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Das jüdische Echo · 1930-06-27 · 26 (27.6.1930) · p. Seite 368

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
26 (27.6.1930)
Date
1930-06-27
Page
Seite 368 (sequence 18)
Language
German
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368 Das Jüdische Echo Nr. 26 Aus der jüdischen Welt Abg. Dr. Ludwig Singer Präsident der Jüdischen Gemeinde Prag Prag, 20. Juni. (JTA.) Zum Präsidenten der Jüdischen Gemeinde wurde in der letzten Sitzung der Repräsentanz mit den Stimmen aller Parteien mit Ausnahme der Tschechojuden der jüdische Parlamentsabgeordnete Dr. Ludwig Singer gewählt. Zum Präsidenten-Stellvertreter wurde das tschechoslowakische Mitglied im Council der Jewish Agency Dr. Joseph Popper, der Vorsitzende der Großloge Bnei Brith für die CSR, zum zweiten Vizevorsitzenden Dr. Emil Kafka gewählt. Für die Tschechojuden, die den bisherigen Präsidenten Dr. August Stein kandidiert hatten, gab Dr. Maximilian Reiner die Erklärung ab, die Partei könne sich an den Wahlen nicht beteiligen, da die Leitung der Jüdischen Gemeinde Prag mit Rücksicht auf den tschechischen Charakter der Stadt Prag und im Interesse des tschechoslowakischen Judentums einem bewußten Tschechen anvertraut werden müsse. Die „Selbstwehr“ schreibt: „ Zum erstenmal übernimmt ein Zionist, ein verdienter und führender Zionist, die Führung der ehrwürdigen Gemeinde Prag. Seine Wahl bedeutet keineswegs eine Eroberung der Kultusgemeinde durch die Zionisten. Wir müssen uns dessen bewußt sein, daß nur eine zionistische Majorität in der Repräsentanz einen solchen Sieg bedeuten würde, nicht aber die Wahl eines Zionisten zum Präsidenten, die auf Grund des Vertrauens der anderen Parteien erfolgte. Die Wahl Dr. Singers ist aber der Sieg einer in erster Reihe jüdisch eingestellten Majorität. Die Repräsentanten jener Parteien, welche ihn gewählt haben, verfolgen keine andere Politik als die, das materielle, soziale und kulturelle Wohl des Prager Judentums zu fördern, aber es sind durchwegs Parteien, deren politischer Blick über das Prager Judentum hinausreicht und welche in ihrer politischen Einstellung nie das Weltjudentum vergessen.“ Warum Lettland keinen jüdischen Minister bekommen hat? — Schwere Vorwürfe gegen die Agudah Riga, 23. Juni. (JTA.) Im lettländischen Sejm wurde während der letzten Sitzung bekannt, daß der Ministerpräsident dem Sejmpräsidium mitgeteilt hat, er habe dem Deputierten Rabbiner M. Nurok ein Ministerium ohne Portefeuille angeboten. Gleich darauf begannen einige rechtsgerichtete Deputierte Unterschriften gegen die Berufung Nuroks zu sammeln, woran sich auch der agudistische Deputierte Rabbiner Dubin beteiligt haben soll. Daraufhin bat Rabbi Nurok den Premierminister, seine Mitteilung an das Sejmpräsidium zurückzuziehen. Gegenüber dem JTA-Vertreter erklärte Rabbi Nurok folgendes: Seit Bestehen der jetzigen lettländischen Regierung führte der Premierminister mit meiner Fraktion (der nationalen Minderheiten) Verhandlungen wegen ihres Eintritts in die Regierungskoalition. Ende 1929 haben die Verhandlungen eine reale Form angenommen. Ich teilte dem Premierminister mit, daß meine Gruppe nur dann in die Regierungskoalition einzutreten gedenke, wenn man ihr eine Vertretung in der Regierung überläßt. Als die Verhandlungen bereits im positiven Sinne abgeschlossen waren, hat der Ministerpräsident mir plötzlich erklärt, daß der Agudah-Deputierte Rabbiner Dubin sich entschieden gegen den Eintritt eines Misrachisten in die Regierung erklärt und für den Fall meiner Berufung seinen Austritt aus der Koalition angekündigt hat. Trotzdem wurden die Verhandlungen fortgeführt und es wurde eine Übereinstimmung nach der Richtung erzielt, daß ich ein Ministerium ohne Portefeuille übernehmen sollte. Als dies bekannt geworden war, leitete der Deputierte Dubin eine Propaganda unter den extrem rechten Deputierten gegen meine Berufung ein. Es ist nicht meine Aufgabe, diese Handlungsweise des, Agudah- Deputierten zu kennzeichnen, ich kann nur das eine sagen, daß die Berufung eines Juden als der Vertreter der nationalen Minderheiten in das Kabinett eine große Errungenschaft für das Judentum auch nach außen hin bedeutet hätte. In gewissen ernsten Fragen hätte sich dies als eine gesunde Demonstration und ein günstiger Präzedenzfall ausgewirkt. Daraus ist nun nichts geworden; es ist eben durch „fromme jüdische Hände“ verhindert worden. Der lettländische Ministerpräsident hat sich dahin ausgesprochen, daß die Frage der Berufung eines Juden als Minister in das Kabinett im Herbst dieses Jahres wieder auf die Tagesordnung gestellt werden wird. Abraham Podliszewski gestorben Warschau, 18. Juni. (JTA.) Im Alter von 68 Jahren verstarb am 18. Juni in Warschau der bekannte Führer des polnischen Zionismus Abraham Podliszewski. Der zionistischen Bewegung seit seiner Jugend angehörend, wohnte er mehreren Kongressen als Delegierter bei und gehörte früher dem großen A. C. an. Er war Vizepräsident der Zionistischen Organisation Kongreßpolens, Leiter des polnischen Keren Hajessod und Förderer des Keren Kajemeth. Zuletzt war er auch Präsident des polnischen Hias. Mit Nahum Sokolow verband ihn noch aus der Zeit des Erscheinens der Tageszeitung „Hazefirah“ intime Freundschaft. Neue antisemitische Exzesse in Bielce. — Ein Toter, mehrere Verletzte Bukarest, 19. Juni. (JTA.) Die Jassyer Zeitung „Opinia“ berichtet, daß es in Bielce zu erneuten schweren antisemitischen Exzessen gekommen ist. Die Cuzisten fielen mit Dolchen bewaffnet über die Juden her und fügten mehreren Juden schwere Stichverletzungen zu. Der junge Jude Landau erhielt mehrere Dolchstiche, denen er in der Nacht erlag, ein anderer junger Jude, Benzion Chawis, liegt mit schweren Kopfverletzungen im Hospital, während mehrere andere Juden schwerverletzt in ihren Häusern darniederliegen. In der Stadt herrscht große Erregung. Die Polizei hat eine Untersuchung zur Feststellung der Schuldigen eingeleitet. Die Palästina-Frage im Kongreß der Vereinigten Staaten Kongreßmitglied Hamilton Fish fordert eine Intervention der Vereinigten Staaten bei England für Durchführung des Mandates Washington, 19. Juni. Die Frage der Suspendierung der Einwanderungszertifikate für Palästina-Einwanderer ist nun auch im Kongreß der Vereinigten Staaten zur Sprache gekommen. Das Kongreßmitglied Hamilton Fish tadelte die englische Regierung wegen der Suspendierungsmaßnahme, die er als Widerspruch zum Mandat stehend bezeichnete, und forderte die amerikanische Regierung auf, die Notwendigkeit zu erwägen, bei der Regierung Großbritanniens wegen der Suspendierung der Einwanderung Vorstellungen zu

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