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Das jüdische Echo · 1930-06-06 · 23 (6.6.1930) · p. Seite 324

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
23 (6.6.1930)
Date
1930-06-06
Page
Seite 324 (sequence 8)
Language
German
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324 Das Jüdische Echo Nr. 23 Der Umfang der Arbeit wird durch eine große Landkarte Osteuropas veranschaulicht, auf der im Relief sämtliche Anstalten der OSE- und TOZ- Gesellschaften in all den Ortschaften, 96 an der Zahl, dargestellt sind, wo Abteilungen der Gesellschaften tätig sind. Es sind insgesamt 416 Anstalten, von denen die überwiegende Mehrzahl — 257 — der Kinderfürsorge gewidmet sind; hiervon dienen 51 dem Säuglings- und Mutterschutze; 27 der Bekämpfung der Rachitis; 85 der schulmedizinischen Fürsorge und 84 sind Sommerkolonien und Halbkolonien. Auch in den übrigen Anstalten, wie zahnärztliche Stationen, Polikliniken, Tbc- Dispansaires, nimmt die Kinderfürsorge-Arbeit einen breiten Raum ein. Besonders dicht ist das Netz der Anstalten in Litauen, Polen und Bessarabien, wo auch in den kleineren Ortschaften intensiv gearbeitet wird. Auf derselben Karte sind auch die Anstalten des Agro-Joint in der Sowjetunion dargestellt, wo die Tätigkeit sich auf 61 Städte in der Ukraine und Weißrußland erstreckt und etwa 150 Anstalten umfaßt. Die nächste Tabelle veranschaulicht die Ergebnisse der Gesundheitsarbeit im Jahre 1929. Man ersieht aus ihr, daß während dieses Jahres 9329 Säuglinge betreut wurden, was mit 85 000 Besuchen verbunden war; über 900 000 Flaschen Milch und 50 000 kg Nahrungsmittel wurden an Säuglinge verteilt; rund 7300 rachitische Kinder befanden sich in Behandlung; unter dauernder schulmedizinischer Aufsicht standen etwa 60 000 Schulkinder aller Altersgruppen; 9600 Kinder hielten sich in den Sommerkolonien und Halbkolonien auf; zahnärztliche Hilfe erhielten 16 000 Kinder; etwa 9000 Kinder wurden mit Röntgenstrahlen behandelt, hiervon rund 4300, die an Haarkrankheiten litten. Insgesamt werden über 100 000 jüdische Kinder in Polen, Litauen, Lettland und Rumänien von OSE und TOZ systematisch betreut. Eine gleiche Arbeit, in mancher Hinsicht sogar eine bedeutendere, leistet die medizinische Kommission des’ Agro-Joint in der Sowjetunion, deren Tätigkeit auf einer besonderen Tabelle dargestellt ist. Ihre Anstalten wiesen im Jahre 1929 1 350 000 Besuche auf, von denen etwa ein Drittel auf Kinder entfällt. Im Verlaufe einer fünfjährigen intensiven Tätigkeit wurden rund 26 000 Kinder, die an parasitären Haarkrankheiten litten, geheilt. Eine weitere Tabelle veranschaulicht den inneren Aufbau der OSE- und TOZ-Gesellschaften. Im Jahre 1929 existierten 11 Landesverbände mit 103 Abteilungen und rund 25000 Mitgliedern. Wie sich die Tätigkeit der Gesellschaften auswirkt, das drückt am deutlichsten ein Diagramm der Säuglingsfürsorge in Chisinau (Kischinew, Bessarabien) aus. Während die durchschnittliche Sterblichkeit der Säuglinge in der Stadt Chisinau, infolge der Verschlechterung der allgemeinen Lebensverhältnisse, in den Jahren 1927 bis 1929 auf 13 von 100 gestiegen ist, ist sie in der gleichen Zeitperiode bei $en unter Aufsicht der Fürsorgestellen der Chisinauer Abteilung der OSE stehenden Säuglingen von etwa 6 auf 4 vom 100 gefallen. Dies ist wohl der beste Beweis dafür, welch ein mächtiges Mittel die Säuglingsfürsorge im Kampfe gegen die Säuglingssterblichkeit darstellt. Die Bedeutung der Schulhygiene wird