Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1930-06-13 · 24 (13.6.1930) · p. Seite 336

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
24 (13.6.1930)
Date
1930-06-13
Page
Seite 336 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103085-9230011--10920-9222987
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

336 Das Jüdische Echo Nr. 24 Versuche, diese Maßnahmen mit rein formellen Gründen zu rechtfertigen, nicht gelten läßt. Ich versuchte im Gespräch mit den erwähnten Persönlichkeiten die Auffassung zu widerlegen, daß der sogenannte Dualismus des Palästinamandates unüberwindliche Schwierigkeiten mit sich bringt. Ich erklärte ihnen, daß wir Juden im Gegenteil von der absoluten Möglichkeit einer Harmonierung der Interessen der Juden und der Araber überzeugt sind, indem die Förderung des Aufbaus Palästinas und der Nachbarländer allen Einwohnern dieser Länder zugute kommt und einen bedeutungsvollen Beitrag zu der Zivilisation darstellt. Wir glauben ar, das Vorhandensein von Kräften, die Zwecken dienen, welche weder die Interessen der Juden, noch die der Araber im Auge haben, sondern das Ziel verfolgen., das bereits begonnene friedliche Zusammenleben der beiden Völkerschaften zu untergraben. Auf die Frage, wie er die Erklärung des britischen Bevollmächtigten Dr. Shiels in der Eröffnungssitzung der Mandatskommission auffaßt, erklärte Dr. Weizmann: Ich kann zu dieser Erklärung vorläufig keine Stellung nehmen, ich muß aber die Gefühle anerkennen, von d*enen Dr. Shiels bei der Abfassung eines so schwierigen Dokumentes sich hat leiten lassen. Wir sehen mit Sorge, aber auch mit Vertrauen den Taten der Regierung, die dieser Erklärung folgen müssen, entgegen. Palästina-Beschluß des Kongresses der Völkerbundligen Genf, 10. Juni. (JTA.) Die Plenarversammlung des Kongresses der Völkerbundligen befaßte sich in ihrer Sitzung am 9. Juni mit der Frage Palästinas und nahm einstimmig, bei Stimmenthaltung des Italieners Gianini, die von der politischen Kommission gebilligte Resolution der britischen Delegation an. Der Abstimmung ging eine Aussprache voraus, in der John Epstein (England) die Bedeutung der Resolution unterstrich, die, ohne auf Details einzugehen, die Kernfragen des Palästina-Mandates hervorhebt. Die britische Regierung hat gegenüber der Mandatskommission den Willen kundgetan, das Palästina-Mandat durchzuführen. Es gehört Mut und Zynismus dasu, die Sache so darzustellen, als ob das Versprechen, ein jüdisches Nationalheim zu schaffen, aufzugeben sei, oder daß die Mandatarmacht wechseln solle. Die Resolution wurde in friedlichem Geiste abgefaßt. Epstein sprach mit hoher Anerkennung über den Geist der Verständigung, den die Palästina-Delegation an den Tag gelegt hat. Die Münchener Tagung des Verbands jüdischer Jugendvereine In seinem Referat ,,Wie kann Gemeinschaft werden?“. mit dem er auf Wunsch der Verbandsleitung die Arbeiten der achten Delegiertentagung des Verbands jüdischer Jugendvereine am Sonntag, dem 8. Juni, in München begann, sagte Martin Buber zunächst seinem Auditorium, daß er nicht gekommen sei, eine schöne Predigt zu halten. Und das war notwendig. Denn offenbar war man eigentlich nur auf eine schöne Predigt eingestellt gewesen, die der Eröffnungssitzung den Glanz des berühmten Namens und etwas von der Weihe der Bemühung um jüdischreligiöse Erneuerung, die sich an Buber knüpft, verleihen sollte. „Auf eine gemeinschaftliche Situation eine gemeinsame Antwort zu geben“, wie Buber es verlangt, dazu ist dieser Verband, wie sich zeigte, nicht imstande; er war es wohl nie und wird es vermutlich auch nie