Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 25 (20.6.1930)
- Date
- 1930-06-20
- Page
- Seite 352 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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352 Das Jüdische Echo Nr 25 Großartige Manifestation des Warschauer Judentums gegen die Suspendierung der Chaluz-AIijah 50 000 Menschen im Protestzuge Warschau, 12. Juni. (JTA.) Das Warschauer Judentum protestierte in einer großartigen Manifestation gegen die Sperrung der Tore Palästinas für jüdische Arbeitereinwanderer. Der Aufforderung der Zionistischen Organisation Folge leistend, wurden 6 Uhr abends in der ganzen Stadt die jüdischen Geschäfte geschlossen und alle jüdischen Handwerker legten die Arbeit nieder. Bald zogen endlose Züge durch das jüdische Viertel in Warschau zum Sammelplatz der Kundgebung. Etwa 50 000 Menschen formierten sich dann zu einem ungeheuren Demonstrationszug zum Proteste gegen die Sperrung der Chaluz- Einwanderung in Palästina und der Vernachlässigung der Pflicht seitens Englands als Mandatarmacht Palästinas. König Carol und die Juden Czernowitz, 13. Juni. (JTA.) Senator Dr. Mayer Ebner, der bekanntlich in der Nationalversammlung die Deklaration des jüdischen Parlamentsklubs für König Carol und die Dynastie verlesen hat, veröffentlicht in der von ihm herausgegebenen „Ostjüdischen Zeitung“ einen Leitartikel mit der Überschrift „Der König. Ein Ereignis, gesehen von einem Juden“. Er glaubt, daß die Propheten nicht Recht behalten werden und fragt: Was haben wir Juden von ihm zu erwarten. Daß die cuzistischen Studenten ihm zujubeln, beweist nichts gegen ihn. Es ist die allgemeine Stimmung, ln der Nationalversammlung huldigte dem neuen König Prof. A. C. Cuza und nach ihm sprach ich als jüdischer Vertreter. Prinz Carol war viele Jahre im westlichen Ausland. Er hat sicherlich gesehen, was die Juden draußen in der Welt für ihre Vaterländer bedeuten. Er weiß auch sicherlich, daß die Behandlung der Juden ein Barometer ist für das Urteil des Auslandes. Die Juden Rumäniens haben warme, offene Herzen für ihn. Er kann diese Herzen ganz für sich erobern. Dann wird er stärker sein, als er es ahnt, und seine Stärke wird ein Segen sein für das Land. Gebe Gott ihm die Weisheit, daß er diese Wahrheit erkenne!“ Diesen Äußerungen ist zu entnehmen, daß die Juden Rumäniens mit Bezug auf König Carol nicht ganz frei von Besorgnis sind. Die rumänische Legation in Amerika warnt die amerikanischen Juden vor einer antirumäjnischen Kampagne in Verbindung mit den antisemitischen Exzessen Washington, 5. Juni.. (JTA.) Der Charge d'Affaires der rumänischen Legation in Washington, F. C. Nano, sandte dem Direktor der Executive des American Jewish Congress, Bernard C. Richards, ein Schreiben, in welchem eine Warnung an die jüdischen Führer in den Vereinigten Staaten vor der Fortführung der „antirumänischen Kampagne“ in Verbindung mit den antijüdischen Exzessen in Rumänien ausgesprochen wird. In dem Schreiben wird gesagt, eine Fortführung dieser Kampagne würde die Lage der Juden in Rumänien nicht verbessern, sondern verschlimmern. Im Aufträge des American Jewish Congress sandte Herr Richards dem rumänischen Charge d'Affaires Herrn Nano ein Antwortschreiben, in welchem tiefe Überraschung über die in Herrn Nanos Schreiben zum Ausdruck gebrachten Ansichten ausgedrückt wird. U. a. heißt es in diesem Schreiben: Wir wundern uns darüber, daß Sie anscheinend des Glaubens sind, die Juden seien dermaßen eingeschüchtert, daß sie zu jeder Belästigung und Demütigung schweigen. Ebenso unbegreiflich ist Ihre Meinung, daß' die Juden bereit sein könnten, materielle Wohlfahrt durch Hinnahme von Demütigung und Ungleichheit zu erkaufen: schließlich untergraben doch Unterdrückung und Ungleichheit die wirkliche Basis für allgemeine Wohlfahrt. In einem Schreiben an die Jüdische Telegraphen-Agentur erklärt die Leitung des American Jewish Congress, daß sie nicht in der Lage ist, Herrn Nanos Äußerungen als inoffizielle und private zu betrachten, da Herrn Nanos Brief als Erwiderung auf einen offiziellen Schritt von offenbar öffentlichem Interesse abgefaßt ist. Angesichts des Ernstes der Lage für die jüdischen Brüder in Rumänien sieht sich der American Jewish Congress gedrängt, den Briefwechsel mit der rumänischen Legation zu veröffentlichen. Verbot des »Doar Hayom“ — Die Zeitung erscheint unter geändertem Namen — Auch „Falestin“ und „El Jamea el Arabia“ verboten Jerusalem. 10. Juni. (JTA.) Die in Jerusalem erscheinende hebräische Tageszeitung „Doar Hayom“, Organ der Zionisten-Revisionisten, sowie die arabische Tageszeitung „Falestin“, Organ der Arabischen Exekutive, und die ebenfalls als Organ der Arabischen Exekutive geltende Zeitung „El Jamea el Arabia“ wurden durch die Palästinaregierung bis auf weiteres verboten. Ein Grund für die Verbote wurde offiziell nicht angegeben. Es verlautet jedoch, daß das Verbot wegen erschienener aufreizender Artikel erfolgt ist. . Die Zeitung „Doar Hayom“ erscheint weiter unter dem Namen „Jeruschalajim“ unter der gleichen Redaktion und in der gleichen Druckerei wie bisher. Dies wurde ermöglicht auf Grund eines' Abkommens mit einem Verlag, der unter diesem Namen früher eine hebräische Wochenschrift herausgab und die Berechtigung zu weiteren Herausgabe noch hat. Das Oberste Gericht entscheidet gegen die Waadi- Hawarit-Pächter Jerusalem, 10. Juni. (JTA.) Das Oberste Gericht Palästinas hat die Petition von vier arabischen Pächtern des Waadi-Hawarit-Distriktes auf Annullierung der Regierungsverordnung, nach der sie ihre Böden zu verlassen haben, zurückgewiesen und diese Entscheidung damit begründet, daß der Jüdische Nationalfonds, der die Böden käuflich erworben hat, den Bestimmungen der Verordnung von 1929, betr. Entschädigung, entsprochen hat. Somit ist der Entscheid des Bodengerichtes von Tulkarem, das den Nationalfonds ermächtigt hat, von dem Boden Besitz zu ergreifen, rechtskräftig geworden. Luke kehrt nicht nach Palästina zurück — Er geht nach Malta London, 12. Juni. (JTA.) Der Chefsekretär der Palästinaregierung, H. C. Luke, der im August vorigen Jahres den abwesenden High Commissioner, Sir John Chancellor, vertrat, und während dessen Amtszeit die arabischen Angriffe auf den palästinensischen Jischuw erfolgten, wird nicht auf seinen Posten in Jerusalem zurtickkehren. Er ist zum stellvertretenden Gouverneur von Malta befördert worden.