Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1930-06-13 · 24 (13.6.1930) · p. Seite 334

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
24 (13.6.1930)
Date
1930-06-13
Page
Seite 334 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103085-9230011--10918-9222985
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

334 Das Jüdische Echo Nr. 24 halb der Kompetenzen der Sha.wkommission liegen und im Bericht nicht zu behandeln sind1. Selbst der Vorsitzende der Kommission hat bei Eröffnung der Verhandlungen in Palästina die gleiche Erklärung abgegeben. Die Einwendungen gegen die Kompelenziiberschreitungen werden deswegen gemacht, weil der Kommission die nötigen Kenntnisse für eine Beschäftigung mit Fragen der großen Politik fehlen. Für die Art, in der sich der Bericht mit den politischen Fragen beschäftigt, werden einige Beispiele angeführt und zum Schluß festgeslellt, daß die Auffassungen der Araber, die der Kommission und die Auffassungen der Kommision über die Auffassungen der Araber fortwährend durcheinandergeschoben werden, ohne daß sichtbar wird, wie weit sich nun die Kommission durch die offensichtlich falschen Auffassungen der Araber doch beeinflußt fühlt. An mehreren Beispielen wird die Oberflächlichkeit der Darstellung gezeigt. In den weiteren Kapiteln werden dann die falschen geographischen und historischen Betrachtungen der Shaw-Kommission, Art und Ursachen der Unruhen, die Schuld des Mufti, die Schuld der Palästinaregierung, die Rolle Lukes und schließlich Einwanderungs- und Bodenfrage behandelt. Genf, 4. Juni. (JTA.) Der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes lagen bei ihrem Zusammentreten die folgenden Memoranda vor: 1. Memorandum der britischen Regierung, 2. Bericht der von Sir Walter Shaw geführten Palästina- Untersuchungskommission mit einer längeren Zusatzerklärung des Vertreters der Labour-Party in der Kommission, Harry Snell, 3. Memorandum der Jewish Agency zum Shawbericht, 4. kritische Betrachtungen zum Shawbericht von der Union der Zionisten-Revisionisten, 5. Memorandum der ständigen syrisch-palästinensischen Delegation in Genf und ß. Erklärung des Großmufti von Jerusalem, auch in seiner Eigenschaft als Präsident des Obersten Moslemitischen Rates in Palästina. Das Memorandum der britischen Regierung enthält auch den Bericht der Jewish Agency über die Entwicklung des jüdischen Nationalheims in Palästina im Jahre 1829. Wichtige Erklärung des englischen Vertreters Genf, 4. Juni. (JTA.) Am Dienstag, dem 3. Juni, trat die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes unter dem Vorsitz des italienischen Vertreters Marquis Teodoli zu ihrer außerordentlichen, den Palästinafragen gewidmeten Tagung zusammen, die etwa eine Woche in Anspruch nehmen wird. Am 10. Juni beginnt die ordentliche Tagung der Mandatskommission, in der die allgemeinen Mandatsfragen zur Behandlung kommen werden. Das an Stelle des zurückgetretenen Geheimrats Kastl neuernannte deutsche Mitglied der Kommission, Ministerialdirektor Dr. Ruppel, nimmt zum erstenmal an der Tagung teil. Der Bevollmächtigte der britischen Regierung, Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels, unterbreitete der Mandatskommission zunächst das bereits veröffentlichte Weißbuch über die Politik der britischen Regierung in Palästina und schloß hieran im Namen seiner Regierung eine Erklärung, die eine mehr positive Stellungnahme als das Weißbuch enthielt und mit gespannter Aufmerksamkeit entgegengenommen wurde. Dr. Shiels, der auch näher auf die Rede des britischen Außenministers Arthur Hendersen in der Sitzung des Völkerbundsrates am 15. Mai Bezug nahm, führte dann aus: Die zeitweilige Maßnahme der Zurückziehung bereits bewilligter Zertifikate für jüdische Arbeiter-Einwanderer, die nach Palästina kommen wollten. hat in jüdischen Kreisen Palästinas und in zionistischen und philozionistischen Kreisen überall Erregung hervorgerufen und zu Protesten geführt; diese Proteste beruhen auf einem Mißverständnis. Es ist kein einziges Zertifikat annulliert worden, sondern die bereits bewilligten Zertifikate sind bis zu einem Zeitpunkt aufgeschoben worden, an dem der Bericht des von der englischen Regierung nach Palästina entsandten Sir John Hope Simpson vorliegen wird. Der Simpson-Bericht wird aber schon in wenigen Wochen erwartet. Die Doppelaufgabe, die das Mandat der britischen Regierung auferlegt, nämlich eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk zu errichten und gleichzeitig die bürgerlichen und religiösen Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften zu wahren, sei sehr wohl durchzuführen, indem die Errichtung de« Jüdischen Nationallheims dem ganzen Lande dauernde Vorteile bringt zum Nutzen aller Elemente der Bevölkerung. Die britische Regierung erkennt die Wohltaten, die das ausgezeichnete Aufbauwerk der Juden dem Lande Palästina bringt, Erfolge, die der großen Hingabe der Juden zuzuschreiben sind, vollkommen an; diese Anerkennung der jüdischen Arbeit ist auch in dem Bericht der Untersuchungskommission enthalten. Die Regierung wird nichts unternehmen, was den noblen Idealen der Juden und ihren Aspirationen in Palästina Abbruch tun könnte. Wir haben die feste Absicht, Mittel ausfindig zu machen, um die beiden alten Zivilisationen, die jüdische und die arabische, nebeneinander unter immer harmonischeren Bedingungen zu entwickeln. Am Schluß der Sitzung erklärte der Vorsitzende, Marquis Teodoli, die Mandatskommission wünsche von der englischen Regierung Aufklärungen über ihre Ansichten betreffend die unmittelbaren und ferneren Ursachen der letzten Ereignisse in Palästina, über die Verantwortung an den Ereignissen, sowie schließlich über die zur Vermeidung einer Wiederkehr ähnlicher Ereignisse geplanten Maßnahmen und über die künftige Regierungspolitik dieser Richtung hin zu erhalten. Genf, 5. Juni. (JTA.) Über die zweite, den Ereignissen in Palästina gewidmete Sitzung der Mandatskommission wird offiziell mitgeteilt: Die Kommission befaßte sich heute mit der Prüfung der Ereignisse, deren Schauplatz Palästina von September 1928 bis August 1929 gewesen war. Seitens der Mandatarmacht war der Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels anwesend, dem der Chefsekretär des Oberkommissariats in Palästina Herr Luke und die Herren Lloyd und Clauson vom Colonial Office assistierten. Nach chronologischer Prüfung der Ereignisse und ihrer unmittelbaren Ursachen befaßte sich die Kommission mit dem Moment der Verantwortung für die Unruhen im Herbst 1929 und deren tieferen Ursachen. Dr. Shiels gab der Kommission ergänzende Informationen und erwiderte auf seitens der Mitglieder der Kommission an ihn gestellte Fragen. Auch Luke erwiderte auf Fragen, die sich auf die Ereignisse in Palästina bezogen. Wie der JTA-Vertreter erfährt, hielt der Holländer van Rees eine längere Rede, in der er den Shaw-Bericht scharf kritisierte und auch Luke nicht schonte. — Shiels erklärte, die Juden im Auslande, die eine Einwanderung in weitem Maßstabe verlangen, ziehen nicht die Schwierigkeiten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.