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Das jüdische Echo · 1930-06-13 · 24 (13.6.1930) · p. Seite 339

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
24 (13.6.1930)
Date
1930-06-13
Page
Seite 339 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 24 339 Das Jüdische Echo Schächtverbotsantrag für Thüringen — „Juden solien draußen bleiben!“ Weimar, 4. Juni. (JTA.) Im Thüringer Landtag wurde ein nationalsozialistischer Gesetzantrag beraten, der in Thüringen das rituelle Schächten unmöglich machen soll. In der Aussprache erklärte der nationalsozialistische Fraktionsführer Sauckel u. a.: „Wenn die Juden künftig das Land Thüringen und seine Bade- und Kurorte meiden würden, hätten die Nationalsozialisten das erreicht, was sie wollten. Die Juden sollen draußen bleiben“. Auch aus anderen nationalsozialistischen Reden ging hervor, daß für den Schächtverbotsantrag nicht Interessen des Tierschutzes, sondern lediglich Judenhaß maßgebend war. 50 000 Neuyorker Juden demonstrieren in den Straßen gegen die Beschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina Neuyork, 8. Juni. (JTA.) Etwa 50 000 Neuyorker Juden marschierten ungeachtet der sengenden Hitze in einer geschlossenen Demonstration durch die Straßen Neuyorks, um ihrem Proteste gegen die Politik der britischen Regierung in Palästina Ausdruck zu geben. Alle Schichten der Judenheit waren in dem Riesenzuge vertreten; es wurden Transparente mit Aufschriften getragen, in denen der Empörung über die Suspendierung der Einwanderung von Chaluzim Ausdruck gegeben wurde. Der Zug bewegte sich die Fifth Avenue entlang gegen East Side und Rutgers Square; viele Tausende von Personen flankierten den Zug und begrüßten seine Losungen stürmisch. An der Spitze marschierten jüdische Kriegsveteranen, hinterher gingen Hunderte zum größten Teil hochbetagte Rabbiner, die Gebete aufsagten, es folgten Delegationen der verschiedenen jüdischen religiösen Gruppierungen, Gruppen von Chaluzim, Delegationen der jüdischen Gewerkschaften, viele Tausende jüdische Schulkinder, die Palästinalieder sangen, und Vertreter zahlreicher Geselligkeitsorganisationen. Der Eindruck der Aufhebung der Todesurteile in Palästina » Jerusalem, 6. Juni. (JTA.) Die arabische Exekutive richtet an Sir John Chancellor den Appell, auch die Todesurteile gegen die nichtbegnadigten drei Araber nicht vollstrecken zu lassen. Sir John Chancellor wies diesen Appell zurück, stellte es aber den arabischen Delegationen anheim, eine telegraphische Petition an den König von England zu senden. „El Jamea el Arabia“ schreibt, die Begnadigung der 23 Araber entschädigt die Araber nicht dafür, daß sie ihrer Unabhängigkeit beraubt worden sind. „Falastin“ erklärt, die Begnadigung sei wertlos, weil sie nicht vollständig ist. Die hebräische Tageszeitung „Haarez“ schreibt: Mit der Begnadigung hat die Palästinaregierung eine große Verantwortung auf sich genommen. Aus Gründen der Humanität haben wir nichts gegen die Begnadigung, aber als Palästinenser wollen wir innerlich überzeugt sein, daß der Begnadigungsakt nicht ein Ausdruck der Schwäche der Regierung oder ein Nachgeben dem politischen Druck von Terroristen und Pogromisten ist. Der politische Mitarbeiter des „Palestine Bulletin“ schreibt: Niemand mißgönnt den Begnadigten, wenn sie auch Mörder sind, das Glück, dem Galgen zu entgehen. Einige von ihnen sind gewiß nicht mehr schuldig als jene Araber, die durch einen gerichtlichen Freispruch der Strafe entgehen. Die Regierung sollte die Anführer die volle Strenge des Gesetzes fühlen lassen. Sir John Chancellor tritt Ende Juni seinen Urlaub an Jerusalem, 5. Juni. (JTA.) Der Oberkommissar für Palästina, Sir John Chancellor, tritt Ende Juni seinen Urlaub an. „Haarez“ deutet an, daß der Chefsekretär Luke nach Palästina zurückkehren wird, um Chancellor zu vertreten. Die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt aber, daß eine Vertretung durch Luke kaum in Frage kommt; für eine Vertretung Chancellors im Amte des High Commissioner kommt in erster Reihe der Schatzmeister der Palästinaregierung, Sir Steuart Davis, in Betracht. Gemeinden-u. Vereins-Echo Das große jüdische Sportfest in München am 15. Juni nachm. K3 Uhr auf dem I).S.V.-Platz, Marbachstraße Alljährlich um dieselbe Zeit veranstaltet der Münchener Bar-Kochba sein Rasenfesl. Im vergangenen Jahr war es das mustergültige Lag-Beomer Spiel und Sportfest, diesmal kommt der Bar-Ivochba Nürnberg, um den fälligen leichtathletischen Klubkampf gegen die Münchener durchzuführen. Im friedlichen Wettstreit werden die beiden Kampfmannschaften ihr Können messen. Beide Vereine haben einen guten Namen innerhalb des Siidd. Fußball- und Leichtathletikverbandes, beide Vereine haben bereits eine große, sportliche Vergangenheit. Wenn auch der Münchener Bar-Kochb a nach seinem Höhepunkt der Jahre 1920 bis 1923 plötzlich nachließ und erst im Laufe der letzten Jahre mehr und mehr aufkam, ohne jedoch seine alte Form zu erreichen, so kann man doch sagen, daß dieser Verein bei seinen letzten Auftreten, wie Erstlingsneunkampf, Griinwald-München usw. gezeigt hat, daß er immerhin ein Faktor ist, der ernst zu nehmen ist. Der Nii rnberger Bar-Kochba ist nicht nur in der „Noris“ bekannt. Es gibt kein Sportfest in Franken ohne diesen jüdischen Sportklub und selbst die besten Vereine in diesem Kreis mußten sich schon oft durch den Nürnberger Makkabiverein geschlagen bekennen. Die Nürnberger sind auch in München keine Fremden mehr. Beim letzten Zweikampf 1928 auf dem Säbener Platz konnten sie nach hartnäckigen Wettkämpfen den Münchener Bruderverein mit 89 zu 71 Punkten niederringen. Wer hat dies m a 1 die Chane e n? Es ist nichts schwerer, als gerade bei sportlichen Wettkämpfen den Propheten zu spielen. Gar mancher „Favorit“ wurde durch einen Außenseiter auf einen schlechteren Platz verwiesen. Insbesondere bei den Mittel- und Langlaufstrecken entscheidet letzten Endes nicht nur die Frage des technischen Könnens, sondern auch die Frage der Taktik. Beginnen wir zunächst mit den Herrenwettbewerben. In dem 100-m-Sprinter Leo Bukofzer besitzt Nürnberg einen Mann, der bei der nordbayerischen Meisterschaft 1929 den 2. Platz belegte und der zu der Spitzenklasse der bayerischen Kurzstreckenläufer gehört. Eine besondere Ehre wurde ihm zuteil, als er vom Verbande anläßlich des Länderkampfes Württemberg gegen Bayern repräsentativ auf gestellt wurde. Leider zog sieh Bukofzer bei einem Hallensportfest einen Sehnenriß zu, der ihn über zwei Monate zum Pausieren zwang. Trotzdem ist nicht daran zu zweifeln, daß er im 100-m-Lauf siegt.

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