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Das jüdische Echo · 1930-07-04 · 27 (4.7.1930) · p. Seite 378

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
27 (4.7.1930)
Date
1930-07-04
Page
Seite 378 (sequence 6)
Language
German
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378 Das Jüdische Echo Nr. 27 vorhanden, so fehlen sie auch in manch anderer Beziehung. Daß Etat und Beamtenfragen in aller Friedlichkeit erledigt werden konnten, was gewiß verdienstlich ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese Tagung ein großes und befreiendes Wort in Sachen des Reichsverbandes hätte sprechen müssen — was nicht geschehen ist, daß diese Tagung zu den drängenden jüdischen Wirtschaftsfragen, denen mit Hilfstätigkeit nicht beizukommen ist, sich anders hätte verhalten müssen und wenn sie nur einen Ausschuß zur Untersuchung des Fragenkomplexes eingesetzt hätte — was nicht geschehen ist, daß diese Tagung eine längst notwendige und unerläßliche Bereinigung der Verfassung versäumt hat — was durch ein zu geschäftsordnungsmäßiges Verfahren verhindert wurde. Diese Tagung war die letzte der Wahlperiode — die zu Beginn des nächsten Jahres neu zu wählende Tagung wird ein weites Arbeitsfeld vorfinden. I- E. * * * Der Sonntag abend vereinigte die Mitglieder der Körperschaften des Verbandes und der Kollegien der Israelitischen Kultusgemeinde München zu einem von der Gemeinde München veranstalteten Festabend, der in allen Teilen harmonisch verlief. * * * Während der Tagung kam die Gründung eines „Bayerischen Landesvereins für jüdische Museen und Kunstpflege“ zustande. Die Teilnehmer wurden und werden aus allen Landesteilen geworben. Nähere Ausführungen hierzu werden noch folgen. Geschlossene Abwehr Die letzten Wahlerfolge der nationalsozialistischen Arbeiterpartei sind leider nicht unerwartet gekommen. Die allgemeine Notlage und das Versagen der bürgerlichen Parteien haben den Nationalsozialisten die günstigen Voraussetzungen geschaffen, um mit ihrer hauptsächlich auf den Antisemitismus zugespitzten Propaganda in den breiten Massen der Wählerschaft Erfolge zu erringen. Hierbei kommt es für uns Juden hauptsächlich auf den Umstand an, daß in Deutschland eine Partei von vornherein Chancen zu Aufstieg und Machterlangung besitzt, wenn sie sich des niemals versagenden Mittels der judenfeindlichen Aufhetzung bedient. Man konnte in den letzten Tagen in verschiedenen Zeitungen Äußerungen führender Nationalsozialisten lesen, in denen diese, wenn auch verblümt, durchblicken ließen, daß der Judenhaß gar nicht das Kernstück ihres Programmes sei, daß sie vielmehr ganz andere ökonomische und soziale Wünsche in den Vordergrund stellen. Diese Erklärungen sind für uns Juden ein sehr schwacher Trost, denn erstens gibt eine Partei selten die Waffen preis, mit deren Hilfe sie emporgekommen ist, und zweitens ist vorauszusehen, daß zunächst innerhalb der Nationalsozialisten, wenn deren Führer sich mäßigen sollten, irgendeine Gruppe um so stärker den Antisemitismus betonen wird, und daß im Falle, der übrigens ganz unwahrscheinlich ist, daß die Nationalsozialisten auf den Radau-Antisemitismus verzichten, sich sicherlich wiederum eine Gruppe von „Politikern“ finden wird, die den Versuch machen wird, mit Hilfe des unfehlbar erfolgversprechenden Judenhasses sich in das Licht der öffentlichen Geltung zu drängen. Damit ist nur gesagt, daß man mit der konstanten Bereitwilligkeit der nichtjüdischen Umwelt in Deutschland, der antisemitischen Parole zu folgen, von