Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 26 (27.6.1930)
- Date
- 1930-06-27
- Page
- Seite 367 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 267 Der Völkerbundsrat wird sich mit dem Palästinabericht erst in seiner Septembersession befassen. Es wird in Völkerbundskreisen angenommen, daß bis September auch der Bericht der gegenwärtig in Palästina weilenden Klagemauerkommission beendet sein und dem Völkerbundsrate gleichzeitig mit der von der Klagemauerkommission getroffenen Entscheidung über die Rechte der Juden und der Araber an der Klagemauer vorliegen wird. Mit der Annahme des Palästinaberichtes ist die außerordentliche Session der Mandatskommission definitiv beendet, die Kommission wendet sich nun der Erledigung des Programmes ihrer ordentlichen Session zu. Die Klagemauerkommission in Jerusalem Einheitliches jüdisches Vorgehen — Die Araber halten sich fern Jerusalem, 20. Juni. (JTA.) Die aus den Herren Eliel Loefgren, Charles Barde und van Kempen bestehende Klagemauerkommission weilt bereits in Jerusalem. Sie wurde auf dem Bahnhof von dem Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive Palästinas Colonel Frederik Kisch im Namen der Jewish Agency for Palestine, von Rabbi Uziel im Namen des Rabbinats, sowie von Dr. David Yellin, Eliash und Blau, die die jüdische Sache vor der Kommission offiziell vertreten werden, begrüßt. Araber waren bei Ankunft der Kommission auf dem Bahnhof nicht anwesend. Die Juden werden vor der Kommission einheitlich vertreten sein. Es besteht ein Kontakt mit dem vom französischen Oberrabbiner Israel Levi geleiteten Europäischen Rabbinischen Verband. Die Rabbinischen Räte in der ganzen Welt wurden ersucht, sich vor der Kommission vertreten zu lassen. Dr. David Yellin wird, wie schon mitgeteilt, die jüdische Gemeinschaft Palästinas (Knesseth Israel), Herr Blau die Agudas Jisroel vertreten. Herr Eliash wird das jüdische Beweismaterial präsentieren. Dr. Magnes, der an Stelle des erkrankten Dr. Cyrus Adler das jüdische Beweismaterial hätte präsentieren sollen, wird vor der Kommission nicht erscheinen, da sich der Waad Leumi kategorisch gegen die Betrauung von Magnes erklärt hat. Die erste Sitzung der Kommission, zu der schon arabische und jüdische Vertreter zugelassen werden, wird am Montag, dem 23. Juni, stattfinden und vertraulich sein. Als Sekretär der Kommission fungiert Herr Sachlan vom schwedischen diplomatischen Dienst. Die Presse wird zu den öffentlichen 'Sitzungen zugelassen werden, aber der Umfang der öffentlichen Verhandlung ist noch nicht festgesetzt. Ähnlich wie bei der Shawkommission werden je ein Vertreter der arabischen, der jüdischen, der englischen und der ausländischen Presse zugelassen werden. Die Klagemauerkommission besucht die Klagemauer Jerusalem, 22. Juni. (JTA.) Die internationale Klagemauerkommission besuchte am Sonnabend, dem 21. Juni, morgens, während die Passage vor der Mauer von Juden aller Schichten, die sich zur Sabbatandacht versammelt hatten, gefüllt war, in Begleitung des Jerusalemer Gouverneurs Major Keith-Roach und des Herrn Edwin Sarpuel. das Klagemauergebiet. Die Mitglieder der Kpmpü^sion studierten sorgfältig die Zugänge zur Mauer und besichtigten die an die Klagemauerpassage angrenzende Residenz des Großmufti. Die Moslemiten hatten vorher Gebetsteppiche über der Mauer ausgebreitet und zum moslemitischen Ritual gehörende Lampen angebracht. Auch hielten sie während der Anwesenheit der Klagemauerkommission in der „Zahwieh“ (der bisher unbenutzten Kapelle links des Hauptzugangs zur Mauer) einen Gottesdienst ab. Vandalenakt an der Klagemauer Jerusalem, 17. Juni. (JTA.) Unbekannte Täter begingen zu nächtlicher Stunde Vandalenakte an der Klagemauer zu Jerusalem. An 24 Stellen wurden jüdische Inschriften auf Monolithen und Steinen der Klagemauer verwischt und weggemeißelt. Die Polizei leitete eine Untersuchung ein. Es steht nicht fest, ob es sich um einen gewöhnlichen Akt von Vandalismus seitens der Araber oder um den Versuch handelt, generationenalte jüdische Symbole vor Ankunft der Klagemauerkommission zu entfernen. Die Meldung ausländischer Zeitungen, daß diese vandalischen Akte als Racheakte für die Hinrichtungen anzusehen sind, trifft nicht zu, da diese Akte noch vor den Hinrichtungen geschehen sind. Wie die Moslems auf die Klagemauerkommission Eindruck zu machen suchen Jerusalem, 22. Juni. (JTA.) Nachdem vor Ankunft der Klagemauerkommission in Jerusalem jahrhundertealte jüdische Symbole und Inschriften zu nächtlicher Stunde von Arabern weggemeißelt wurden, versuchen die Araber nunmehr auf die bereits eingetroffene Kommission dadurch Eindruck zu machen, daß sie die der Omar-Moschee zugewendeten Seite der Klagemauer mit Teppichen und Weihelichtern drappieren, um der Klagemauer das Aussehen eines moslemitischen Heiligtums zu geben. Es geschah dies auf Anordnung des Obersten Moslemitischen Rates, der durch diese Ausschmückung der Mauerspitze die Heiligkeit der Klagemauer innerhalb der moslemitischen Welt gegenüber den Mitgliedern der Klagemauerkommission demonstrieren will. Der Großmufti von Jerusalem hat sich an die Azhar-Universität in Kairo mit dem Ersuchen gewandt, in den alten Dokumenten der Moslems nach Hinweisen auf die Heiligkeit der Klagemauer für den Moslem zu suchen. Der Inspektor der moslemitischen Schule in Palästina, Isak Darwisch, wurde nach Damaskus entsandt, um die dortigen Archive nach Hinweisen auf die Klagemauer zu durchforschen. Jerusalem, 20. Juni. (JTA.) Der Sekretär des indischen moslemitischen Rates teilte der Arabischen Exekutive in Jerusalem telegraphisch mit, daß der Rat eine Anzahl Delegierter aus Indien zu den Sitzungen der internationalen Klagemauerkommission nach Jerusalem entsenden wird, die die Wünsche der 70 Millionen Moslems in Indien aussprechen werden; die Klagemauerfrage bewege die Gemüter der gesamten Islamwelt. Steuart Davis zukünftiger Chefsekretär der Palästinaregierung Jerusalem, 23. Juni. (JTA.) Der Schatzsekretär der Palästinaregierung Steuart Davis ist von seinem Urlaub nach Jerusalem zurückgekehrt und wird den High Commissioner während dessen Abwesenheit von Palästina vertreten. Steuart Davis wird als der Nachfolger Lukes im Amte des Chefsekretärs der Regierung genannt.