Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 27 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 27 4. Juli 17. Jahrgang Nach der Tagung Die Eröffnung Im prächtigen Alten Rathaussaal fand am 29. Juni, vormittags halb 11 Uhr, die Eröffnung der diesjährigen, achten Tagung des Verbands Bayerischer Israelitischer Gemeinden statt. Einleitend spielte das Münchener Jüdische Kammerorchester die Arie aus der Wassermusik von Geord Friedrich Händel; darauf begrüßte der Präsident der Tagung, Geheimer Rat Professor Dr. Silberschmidt (München), die Mitglieder von Rat und Tagung, die Ehrengäste und die zahlreich erschienenen Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde München. Mit besonderer Freude begrüßte er die Vertreter der Pfalz am Tage der Befreiung der pfälzischen Lande. Den verstorbenen Mitgliedern der Tagung Alexander Trier (Aschaffenburg) und Hermann Engel (Würzburg) widmete er herzliche Worte des Gedenkens. Namens der Israelitischen Kultusgemeinde München begrüßte Herr Justizrat Dr. Ostreich die Tagung, die zum zweiten Male ihre Beratungen in München abhält; im Auftrag des Staatsministers für Unterricht und Kultus wünschte Ministerialrat Dr. M e z g e r den Verhandlungen besten Erfolg und versicherte den Verband des vollen Vertrauens der Staatsregierung, das vor allem auf seiner Einigkeit beruhe; die Befolgung der von einem jüdischen Organ ausgegebenen Parole „Getrennt marschieren, vereint schlagen“ würde dieses Vertrauen erschüttern. Nachdem Bürgermeister Geheimrat Dr. K ü f n e r im Namen der Stadt München den Beratungen guten Erfolg gewünscht und den Dank der Stadt für die Ausstellung jüdischer Kultgeräte ausgesprochen hatte, hielt Herr Dr. Leo Baerwald einen Vortrag über „Jüdische Bildung eine Aufgabe der Zeit“, in dem er in fesselnden Ausführungen zunächst seinen Bildungsbegriff darstellte, wobei er sich an Goethe, Spranger und Kerschensteiner anlehnte und in dem er die Notwendigkeit wie die Möglichkeit einer spezifisch-jüdischen auf die Bibel gegründeten Bildung innerhalb einer richtig verstandenen Allgemeinbildung für uns Juden erwies. Darauf erstattete Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, der Präsident des Rats, den Tätigkeitsbericht. Er gab zunächst einen kurzen geschichtlichen Überblick und behandelte dann in Anlehnung an den Etat und mit zahlenmäßigen Unterlagen die mannigfaltige Tätigkeits des. Verbands, wobei er besonders auf die Bauzuschüsse verwies, durch die der Verband unter anderem die Renovierung der künstlerisch hervorragenden Synagogen in Bechhofen und Heidingsfeld ermöglicht hatte. Als die größte Leistung des Verbands in diesem Jahre bezeichnete er die Fertigstellung des Landesheims in Würzburg und gab bekannt, daß ein ungenannter Freund der sozialen Arbeit des Verbands 100 000 RM. für dieses Landesheim letztwillig bestimmt habe. In Würzburg entstehe im Neubau der jüdischen Lehrerbildungsanstalt, den der Verband durch Zuschüsse, Darlehen und Zinsgarantien ermögliche, ein weiteres großes Werk des Verbands. Dr. Neumeyer erörterte dann kurz die der Tagung gesetzten Aufgaben und protestierte zum Schluß in würdigen und sachlichen Ausführungen gegen das am 1. Oktober in Kraft tretende Schächtverbot. Es entbehre der inneren Folgerichtigkeit, habe doch der Staat, der heute das betäubungslose Schächten vertrete und so die Beschaffung ritualmäßigen Fleisches unmöglich mache, im Judenedikt von 1813 und der Ministerialentschließung von 1867 gerade diese Beschaffung ritualmäßigen Fleisches, als eine unverzichtbare Angelegenheit, als ein unerläßliches Wesensmerkmal einer jüdischen Gemeinde bezeichnet. Der Staat sei nicht berechtigt gewesen, durch ein solches Gesetz die Grundrechte eines ganzen Bevölkerungsteils zu beeinträchtigen und deshalb werde der Verband immer wieder die Aufhebung dieses Gesetzes verlangen. Das Allegro ma non troppo aus dem 14. Klavierkonzert Mozarts, vorgetragen vom Jüdischen Kammerorchester (Leitung Heinrich Lamm, am Klavier Zahnarzt Kurt Bettsack) bildete den Abschluß der feierlichen Eröffnung. Der Etat In der Nachmittagssitzung (die wie auch die Montagssitzung im Konzertsaal des Bayerischen Hofes stattfand) referierte, nachdem der Bericht des Revisionsausschusses erstattet und Decharge erteilt worden war, Kommerzienrat Rosenzweig über die Jahresrechnung 1929 und den Voranschlag für 1930. Die Jahresrechnung für 1929 ergab ein Defizit von 34 000 RM„ das aus dem Betriebsfonds gedeckt wurde. Seine Entstehung erklärt sich einmal aus einem Mindereingang an Umlagen, die um 30 000 RM. hinter dem Voranschlag zurückblieben, ferner aus Überschreitungen bei den Titeln Besoldungszuschüsse und Bauzuschüsse. Angesichts dieser Finanzlage habe man sich bei dem Etat für 1930 äußerste Beschränkung auferlegen müssen, die Kürzung der Besoldungszuschüsse habe sich als unvermeidlich erwiesen und auch eine Kürzung des Sozialetats um 20 Prozent sei notwendig geworden. Das nächste Geschäftsjahr lasse eine Besserung kaum erwarten. Der Voranschlag sieht nunmehr vor auf der Einnahmeseite 70 000 RM. Staatszuschuß wie im Vorjahre, 14 000 RM. Beitrag des Pfälzerverbandes, 9000 RM. Zinsen und 500 000 RM. aus 3 Prozent Umlagen. Die Ausgabenseite weist auf: 297 000 RM. für Besoldungszuschüsse (gegenüber 344 000 Jahresrechnung 1929), 20 000 RM. für Bauzuschüsse (48 000), 201 000 RM. (250 000) für soziale und kulturelle Aufgaben. Im einzelnen wurde der Sozialetat von Justizrat Dr. Elias Straus behandelt; nach einem Blick auf die Grundprinzipien der Wohlfahrtsarbeit und die augenblicklichen Verhältnisse erläuterte er die Positionen für die einzelnen bayerischen Wohlfahrtsanstalten, für die offene Fürsorge, die Bildungs- und Unterrichtsanstalten, für Stipendien, für die Inventarisation von Kunstdenkmälern, für historische Arbeiten sowie die Aufwendungen für Wohlfahrts- und Unterrichts-