Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 26 (27.6.1930)
- Date
- 1930-06-27
- Page
- Seite 366 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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366 Das Jüdische Echo Nr. 26 und Untersuchungen. Die Mandatskommission hat ihre Beratungen beendet. Was in die Öffentlichkeit gedrungen ist, haben wir berichtet. Es war nicht viel. Shiels hat eine Rede gehalten, welche auf die Zionisten beruhigend wirken sollte; es wurde gefragt, die englischen Vertreter haben geantwortet. Nun wartet man auf den Bericht der Kommission, der nicht nur ein Bericht, sondern auch ein Urteil sein soll. Es werden wohl einige Wochen vergehen, bis er vorliegen wird. Unterdessen schreiten die Untersuchungen Sir John Simpsons in Palästina fort. Simpson verhört, prüft, reist. Er hat Kolonien und Industrieunternehmungen besichtigt. Von zionistischer Seite wurde das nötige Material übergeben. Wie es heißt, ist dieses Material äußerst gründlich ausgearbeitet und zeigt von neuem die großen Möglichkeiten Palästinas für jüdische Einwanderung und Kolonisation. Der Bericht Simpsons wird schwerlich vor zwei Monaten fertig sein. Auf die englische Regierung hat die große Protestwelle in der jüdischen Welt etwas ernüchternd gewirkt. Man scheint sogar etwas überrascht gewesen zu sein. Ob diese Protestbewegung mehr als diese Überraschung und mehr als eine weitere Verlangsamung der englischen Regierungsmaschine zur Folge haben wird, ist noch zweifelhaft. Jedenfalls ist bis jetzt die Suspendierung belassen und nicht zurückgezogen worden. Anderseits ist der angekündigte Bodensperre-Erlaß noch nicht ausgegeben worden, das bedeutet aber nicht, daß man den Plan hat fallen lassen. Man ist nur, wie es scheint, noch unsicherer geworden. Und das ist ja ein gewisser Erfolg; denn es hat sich als ein Fehler herausgestellt, daß man unser etwas zu sicher war. Zum Teile freilich ist diese Unsicherheit der englischen Regierung auf ihre schwindende Kraft zurückzuführen; der Premier Mac- Donald ist nach allem, was man hört, schwankend; der tatsächlich gegen uns wirkende Mann scheint Lord Paßfield zu sein. Daß er als selbständiger Kolonialminister bestätigt worden ist, verbessert unsere Situation gewiß nicht, sie dürfte sich aber auch jetzt nicht mehr wesentlich verschlechtern. Im Mittelpunkt des innerzionistischen Interesses steht die Frage des Kongresses. Sie ist noch keineswegs entschieden; die politische Kommission der Jewish Agency, welche am 23. Juni in London Zusammentritt, soll den endgültigen Beschluß fassen. Heute ist es noch fraglich, ob überhaupt ein Kongreß stattfinden wird; und wenn ja, ob ein ordentlicher (mit Neuwahlen) oder ein außerordentlicher (mit den Delegierten des letzten Kongresses); und wenn ein ordentlicher, ob Anfang September oder Ende Oktober. Die Zeit dazwischen kommt wegen der Feiertage nicht in Betracht. Gewichtige Faktoren haben sich gegen den Kongreß ausgesprochen; vor allem die zionistische Organisation Amerikas, welche energisch dagegen protestiert, weiters die Keren-Hajessod- Direktion in Palästina, auch die Palästinaexekutive wünscht den Kongreß zu einem viel späteren Zeitpunkt. Eine Schwierigkeit ist auch das Problem der Jewish Agency. Der Präsident des Administrativkomitees, Felix Warburg, welcher das Council einberufen mußte, ist gegen diese Einberufung. Es müßte also das Administrativkomitee die Beschlüsse des Kongresses für die Jewish Agency durchführen; denn die Kongreßbeschlüsse müssen ja erst zu Beschlüssen der Jewih Agency gemacht werden, um der Mandatsmacht übergeben werden zu können. Trotz aller dieser Schwierigkeiten ist die Exekutive für den Kongreß und erläßt an die A.-C.-Mitglieder die Fragebogen zur Bestimmung der Details. Die Exekutive ist für den Kongreß, weil sie den überwiegenden Kongreßwillen der Organisation zu verspüren meint; nicht nur die Revisionisten, auch die Misrachi und große Landsmannschaften (Polen, Ostgalizien, England, Österreich) verlangen den Kongreß. Im allgemeinen ist die Situation so, daß jene Teile der Organisation, welche für die zionistische Arbeit verantwortlich sind, gegen, jene aber, welche mehr politisch und gar fraktionspolitisch eingestellt sind, f ü r den ordentlichen Kongreß sind. Auch die zionistischen Massen scheinen für den Kongreß zu sein. Er ist nun einmal das große Mittel der Reaktion der Bewegung auf politische Spannungen und Erschütterungen. Aber man darf nicht vergessen, daß er m e h r sein muß als bloße Reaktion; er muß auch Aktion sein, d. h. positive politische Tat mit aufbauender Wirkung nach außen und nach innen. Ob er dies wird sein können, in welchem Maße, mit welchen Hoffnungen, und wann und wo er dies wird am besten sein können, dies alles wird nun die politische Kommission der Jewish Agency zu erwägen haben, um einen richtigen und ersprießlichen Beschluß fassen zu können. F.W. Neuyork, 17. Juni. (JTA.) Herr Felix M. Warburg, der Vorsitzende des Administrativkomitees, hat die Mitglieder des Administrativkomitees zu einer Tagung für den 29. August nach Berlin eingeladen. Hnnahme des Palästinaberichtes durch die Mandatskommission Veröffentlichung Ende Juli 1930 Verlangen nach energischerer Durchführung des Mandates Genf, 22. Juni. (JTA.) Die Mandatskommission des Völkerbundes, die ihre bereits begonnene ordentliche Session unterbrochen hat, um den von ihrer Redaktionskommission hergestellten Text des Palästinaberichtes an den Völkerbundsrat zu prüfen, hat am Sonnabend, dem 21. Juni, diese Prüfung beendet und den von van Rees, Rappard, Orts und Merlin abgefaßten Berichtsentwurf mit nur geringen Änderungen angenommen. Wie der JTA.-Vertreter erfährt, erfolgte diese Annahme einstimmig, woraus zu schließen ist, daß die dem Zionismus freundlicher gesinnten Mitglieder der Kommission und diejenigen, die dem Zionismus kritischer gegenüberstehen, sich gegenseitig Konzessionen machten. Der Bericht nimmt Stellung zu den Ereignissen des August 1929, zu dem von der Mandatarmacht unterbreiteten Bericht über die Verwaltung Palästinas im Jahre 1929 und schließlich zu den zahlreichen Petitionen, die von Juden wie von Arabern eingegangen waren. Wie der JTA.-Vertreter erklärt, kritisiert die Mandatskommission in ihrem Berichte die Haltung der Palästina-Administration und der Mandatarmacht während der Unruhen des Vorjahres und verlangt für die Zukunft eine energischere Durchführung des Mandates seitens der Mandatarmacht. Gemäß der hier geübten Prozedur wird der angenommene Bericht jetzt noch nicht veröffentlicht werden. Er wird zuerst der britischen Regierung zugestellt, die berechtigt ist, ihre Bemerkungen demselben anzufügen. Der Bericht wird dann zusammen mit dem Protokoll der gegenwärtigen Session der Mandatskommission gedruckt der Öffentlichkeit übergeben werden; dies wird, wie man glaubt, Ende Juli der Fall sein.