionen. Der Kommission gehören Leo Motzkin, Dr. Bernhard Kahn, D. Ben- Gurion, Kurt Blumenfeld, H. Farbstein und Dr. Nahum Goldmann an. Am 24. Juni vormittags wurde die Aussprache über die politische Lage fortgesetzt. Es beteiligten sich an derselben die Herren M. Dizengoff, Nahum Sokolow, Remez, Dr. Bernhard Kahn, Dr. Maurice, B. Hexter und Kurt Blumenfeld. Nach Beendigung der Aussprache gab Dr. Weizmann eine weitere Erklärung ab, der eine Erklärung von Harry Sacher folgte. Am 24. Juni abends, wurde die Tagung der Politischen Kommission der Jewish Agency beendet, nachdem eine Reihe Resolutionen angenommen worden war. Die Zionistische Exekutive beschließt die Einberufung des XVII. Zionistenkongresses noch vor Dezember 1930 Am 24. August tritt das A. C. in Berlin zusammen. London. 25. Juni. (JTA.) Die Zionistische Exekutive beschloß, den XVII. Zionistenkongreß noch vor Dezember des Jahres 1930 abzuhalten. Am 24. August tritt das Aktions-Comitee in Berlin zu einer Tagung zusammen, in der das genaue Datum und der Tagungsort des Kongresses bestimmt werden sollen. Sitzung des Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Der Landesvorstand der Z. V. f. D. hielt am 29. Juni in Berlin eine Sitzung ab. Einziger Punkt der Tagesordnung war Aussprache über die politische Lage. Das einleitende Referat hielt Kurt B l u m e n f e 1 d , der, von einer längeren Palästinareise. zurückgekehrt, soeben an der Sitzung der Politischen Kommission der Jewish Agency in London teilgenommen hatte. An der Aussprache beteiligten sich die Herren: Moses, Goldmann, Landsberg, Lichtheim, Landauer, Michaelis, Halpern, Kanowitz, Nußbaum, Weltsch. Folgende vom Vorsitzenden eingebrachte Resolution wurde mit 33:9 Stimmen angenommen: Der Landesvorstand der Z. V. f. D. billigt die politische Grundhaltung des Referates von Kurt Blumenfeld. Der Landesvorstand erklärt sich insbesondere mit der Stellungnahme der politischen Kommission der Jewish Agency einverstanden. Er begrüßt es, daß die Exekutive der Zionistischen Organisation einen Weg sucht, um einen modus vivendi mit den Arabern in Palästina herbeizuführen. Der Lan-