Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 27 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- Seite 379 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 379 men, die Reichsinländer und Reichsausländer, die Zionisten und Assimilanten. Der Judenhaß richtet sich unterschiedslos gegen alle Juden. Es ist also logisch, daß die Juden in ihrer Gesamtheit die Träger der Abwehrarbeit gegen den Judenhaß werden. Damit ist keineswegs die Bedeutung der bisherigen Leistungen einzelner Organisationen auf dem Gebiete der Abwehrarbeit in Frage gestellt. Wenn manaber liest, daß in der letzten Zeit seitens des Centralvereins Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens Protestversammlungen einberufen wurden und daß kurze Zeit hernach der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten bei Behörden vorspricht und auch seinerseits Protestversammlungen einberuft, so muß man bedenklich werden. Es gibt in Deutschland sehr viele Juden, die weder im Centralverein, noch im Reichsbund der Jüdischen Frontsoldaten organisiert sind. Sind diese Juden etwa weniger an der Bekämpfung des Judenhasses interessiert als die Mitglieder des Centralvereins und die ehemaligen Teilnehmer am Weltkriege auf der deutschen Front? Die breiten Schichten der Judenheit müssen erstaunt fragen, warum nicht die gesamt jüdischen Organisationen, die Gemeinden, die Landesverbände und die Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände bisher auf den Plan getreten sind. Es ist uns selbstverständlich bekannt, daß die Abwehrarbeit eine Fülle von organisatorischen und technischen Maßnahmen beansprucht, die im Laufe langer Jahrzehnte erprobt worden sind. Darum ist es sicherlich notwendig, daß Organisationen, die sich in dieser Arbeit spezialisiert haben, auch in Zukunft all ihr Können an hervorragender Stelle in den Dienst des Abwehrkampfes stellen. Dadurch aber ist nicht ausgeschlossen, daß die große politische Linie in dieser Arbeit von der Gesamtheit aller Juden gezogen wird. Wir sind überzeugt, daß die Not der Zeit schließlich dazu führen wird, daß sich die zentralen jüdischen Organisationen ihrer Pflicht in dieser Beziehung bewußt werden. Nicht Konkurrenzneid gegenüber dem Centralverein oder dem Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten soll das Bewegende in der Tätigkeit sein, die die zentralen Verbände der Judenheit auf dem Gebiete der Abwehrarbeit übernehmen sollen, sondern die Sache selbst. Die Gefahr des Radau-Antisemitismus und die wirtschaftliche Not weiter Kreise der Judenheit in Deutschland sprechen eine viel zu deutliche Sprache, als daß sich die Juden in diesem Augenblick in bezug auf die Abwehrarbeit gegen den Antisemitismus den Luxus der Rivalität leisten könnten. Zusammenfassung aller in der Abwehrarbeit stehenden Kräfte unter Führung der Gesamtvertretung der deutschen Judenheit, das ist die Forderung der Stunde. m. w. Die Verhandlungen der Klagemauerkommfssion Jerusalem, 24. Juni. (JTA.) Am Montag, dem 23. Juni, hielt die Internationale Klagemauerkommission ihre erste Sitzung ab. Der Vorsitzende Herr Loefgren leitete seine Eröffnungsrede mit dem Hinweis auf die Empfehlung der Shaw-Kommission ein. bald eine Kommission nach Palästina zu entsenden, die die Rechte und Ansprüche der verschiedenen Gemeinschaften auf die Klagemauer zu bestimmen haben soll. Er verlas dann die Resolution des Völkerbundsrates, die von der Ernennung einer Kommission zur Beilegung des Konfliktes an der Klagemauer handelt. Diese Kommission, fuhr Herr Loefgren fort, wurde von der britischen Regierung unter vollster Zustimmung des Völkerbundsrates, demgegenüber die Regierung in allen Angelegenheiten des Mandates die Verantwortung trägt, gebildet. Die Mitglieder der Kommission sind Bürger von Ländern, die in der strittigen Frage vollkommen unabhängig sind und hierin keinerlei Partei-Interesse haben. Die englische Regierung und der Völkerbundsrat, die beide bereit sind, das Mandat durchzuführen, haben betont, daß sie von uns eine unparteiische und gründliche Untersuchung erwarten, die ein ausschließlich auf ehrlichem Begreifen des Rechtes und auf Unparteilichkeit sich gründendes Urteil zum Ergebnis haben soll. Als der Vorsitzende seine Eröffnungsrede beendete, erhob sich Dr. David Yellin, um die Kommission zu begrüßen. In der Zusammensetzung der Kommission, sagte er, liege eine Gewähr für ihre Neutralität. Was die Juden verlangen, ist das Recht, vor der Klagemauer zu beten, ein Recht, das wohl begründet und unbestreitbar ist. Als Vertreter der Araber erklärte Auni Bey, die moslemitische Welt habe das Bestreben, die Kommission bei ihrer Arbeit zu unterstützen; die moslemitische Vertretung sei aber nicht berechtigt, schon im voraus sich mit dem zukünftigen Verdikt der Kommission einverstanden zu erklären. Die Palästina-Regierung ist in den Sitzungen offiziell nicht vertreten; der ersten Sitzung wohnten Steuart Davis, Herbert Bentwich, und Mavrogodato bei. An der Seite von Dr. Yellin haben Dr. Eliash und Rabbi Blau Platz genommen, neben Auni Bey saßen fünf Vertreter des Obersten Moslemitischen Rates, unter ihnen Jamal Husseini. Jerusalem, 25. Juni. (JTA.) In der zweiten Sitzung der Klagemauerkommission kamen die moslemitischen Sachwalter zu Wort. Auni Bey Abdul Hadi, einer der Sekretäre des Moslemitischen Obersten Rates, führte aus, die Moslemiten seien die Eigentümer der Klagemauer und ihrer Umgebung, somit liege es den Juden ob. das Vorhandensein irgendwelcher jüdischer Rechte auf die Klagemauer nachzuweisen. Der Standpunkt der Moslemiten wurde fernerhin von Jamal el Husseini vertreten; Dr. Eliash erwiderte von jüdischer Seite. Die Verknüpfung der Juden mit der Klagemauer seit Zerstörung des Tempels bis auf den heutigen Tag Memorandum an die Internationale Klagemauer- Kommission Jerusalem, 27. Juni. (JTA.) Am 25. Juni hielt die Internationale Klagemauerkommission ihre erste öffentliche Sitzung ab. In dieser Sitzung unterbreitete die jüdische Vertreterschaft der Kommission ein Memorandum, in welchem die enge Verknüpfung der Juden mit der Klagemauer seit der Zeit der Zerstörung des Tempels, von dem die Mauer den westlichen Teil bildete, bis auf den heutigen Tag aufgezeigt wird. Dr. Mordechai Eliash hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache an die Kommission in englischer Sprache, die dann für die moslemitische Vertreterschaft ins Arabische übersetzt wurde. Neben Dr. Eliash erschienen als jüdische Vertreter Colonel F. H. Kisch, Rabbi Meir Berlin, I. Ben Zwi, Dr. David Yellin und Rabbi Blau. Unter der arabischen Vertreterschaft bemerkte man eine Reihe prominenter moslemitischer Anwälte aus Damaskus, die weiße Turbans trugen, und eine Anzahl moslemitischer Führer aus Palästina. Der Vorsitzende der Kommission, Loefgren, gab