Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 23 (6.6.1930)
- Date
- 1930-06-06
- Page
- Seite 323 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103085-9229998--10904-9222972- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 23 Das Jüdische Echo 323 Shaw-Kommission ‘aufgestellte Behauptung, daß die Auswahl von Einwanderern gemäß der Arbeiterschedule der jüdischen Arbeiterkonföderation anvertraut ist, mit Entschiedenheit zurück. Die Exekutive erklärt, daß die Behauptung des Haupteinwanderungsbeamten, es würden hinsichtlich der politischen Einstellung der Einwanderungsanwärter Unterscheidungen geübt, jeder Grundlage entbehrt; die Arbeit der Konföderation hat mit der Verteilung der Zertifikate an Einzelpersonen nichts zu tun, sondern die Zertifikate werden an die Palästina-Büros in den verschiedenen Ländern versandt. Die palästinensische zionistische Exekutive protestiert mit allem Nachdruck gegen die von einem Beamten der Palästinaregierung an die Shaw-Kommission gegebene ungenaue Information über die Art, wie die palästinensisch-zionistische Exekutive sich einer ihrer wichtigsten Pflichten entledigt. Nach Darlegung des bei Verteilung der Einwandererzertifikate geübten Verfahrens erklärte die Exekutive, daß der Haupteinwanderungsbeamte, Herr Hyamson, durch seine falschen Darlegungen gegenüber der Kommission die jüdischen Interessen sehr geschädigt hat, indem die Untersuchungskommission seine Information zur Basis ihrer Schlußfolgerungen gemacht hat. Die Exekutive möchte gerne wissen, heißt es zum Schluß des offenen Schreibens, welche Schritte die Palästinaregierung zu ergreifen gedenkt, um die Wirkung solcher falscher Beschuldigungen aufzuheben; die Exekutive hat kein Verständnis dafür, daß Herrn Hyamsons Aussagen in geschlossener Sitzung entgegengenommen wurden, ohne daß den jüdischen Autoritäten die Möglichkeit gegeben war, sich über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Aussagen zu äußern. Die palästinensische hebräische Presse über das Weißbuch Jerusalem, 30. Mai. (JTA.) „Haarez“ äußert sich zu dem Weißbuch u. a.; Die Arbeiterregierung, deren Führer die Natur unseres Unternehmens in sozialer wie in moralischer Hinsicht durchaus kennen, hat die Verleumdung unserer Feinde gutgeheißen; aber es fehlt der Arbeiterregierung der Mut, die Balfour-Deklaration zu annullieren. Obwohl der Premierminister sofort nach Erscheinen des Berichtes der Shaw-Kommission die sogenannte „zionistische Politik“ im Parlament neu bestätigt hat, werden die falschen Schlüsse der Mehrheit der Kommissionsmitglieder gegen Herrn Snelles Ansichten akzeptiert und die Bedürfnisse des jüdischen Volkes, sowie die von den Juden gemachten großen Wiederaufbauanstrengungen vollkommen ignoriert. Das jüdische Volk fordert nun, daß die Situation geklärt werde; die Regierung möge sich entschließen, entweder das Mandat nach Geist und Buchstaben zu verwirklichen oder die gegenüber dem jüdischen Volk hinsichtlich der Schaffung des Nationalheims übernommenen Verpflichtungen als zurückgenommen zu erklären. „T)awar“ schreibt: Es ist unmöglich anzunehmen, daß die Unterhaltungen mit dem Großmufti und Herrn Nashashibi die britische Regierung davon überzeugt haben, daß die Araber im Rechte und die luden im Unrechte sind. Das Zaudern in der erhabenen Aufgabe der Erfüllung einer hohen menschlichen Mission hat die britische Regierung dazu