jüdischer Seite rechnen muß. Es würde alles besser werden, sagte einst Theodor Herzl, wenn man uns zwei Generationen lang in Ruhe lassen würde. Möglicherweise würde sich alsdann eine erträgliche Form des Zusammenlebens von Juden und Nichtjuden in der Diaspora herauskristallisieren. Aber man wird uns keine Ruhe geben, schließt Theodor Herzl seine Betrachtung. Und er hat mit dieser Feststellung nur allzurecht. Es ändern sich die Methoden und Erscheinungsformen des Judenhasses. Dieser Haß als solcher aber bleibt. Wenn man also auch hinsichtlich der restlosen Ausmerzung der Judenfeindschaft innerhalb der Völker, in deren Mitte wir leben, sehr skeptisch ist, so folgt daraus noch nicht, daß man nicht alles versuchen will, um die ärgsten Auswirkungen der Judenfeindschaft zu mildern. Und die Erreichung dieses Zieles ist durchaus möglich. Allerdings gehören dazu zwei Voraussetzungen. Erstens eine Änderung der bisherigen Methoden in der Bekämpfung des Judenhasses durch die Juden und zweitens eine geschlossene jüdische Front. Die beste politische Methode bleibt letzten Endes doch die ungeschminkte Feststellung der wahren Sachlage. Es ist bei der Betrachtung dieser Probleme von der Tatsache auszugehen, daß die Judenheit in der ganzen Welt und in jedem Lande besonders eine stärker oder schwächer miteinander verbundene Gemeinschaft darstellt, die durch verschiedene Merkmale von der Umgebung gesondert ist. Wir sind eine unterscheidbare Minderheit und haben außer den allgemeinen staatlichen Interessen in jedem Lande und den Menschheitsinteressen in der ganzen Welt auch durchaus legitime eigene jüdische Interessen, die in keiner Weise einen Gegensatz zu den Interessen unserer Umwelt darstellen. Jeder Versuch, diese Sachlage zu verschleiern, ist verderblich, weil er unsere gerechten Forderungen als unaufrichtig und wenig überzeugend erscheinen läßt. Es ist nicht notwendig, unseren Rechtsanspruch auf Gleichberechtigung und Gleichgeltung mit der Behauptung zu motivieren, daß wir der Umwelt, von der wir die Gleichberechtigung verlangen, völlig gleichen. Noch schlechter ist die Methode, unsere Ansprüche von Gesinnungen abhängig erscheinen zu lassen, die den Parteien und Richtungen, an die wir uns wenden, in einem gewissen Zeitpunkte genehm sind. Erstens ist es unmöglich, allen Parteien in der nichtjüdischen Umwelt gesinnungsmäßig vollkommen gerecht zu werden, und zweitens ist es nicht wahr, für die gesamte Judenheit in einem Lande das Bestehen einer einzigen Gesinnung zu behaupten. Unsere Ansprüche können sich nur auf objektive Merkmale stützen, denn nur diese bilden eine brauchbare Rechtsbasis, von der aus Aktionen zum Schutze der Juden unternommen werden können. Wir verkennen nicht, daß durch Schaffung der Rechtsbasis allein das Problem der unterschiedlichen Behandlung von Juden im Staate noch nicht gelöst ist. Die wahre Gleichberechtigung hängt nicht von juristischen Definitionen sondern von politischen Machtfaktoren ab. Und in dieser Hinsicht muß man dauernd mit Schwankungen rechnen. Die zweite Voraussetzung einer ersprießlichen jüdischen Arbeit im Kampfe gegen den Judenhaß ist die geschlossene jüdische Front. Diese aber ist nur auf Grundlage objektiver Merkmale zu erzielen. Sie muß vom Geiste der Selbsthilfe getragen sein und alle Juden umfassen. Einerlei, was der einzelne Jude als das Hauptmerkmal seines Judeseins erachtet — in der jüdischen Gemeinde sind alle Juden vereinigt, die Frommen und Unfrom-

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