Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 23 (6.6.1930)
- Date
- 1930-06-06
- Page
- Seite 325 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9072829-9103085-9229998--10906-9222976- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Bytom 1× ep/1047839
- Wrocław 1× ep/1002369
OCR text
Nr. 23 Das Jüdische Echo 325 sohn besteht, wurde eingesetzt, um die aufs neue anzustrebende Schaffung eines Reichverbandes der deutschen Juden vorzubereiten. Dieser soll sich nach Beendigung seiner Arbeiten zunächst mit dem Ständigen Ausschuß des Verbandstages in Verbindung setzen und gemeinsam mit ihm weitere Vorschläge machen. Besprochen wurde ferner noch die in Aussicht genommene Errichtung einer jüdischen Sektion an einer zweiten Pädagogischen Akademie sowie die Begründung einer Religionsakademie, endlich der von einem Ratsmitglied an ein Mitglied des Verbandstages gerichtete Brief, der sich im wesentlichen mit der Tätigkeit des vom Landesverband vorgeschlagenen Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten beim Kultusministerium befaßt hatte. Es. wurde einstimmig beschlossen, dem Sachverständigen beim Kultusministerium, Herrn Rabbiner Dr. Baeck, das volle Vertrauen des Rates auszusprechen. Vor der Tagung des Großen Rates hatte eine ‘Sitzung des Engeren Rates stattgefunden. In dieser wurde das durch das Ausscheiden des Herrn Direktor Kareski frei gewordene Finanzdezernat Herrn R.-A. Dr. Klee, das durch das Ableben des Herrn Direktor Ostberg frei gewordene Dezernat für Wohlfahrtsangelegenheiten Herrn Landgerichtsrat Dr. Lilienthal übertragen. Neunter ordentlicher Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands Köln, 30. Mai. (JTA.) Der 9. ordentliche Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands, Sitz Berlin, wurde vom 25. bis 27. Mai 1930 in Köln abgehalten. Aus allen Gauen Deutschlands, aus Berlin, Breslau, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Hamburg, Hannover, Leipzig, Mainz, Mannheim und Wiesbaden waren Delegierte in großer Zahl erschienen, während sich Beuthen, Dresden, Fürth, Karlsruhe, Krefeld und Nürnberg vertreten ließen. Von den dem Weltverband jüdischer Handwerker angeschlossenen Landesverbänden waren Delegierte aus Polen, Rumänien und Belgien anwesend: die Verbände Tschechoslowakei, Lettland, Litauen und Palästina sandten Sympathieschreiben. Die Klage Wirths gegen Frick vor dem Staatsgerichtshof Leipzig. 28. Mai. (JTA.) Beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich ist jetzt die Klage des Reichsinnenministers gegen das Land Thüringen auf Aufhebung der Anordnung bestimmter Schulgebete eingegangen. Die Klage stützt sich auf Artikel 148 Absatz 2 der Reichsverfassung, in dem bestimmt ist, daß beim Unterricht darauf Bedacht zu nehmen ist, daß die Gefühle Andersdenkender nicht verletzt werden. Termin zur Verhandlung ist noch nicht bekannt. Die Klerikalen im tschechoslowakischnen Parlament empfehlen Enteignung des jüdischen Besitzes Prag, 29. Mai. (JTA.) Der tschechisch-klerikale Abgeordnete Myslivec richtete in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses heftige Angriffe gegen die Juden. Myslivec führte u. a. aus: „Die Finanzorgane sollten die Mittel überwachen, mit denen Vermögen erworben und oft zu Millionen angehäuft werden. Den Finanzminister dürfte es interessieren, daß nach den Bestimmungen des Gesetzes Moses sich jede Familie im Gnadenjahre in den Besitzstand zurückversetzte, in dem sie im vergangenen Gnadenjahre gewesen sei. Gemeint