gebracht, ihre Pflicht zu vergessen und den Schwachen dem Starken auszuliefern. Das britische Imperium ist mächtig und die Juden sind schwach. Der Kampf wird auf einer unproportionierten Basis geführt, aber es ist unsere Hoffnung, daß die öffentliche Meinung in England doch aufgerüttelt werden wird. Unser Recht wird sich der Gewalttat nicht beugen. Wir werden die den letzten Regierungsdokumenten zugrunde liegende Unwahrhaftigkeit enthüllen, denn, wenn das, was jetzt geschieht, die britische Politik in Palästina bleiben soll, wird das Mandat morgen nicht mehr bestehen. „Doar Hayom“ schreibt: Die Lage ist klar, die Axt wird gegen die jüdische Einwanderung und die jüdische Kolonisation erhoben. Sitzung der politischen Kommission der Jewish Agency am 23. Juni in London London, 30. Mai. (JTA.) Die Exekutive der Jewish Agency hat gemeinsam mit dem Vorsitzenden der politischen Kommission der Agency, Lord Melchett, eine außerordentliche Sitzung des Ständigen Subkomitees für politische Angelegenheiten der Jewish Agency für Montag, den 23. Juni, nach London einberufen. In dieser Sitzung werden alle im Zusammenhang mit der politischen Lage in der zionistischen Bewegung stehenden Fragen zur Erörterung gelangen. Der politischen Kommission gehören an Lord Melchett als Vorsitzender, Dr.Cyrus Adler als Vizevorsitzender, ferner Dr. Chaim Arlosoroff, Ben Gurion, Kurt Blumenfeld, Abg. Farbstein, Dr. Berthold Feiwel, Dr. Nahum Goldmann, Dr. Leo Motzkin, M. M. Ussischkin, Ben Zwi, Robert Pollack, Dr. W. Fildermann, d’Avigdor Goldsmid, Baron D.Manasse, Major Nathan, James N. Rosenberg und Oscar Wassermann. Jüdische Institutionen auf der Internationalen Hygiene-Aus- Stellung in Dresden Dresden, 18. Mai. (JTA.) Am 17. Mai sind in Dresden die von fast allen Ländern der Welt beschickte Internationale Hygiene-Ausstellung und das Reichs-Hygienemuseum feierlich eröffnet worden. Die jüdischen Gesundheitsorganisationen OSE-TOZ und die dem Agro-Joint angeschlossene Medizinische Kommission JOINT-OSF vertreten auf der Interationalen Hygiene-AuSstellung das Werk der Selbsthilfe der jüdischen Bevölkerung Osteuropas auf dem Gebiete der Hygiene. Im Verlaufe des Weltkrieges und unmittelbar danach entwickelten die OSE- und TOZ-Gesellschaften mit Unterstützung des American Joint Distribution Committee in Osteuropa eine umfangreiche Tätigkeit auf dem Gebiete der medizinischen Hilfe. Schon damals beschränkten sie ihre Arbeit nicht allein auf die ärztliche Hilfeleistung und Krankenunterstützung, sie verfolgten vielmehr von Anbeginn das Ziel, die physischen, und somit auch die psychischen Kräfte der jüdischen Bevölkerung zu stärken und Krankheiten vorzubeugen. Je weiter das Leben in geordnetere Bahnen kam, desto mehr Aufmerksamkeit konnten die Gesellschaften der Hebung des hygienisch-kulturellen Niveaus der jüdischen Massen widmen. In den letzten Jahren wird diese Tätigkeit bei den meisten Abteilungen bereits planmäßig durchgeführt. Auf der Ausstellung werden die erzielten Erfolge in Diagrammen, Diapositiven, Photographien, Karten und Modellen verschiedener Anstalten anschaulich dargestellt. Es ist einer privaten Organisation selbstverständlich unmöglich, einen eigenen Pavillon von größeren Ausmaßen zu errichten, um ihre Tätigkeit gebührend darstellen zu können, doch wird hier in verhältnismäßig bescheidenen Raumausmaßen eine Fülle von Material vorgeführt.