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Das jüdische Echo · 1930-07-04 · 27 (4.7.1930) · p. Seite 376

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
27 (4.7.1930)
Date
1930-07-04
Page
Seite 376 (sequence 4)
Language
German
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376 Das Jüdische Echo Nr. 27 anstalten und sonstige jüdisch-kulturelle Zwecke im Reich, unter welchem Titel sich auch 2000 RM. für den Centralverein (anstatt 3000 RM. im letzten Jahre) und 700 RM. für den Keren Hajessod (1000 RM.) vorfinden. Zum Schluß machte Dr. Straus darauf aufmerksam, daß Hilfstätigkeit zwar notwendig und unbestritten sei, daß man aber den großen Problemen der gegenwärtigen jüdischen Wirtschaftsnot mit sozialer Tätigkeit nicht beikommen könne; man müsse neue Wirtschaftsmöglichkeiten suchen und sich deshalb aktiv an der vom Preußenverband in dieser Richtung eingeleiteten Arbeit beteiligen. Die Generaldebatte Sie wurde von Kommerzienrat Josef eingeleitet, der erklärte, daß es dem Pfälzerverband angesichts der großen Notlage in der Pfalz unmöglich sei, mehr zu leisten als bisher schon, davor warnte, mehr als drei Prozent Umlagen zu erheben und eine Senkung der sozialen und kulturellen Ausgaben auf 50 000 RM. für notwendig erachtete. Rechtsanwalt Jung (Nürnberg), der Sprecher der liberalen Fraktion meinte, daß an den Posten Inventarisation und Historische Arbeiten unbedingt gespart hätte werden können und in Zukunft gespart werden müsse; obwohl verschiedene Positionen änderungsbedürftig seien, wolle man den Etat en bloc annehmen. Rechtsanwalt Feilchenfeld (orthodox) betonte, daß es falsch sei, die Kleingemeinden als die Kostgänger des Verbands zu betrachten, sie seien als Vorposten des Judentums zu werten und ihnen gegenüber dürfe man den Grundgedanken des Verbands: Selbsthilfe durch Gemeinschaft, nicht aus dem Auge verlieren. Die jüdische Situation erfordere unbedingt die baldige Schaffung des Reichsverbandes. Von weiten Gesichtspunkten aus behandelte Herr Dr. Isaak Bamberger die aktuellen jüdischen Fiagen. Er führte ungefähr folgendes aus: Die Befreiung des Rheinlandes und der Pfalz erfüllt auch uns Juden mit großer Freude, wissen doch gerade wir Juden, was Befreiung aus fremdem Joche bedeutet; aber wir können die Befürchtung nicht ganz unterdrücken, daß die pfälzischen Juden, wie wir es ja in Köln erleben mußten, die äußere Bedrückung nur gegen eine innere vertauschen. Wir möchten die Staatsregierung mit Nachdruck darauf hinweisen, hier nach dem Rechten zu sehen. Noch immer hat sie gegen die ungesetzliche Judenhetze nichts unternommen, noch immer läßt sie in den Schulen systematische Verhetzung seitens mancher Lehrer zu. (Der Redner gab einige erschütternde Beispiele aus Nürnberg.) Das Kultusministerium kann nicht oft genug von Verbands wegen darauf hingewiesen werden, daß es seine Pflicht ist, hier einzugreifen. In dieses Kapitel gehört auch das Schächtverbot. Es ist geradezu grotesk, abgesehen von aller Unrechtmäßigkeit des Verbots, daß man in einem Augenblick schwerster finanzieller Nöte, in dem man gezwungen ist, eine Schlachtsteuer einzuführen, keine anderen Sorgen habe, als das Schächten zu verbieten und so noch eine finanzielle Schädigung Bayerns herbeizuführen. Wenn man auch versucht, das eingeführte Fleisch zu besteuern, so wirdman damit nicht weit kommen, Akzisen und Okroi innerhalb Deutschland sind verboten. Diese Betrachtungen nach außen haben ihre Konsequenzen nach innen; wir müssen in diesen Zeiten innere Mission treiben.. Vornehmlich gilt dies für den Centralverein. Es schmerzt