sein. So ist er gewiß keine Gemeinschaft und bietet auch nicht die Voraussetzung dazu — er ist ein Verein und hat als solcher manche wichtige Funktion im Leben der deutschen Juden zu erfüllen: Neue Wege gehen, Richtung weisen, ist nicht seine Sache. Der Verband jüdischer Jugendvereine wird immer den Ereignissen nachhinken; er kann sie so wenig schöpferisch gestalten, wie sie auch nur von innen heraus, von seiner Sache her begreifen — er wird von außen her mit Inhalten erfüllt, von Menschen, die anderswo ihre entscheidenden Grunderlebnisse menschlicher, religiöser, politischer Natur gehabt haben oder wenn sie sie noch nicht gehabt haben, anderswo suchen müssen; er ist vielleicht eine Übungsstätte für junge Juden, die die Absicht haben, im jüdisch-öffentlichen Leben eine Rolle zu spielen und auch deshalb zweifellos von Werl; sicher aber ist er ein wertvolles Instrument für die verschiedensten Bemühungen geselliger (deshalb im besten jüdischen Sinn bevölkerungspolitischer) halb oder ganz karitativer Natur und wenn er Mittel und Wege finden wird, die „Selbsthilfe“, die er theoretisch als Notwendigkeit klar genug postuliert hat, zu verwirklichen, so hat man allen Anlaß, mit ihm und seiner Leistung außerordentlich zufrieden zu sein. Versagt ist dein Verband jede klare politische Stellungnahme. Und verfehlt scheinen deshalb auch die Anstrengungen zu einer Radikalisierung, die, wenn man die Konstruktion des Verbands und seiner Vereine als allgemeiner Sammelslälten der jüdischen Jugend nicht aufgeben will, lediglich formalen Charakters sein könnte und seine Grundlagen zweifellos sofort sprengen würde. In der Ablehnung dieser Bestrebungen prägte sich deshalb nur ein gesunder Instinkt des Verbandstages aus. Anderseits besteht jedoch die Möglichkeit, wichtige politische Forderungen durch ihn zu verwirklichen, sofern sie nur der communis opinio des Verbands entsprechen. Und da er als eine Zusammenfassung jugendlicher Kräfte die Interessen der Jugend und damit der Zukunft doch besser verstehen kann, leichter wandlungsfähig, weniger versteinert ist als andere Organisationen, ergibt sich der Zustand, daß er in Fragen etwa des Wahlrechts der Jugendlichen, der sozialpolitischen Betätigung jüdischer Gemeinden und Verbände u. a. m. als Gesamtheit eine Haltung einnimmt, die, so wenig man sie im echten Sinne jüdisch-politisch nennen könnte, doch auch keineswegs mehr gänzlich unpolitisch ist. Will man diesen Vorgang als „Politisierung“ bezeichnen, so wird man sagen dürfen, daß dieser Weg langsam weiter beschritten werden wird und muß; man wird wohl auch die Prophezeiung riskieren dürfen, daß extrem Liberale der Richtung Woyda etwa aus inneren Gründen nicht länger im Verband bleiben können; auch für nationaldeutsche Juden gilt er wohl längst als nationaljüdische Organisation. Nicht etwa nur wegen seines Eintritts in die Jewisht Agency, aber auch deshalb und obwohl eine Mißbilligung der Unterzeichnung der Erklärung deutscher Juden, die beantragt war, nicht erfolgt ist. Der Eintritt in die Agency ist heute nicht mehr umkämpft, die Zugehörigkeit zu ihr wurde zwar statutarisch nicht verankert, aber doch unzweifelhaft und ohne jede Verklausulierung festgestellt, indem als Anhang zu den Salzungen ein Antrag angenommen wurde, der besagt, daß zur FTziebung der Verbandsmitglieder im gesamtjüdischen Denken und Wollen auch die Arbeit für den überparteilichen Paläslinaaufhau gehöre. In diesem Sinne besieht also eine communis opinio des Verbands, weniger allerdings darüber, in welcher Weise der Verband sich auf die-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.