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Das jüdische Echo · 1930-06-20 · 25 (20.6.1930) · p. Seite 351

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
25 (20.6.1930)
Date
1930-06-20
Page
Seite 351 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 35 t in den schwersten Zeiten die jüdischen Zentren in der ganzen Welt es als ihre heiligste Pflicht angesehen haben, minder Kräftigen zu Hilfe zu kommen. Daß den Glaubensgenossen in Palästina die Liebe der Juden in aller Welt vorzugsweise zugewandt ist, ist allein schon daraus zu ersehen, daß die Gemeinden der Diaspora ausnahmslos am Montag und Donnerstag gegen Schluß des Morgengottesdienstes den Klingelbeutel für Erez Israel herumgehen ließen. Besonders die deutsch-jüdischen Gemeinden haben in dieser Beziehung Großes geleistet und vorbildlich gewirkt. Wenn heutzutage die deutschen Gemeinden sich mehr als früher von dem Grundsätze „charity begins at home“ leiten lassen, wenn sie in erster Linie an die materielle und geistige Not im engeren und engsten Kreise denken müssen, so ist das nur zu verständlich. Darf aber darum eine jüdische Gemeinde, die doch ein Glied in der Kette der Judenheit ist, um der Not des Gliedes willen sich der vielleicht noch größeren Not der anderen Glieder gänzlich versagen? ... Unter den Gemeinschaftsaufgaben steht an erster Stelle die Fürsorge für die Unglücklichsten unter den Juden, das sind diejenigen östlichen Glaubensgenossen, die, aller Mittel beraubt, als Flüchtlinge unter uns leben, und die eine neue Heimat suchen, weil ihr Geburtsland selbst ein kümmerliches Leben ihnen nicht zu verschaffen gewillt oder imstande ist. Wenn nun jetzt vielen dieser Ärmsten sich ein Land zeigt, in dem sie mit Hilfe ihrer bessergestellten Glaubensbrüder sich produktiv betätigen, ungestört leben und sich jüdisch ausleben können, wenn dies gar ein Land ist, das, wie Palästina, nie aufgehört hat, das Land ihrer Sehnsucht zu sein, so haben die deutschjüdischen Gemeinden als solche die Pflicht, eine, wenn auch mit Rücksicht auf die eigene Not einstweilen noch geringe Summe dem Fonds zuzuführen, der als Finanzinstrument für das Siedlungswerk in Palästina geschaffen worden ist. Der Umstand, daß die überwältigende Mehrzahl der Juden und jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt sich in der Jewish Agency zusammengetan hat, um das Werk auf das wirtschaftlichste durchzuführen, bürgt dafür, daß die eingehenden Gelder zweckmäßig verwendet werden. Und noch ein Weiteres spricht für die Bewilligung: Das Mißlingen des Werkes namentlich angesichts der Tatsache, daß 160 000 Juden sich bereits in Palästina befinden und weitere Hunderttausende dorthin tendieren — es sind dies alles oder fast alles Ostjuden —, muß der Gesamtjudenheit zur Unehre gereichen, das Gelingen aber wird ein Ehren- und Ruhmestitel für die Judenheit der ganzen Welt sein und viele Vorurteile auch in den Ländern beseitigen, in denen die Juden als gleichberechtigte und gleichverpflichtete Volksgenossen leben. Aus der jüdischen Welt Protestaktion der deutschen Mitglieder der Jewish Agency gegen die Suspendierung der Einwanderungszertifikate Berlin, 11. Juni. (JTA.) Namens der in Deutschland wohnenden Mitglieder des Council der Jewish Agency hat Herr Direktor Wassermann am 6. Juni ein Schreiben an den britischen Botschafter in Berlin gerichtet, in dem darauf hingewiesen wird, daß die vom Colonial Office verfügte zeitweilige Suspendierung der Einwanderungszertifikate von der ganzen am Palästina- Aufbau interessierten Judenheit mit größter Bestürzung aufgenommen wurde. Die offenbar ausschließlich aus politischen Gründen getroffene Maßnahme des Colonial Office werde von der Judenheit als unvereinbar mit dem Wortlaut und dem Geist des Palästinamandates empfunden. Die Errichtung des Jewish National Home in Palästina werde durch derartige Maßnahmen aufs schwerste gefährdet, denn sie könne ohne eine immer wachsende jüdische Einwanderung nicht verwirklicht werden. Die deutschen Mitglieder der Jewish Agency bitten den britischen Botschafter, ihren Protest und ihr Ersuchen, die erwähnte Verordnung rückgängig zu machen, zur Kenntnis der britischen Regierung zu bringen. Ein Reichsverband der Schochtim in Deutschland gegründet Mainz, 13. Juni. (JTA.) Im Hörsaal der Synagoge der Religionsgemeinschaft zu Mainz wurde die Konferenz der Schochtim in Deutschland abgehalten, der etwa 60 Delegierte aus allen Teilen Deutschlands beiwohnten und in der die Gründung eines Reichsverbandes der Schochtim in Deutschland beschlossen wurde. Ein Olga-Stern-Haus in Berlin Berlin, 11. Juni. (JTA.) Der Verband des Jüdischen Frauenbundes ist mit einer großzügigen Stiftung bedacht worden. Herr Direktor Stern (Wannsee) übergab dem Bunde eine Schenkung von 100 000 RM. zur Erinnerung an seine verstorbene Gattin Olga Stern, die seit vielen Jahren als interessiertes Mitglied in dem Bunde mitgearbeitet hat. Von den zahlreichen sozialen Aufgaben, die ihrer Lösung harren, erschien die Errichtung eines Altersheims für den jüdischen Mittelstand am dringendsten geboten. Dem Verband ist es gelungen, ein Haus in Grunewald zu erwerben, das. durch seine Lage und seine Anordnung für die Errichtung eines Altersheims besonders geeignet ist. Nach notwendigen baulichen Veränderungen, die noch in diesem Sommer beendet sein sollen, werden etwa 30 alte Leute, Ehepaare und Alleinstehende, in überaus freundlichen, lichtdurchfluteten, allen modernen hygienischen Anforderungen entsprechenden Räumen, in ihren eigenen Möbeln sich ein behagliches kleines Heim einrichten können. Es wird dadurch von vielen alten Leuten, die mit dem Rest ihres Vermögens oder einem sehr geringen Einkommen einem sorgenvollen Lebensabend entgegensahen, eine schwere Sorge genommen. XVII. Zionistenkongreß Anfang September oder Ende Oktober London, 15. Juni, (JTA.) Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, befaßt sich die Jüdische Exekutive mit dem Gedanken, den XVII. Zionistenkongreß, der ein auf Wahlen basierender Kongreß sein soll, noch für den Herbst d. Jeinzuberufen. Die Exekutive ersuchte die Mitglieder des Zionistischen Aktions-Komitees, ihr auf telegraphischem Wege ihre Meinung über die folgenden drei Fragen mitzuteilen? 1. Ist die Einberufung des Kongresses noch in diesem Jahre erwünscht? 2. Soll es ein ordentlicher oder ein außerordentlicher Kongreß sein? 3. Ist Anfang September oder Ende Oktober ein geeignter Zeitpunkt für die Abhaltung des Kongresses? Damit man zu einer rechtzeitigen Wahl der Delegierten zum Kongresse schreiten könne, hat die Zionistische Exekutive den 31. Juli 1930 als Schlußtermin für die diesjährigen Schekelabrechnungen festgesetzt. Bis zu diesem Datum müssen alle Schekel-Verkäufe beendet und die Gelder der Exekutive überwiesen sein. ' 1

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