uns aufs tiefste, daß es unmöglich ist mit ihm zusammenzuarbeiten, solange die Resolution Mecklenburg besteht, die uns Zionisten auf die unglaublichste Weise beleidigt und die nach dem Krieg, wo die Zionisten ebenso wie alle anderen deutschen Juden ihre Pflicht getan haben, ganz unverständlich ist. In dieser Stunde richte ich an die dem Verband angehörenden Mitglieder des Centralvereins den dringenden Appell, für die Beendigung dieses Kampfes zu sorgen. Es ist nötig, alle Elemente zur Abwehr zu sammeln und der Centralverein darf dabei so wenig nach der politischen Meinung fragen, wie er nach der religiösen Meinung frägt. Die wirtschaftliche Situation der deutschen Juden, die fortschreitende Proletarisierung und Verdrängung aus wirtschaftlichen Funktionen macht es dringend nötig, nach neuen Wegen zu suchen; es ist daher begrüßenswert, daß der Preußenverband eine Wirtschaftskonferenz einberufen hat, die im Juli zusammentreten soll, und es ist dringend nötig, daß der bayerische Verband dabei energisch mitarbeitet. Der starke äußere Druck, der heute auf uns lastet, politisch und wirtschaftlich, erfordert, daß wir uns stärker als je auf uns selbst besinnen, und wir dürfen uns daran von Ideen, die unserer Zeit nicht mehr angemessen sind und die unsere Umwelt längst aufgegeben hat, nicht hindern lassen. Dies gilt vor allem für die Konfessionsschule, die zu unserem Bedauern glauben Juden noch immer ablehnen zu müssen. Wir müssen aber unsere Jugend jüdisch erziehen und dazu brauchen wir unbedingt jüdische Schulen. Auf die Möglichkeit durch die Gründung von jüdischen Schulen, deren Lehrer der Staat besoldet, erhebliche Ersparnisse zu machen, sei in diesem Zusammenhang nur hin* gewiesen. Besondere Anstrengungen müssen jetzt auch gemacht werden, um den Reichsverband deutscher Juden zustande zu bringen, da es eine Fülle von Aufgaben gibt, denen nur er gerecht werden kann. Zur Frage des Schächtens nahm nun in besonders eindringlichen Ausführungen Herr Rabbiner Dr. Stein Stellung; er kritisierte die Haltung der bayerischen Regierung und des Landtags und betonte mit besonderem Nachdruck, daß der Leitung des Verbands und auch dem Kultusministerium und seinem Referenten eine Schuld an dem betrüblichen Ergebnis nicht zugemessen werden könne. Er forderte zu einem flammenden Protest gegen das ungerechte Gesetz auf. In der weiteren Debatte sprach Herr Hauptlehrer Wähler zu Beamtenfragen. Rabbiner Dr. Freudenthal richtete an seine liberalen Freunde die Bitte, die Wichtigkeit der Ausgaben für historische Arbeiten und Inventarisation von Kunstwerken nicht zu verkennen; Justizrat Dr. Rosenthal und Dr. Baron beschäftigten sich mit den Ausführungen Dr. Bambergers über den Centralverein. Dr. Baron verlangte eine Entgiftung der Atmosphäre, vor allem von der Gegenseite, die ja mit den Angriffen begonnen habe; er würde sich dann gerne dafür einsetzen, daß innerjüdische Streitfragen im Centralverein zurückgestellt würden. Dr. Landenberger forderte die Aufmerksamkeit des Verbands für den Fortgang der Siedlungsarbeit des RJF; Justizrat Dr. Emil Fränkel protestierte gegen das Schächtverbot und dankte den Liberalen für die volle Solidarität, die sie in dieser Frage bewiesen hätten; er machte darauf aufmerksam, daß es gelte, diese Solidarität auch weiterhin durch die Tat zu beweisen, die ganze jüdische Bevölkerung müsse schon aus demonstrativen Gründen nach dem 1. Oktober koscheres Fleisch aus nichtbayerischen Ländern beziehen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen forderte

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