durch ein Diagramm, das die Erfolge der schulmedizinischon Aufsicht in Kowno darstellt, hervorgehoben. Durch planmäßige Arbeit sind die im Osten starkverbreiteten Erkrankungen an Trachom, Favus u. a. auf ein Minimum reduziert worden. Eine Reihe Diapositive in einer besonderen Vitrine bringt bildliche Darstellung verschiedener OSE- und TOZ-Anstalten. Zwei besonders wichtige Anstalten — das Gesundheitshaus der Kownoer Abteilung der OSE und das Tuberkulose-Sanatorium der Bialystoker Abteilung der TOZ — sind in großen Modellen dargestellt. Beide Gebäude, erst in den letzten Jahren erbaut, sind in modernen Formen gestaltet mit viel Licht und Luft und großen flachen Dächern, die als Sonnen- und Luftbäder dienen. Auch die Inneneinrichtung entspricht in jeder Beziehung den modernsten wissenschaftlichen Anforderungen. Das Kownoer Dr.-S.-Frumkin-Gesundheitshaus, in dem die wichtigsten Anstalten der OSE untergebracht sind, bildet das Zentrum der Gesundungstätigkeit der OSE in Litauen. Zu erwähnen sind noch die zahlreichen Broschüren, Flugblätter, Tabellen, Plakate, Zeitschriften und auch andere Veröffentlichungen der OSE und TOZ in jiddischer Sprache, die der sanitärhygienischen Aufklärung und Propaganda dienen. Aus einer Tabelle ist zu ersehen, daß in den letzten Jahren über eine Million Exemplare von Werken hygienisch-sanitären Inhalts unter der jüdischen Bevölkerung Ost-Europas verbreitet wurde. Was die Propaganda in Wort anbetrifft, so haben allein im Jahre 1929 etwa 1900 Vorträge, Volksversammlungen usw. stattgefunden, die von rund 120000 Personen besucht waren. Aus der jüdischen Welt Sitzung des Rates des Preußischen Landesverbandes Berlin, 30. Mai. (JTA.) Am 29. Mai 1930 hat in Berlin eine Sitzung des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden stattgefunden. Zunächst wurden eine Reihe von Haushaltsfragen erledigt, sodann Fragen der Lehrerbildung und -Versorgung. Mit der in Aussicht genommenen Änderung der Verfassung des Landesverbandes hatte sich der Rat insoweit noch einmal zu beschäftigen, als der Verbandstag Anträge auf Abänderung der Artikel 11 (Herabsetzung des Wahlalters auf 20 Jahre) und 23 (Verminderung der Mitglieder des Engeren Rates) angenommen hatte. Diesen beiden Verfassungsänderungen hat der Rat die Zustimmung versagt. Die für den 30. November 1930 in Aussicht genommenen Neuwahlen zum Verbandstag haben die endgültige Festsetzung der Wahlordnungen für den Verbandstag und für dem Rat notwendig gemacht. Sie wurden im wesentlichen in der vom Verbandstag abgeänderten Form angenommen. Ferner wurde beschlossen, durch den Rechtsausschuß die Satzung für ein Wahlprüfungsgericht fertigstellen zu lassen, das für die Wahlen zum Landesverband zuständig sein soll. Seine Zuständigkeit auch auf die Wahlen zu den Vertretungen der einzelnen Gemeinden auszudehnen, erwies sich aus technischen Gründen als nicht angängig. Die in zwei Beschlüssen des Verbandstages angeregte Einberufung einer Konferenz, welche sich mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage der deutschen Juden befassen soll, kann erst nach gründlicher Vorbereitung erfolgen. Die zu diesem Zwecke erforderlichen Arbeiten wurden einem aus den Ratsmitgliedern Seckeisohn, R.-A. Dr. Klee und Struck bestehenden Ausschuß übertragen. i’IHWi Ein weiterer Ausschuß, welcher aus den Herren Kammergerichtsrat Wolff, Geheimrat Goldfeld (Breslau), Dr. Sandler, Dr. Freund und Seckel-

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