ist das „Jubeljahr“ des Alten Testaments. Diese Verfügung verhütete weise die Anhäufung von Besitz in der Hand weniger. Der Redner habe nichts davon gehört, daß dieses Gesetz für die zukünftigen Bekenner der Religion Moses’ widerrufen worden sei. Der Finanzminister sollte sich dafür interessieren, in welchen Vermögensverhältnissen die Angehörigen dieser Konfession im letzten „Gnadenjahre“ seien. Fortdauer der antisemitischen Exzesse in Rumäinien Terror in der südlichen Bukowina, Exzesse in Bukarest, Targu-Frumos Czernowitz, 28. Mai. (JTA.) Die jüdische Bevölkerung in Varna, im Süden der Bukowina, steht unter einem furchtbaren Terror der Cuzisten und fühlt sich unaufhörlich an Leben und Eigentum bedroht. Nachdem der cuzistische Agitator Niculcea die Bauernbevölkerung aufgehetzt hat, wurden die Vamaer Kaufleute Hermann Vogelfänger und David Sand, sowie der Kutscher Israel Kraft überfallen und mit Knüppeln und Stöcken blutig geschlagen. Die zügellose Horde droht offen, die Häuser der jüdischen Bürger anzuzünden, wie das schon in Balaszana geschehen ist. Die Sicherheitsbehörde ist vollkommen untätig. In Capul Satului wurden mehrere jüdische Kaufleute im Eisenbahnzug mißhandelt. Die Schaufenster der Läden dreier jüdischer Kaufleute wurden zertrümmert. In der Nacht wurden Steingeschosse in die jüdischen Wohnungen geschleudert. Die Täter sind aufgehetzte Mittelschüler. Bukarest, 27. Mai. (JTA.) Vor dem sozialdemokratischen Heim in Bukarest kam es zu schweren antisemitischen Ausschreitungen. Als die sozialistischen Studenten nach einer Besprechung das Heim verließen, wurden sie von Cuza-Studenten überfallen und schwer mißhandelt. Mehrere sozialistische und jüdische Studenten wurden erheblich verletzt. Unter den Verletzten befindet sich auch der Redakteur des „Adeverul“, Horia Roman, der ins Spital überführt werden mußte. Generalinspektor Goma hat seinen Bericht über die antisemitischen Zwischenfälle in Targu-Frumos den Behörden übergeben. Nach diesem Bericht soll ein gewisser Lozeanu, der angeblich Kommunist ist, die Zwischenfälle provoziert haben. Der Bericht stellt ferner fest, daß einige Polizisten die verhafteten Juden malträtiert haben. Auf Grund dieses Berichtes wurden vier der verhafteten Juden wieder in Freiheit gesetzt, die übrigen verhafteten Juden sollen im Laufe der Woche enthaftet werden. Der päpstliche Legat in Jerusalem, Mgr. Barlassina, tritt in den Ruhestand — Der Feind einer arabischjüdischen Verständigung Rom, 29. Mai. (JTA.) Die italienische Presse bestätigt die schon in der Auslandspresse verbreitet gewesene Nachricht, daß der päpstliche Legat in Jerusalem, Mgr. Louis Barlassina, demnächst in den Ruhestand tritt und daß auch sein Assistent, Bischof Fellinger, Palästina verlassen und nach Rom zurückkehren wird. Ein Teil der italienischen Presse greift die Zionisten an, weil diese angeblich ihren Einfluß bei der britischen Regierung ausnutzen, und diese veranlassen, die Rückberufung Barlassinas zu fordern. — Vor einigen Tagen meldeten amerikanische Zeitungen, daß die britische Regierung den Kardinal-Staatssekretär in Rom ersucht hat, Mgr. Barlassina und Bischof Fellinger von ihren Posten abzuberufen; dabei erklärte der britische Gesandte beim Vatikan, daß Barlassina und Fellinger eine Wiederannäherung der Araber an die Juden in Palästina zu verhindern suchen. — Von Barlassina wird auch behauptet, daß er eine geheime Verbindung zu den arabischen Führern unterhält und sie in ihrer Unnachgiebigkeit gegen-