Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 23 (6.6.1930)
- Date
- 1930-06-06
- Page
- Seite 321 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 321 Schluß der Verbandsleitung billigen und Vorschläge machen, wie der Verband den Beschluß wirksam durchführen kann. Es sind zahlreiche Anträge gestellt, die eine starke Anteilnahme der Vereine und Junggruppen fordern, die Vorträge, Arbeitsgemeinschaften über die Jewish Agency und Geldsammlungen innerhalb des Verbandes für notwendig erachten. Diese oberflächliche und kurze Darstellung der Hauptprobleme kann viellicht ein Bild davon geben, was die Delegierten in München zu tun und erwarten haben. Wir wollen hoffen, daß die Tagung so verläuft, daß sie den Verband in der nächsten Zeit zur intensiven und produktiven Arbeit hinführt, einer Arbeit, die dem Judentum dienen und zu seiner Befriedung und Einheit führen soll. Gegen den Antisemitismus Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus veröffentlicht ein „Mahnwort“ führender Persönlichkeiten Bayerns gegen den das Deutschtum und das Christentum verletzenden Antisemitismus. Nach einem mutigen und opferv’ollen Ringen ohnegleichen, heißt es in dem „Mahnwort“, erlebte unser deutsches Volk einjn jähen Sturz in die Tiefe politischer Ohnmacht und wirtschaftlicher Not. Die Unbegreiflichkeit solch schweren Geschicks trieb viele von denen, die teils verzweifelt, teils mit jungstürmendem Mut gegen die Not des Vaterlandes wie gegen die eigene ankämpfen wollten, in die Arme falscher Propheten, die den Juden als den Schuldigen .an allem Unglück bezeichneten und einen Kampf gegen das Judentum als dem „Befreiungskampf“ organisierten. Solcher Judenhaß birgt schwere Gefahren in sich und ist eines Kulturvolkes vom Range des deutschen unwürdig. Wer sein Vaterland liebt, wird sich davon fernhalten, die Zwietracht im Innern zu vertiefen und das Ansehen des deutschen Namens unter den Nationen herabzuwürdigen. Ein Christ muß an Stelle liebloser Unduldsamkeit und gehässiger Ungerechtigkeit das Gebot christlicher Nächstenliebe setzen. Wer Anspruch auf Bildung erhebt, muß sich freihalten von Unwahrhaftigkeit, Selbstgefälligkeit, vor Überschätzung der eigenen Art und Unverständnis gegenüber den anderen. Wer menschlich denkt, wird die Herzlosigkeit der Zurücksetzung und Anfeindung, der schon das jüdische Kind ausgesetzt ist, nicht mitmachen wollen. Wir fühlen uns —■ schließt das „Mahnwort“ — gerade als Deutsche und Christen im Gewissen verpflichtet, unsere Mitbürger zu ernster Besinnlichkeit gegenüber dem zügellosen Judenhaß zu ermahnen und sie eindringlich hinzuweisen auf die Pflicht zur Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit, zu religiöser und sozialer Ethik, mit der die Betätigung des Judenhasses unvereinbar ist. Unterschrieben ist das „Mahnwort“ vom Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags und früheren Minister Erhard Auer. Prof. Benno Becker, Botschafter a. D. Johann-Heinrich von Bernstorff, Schriftsteller Waldemar Bonseis, Augsburger Oberbürgermeister Deutschenbaur, Direktor des Münchener Schauspielhauses Otto Falckenberg, dem Nürnberger Pfarrer Geyer, dem Schriftsteller Dr. Max Halbe, dem Münchener Pfarrer Dr. Heisler, Prof. Dr. Georg Hohmann, Präsident der Reichsbahndirektion München Käß, Schriftstellerin Dr. h. c. Isolde Kurz, Augsburger Stadtpfarrer Lindenmayr, Würzburger Oberbürgermeister Dr. Löffler, Prof. Dr. Walter Lotz, dem Dichter und Nobelpreisträger Thomas Mann, dem Herausgeber der „Allg. Rundschau“ Dr. Moenius, Senatspräsi- Der neue Katalog kostenlos dent am Oberst-Landesgericht Dr. Ernst Müller, Akademieprofessor Geheimrat Albert Niemeyer, Dr. Anton Graf von Pestalozza, Prof. Emil Preetorius, Prof. Dr. Joseph Popp, Oberstudiendirektor Dr. Reitinger, Prof. Dr. Adolf Weber, Bamberger Oberbürgermeister Weegmann, Oberstudiendirektor Dr. Weiß und zahlreichen anderen in Politik, Wissenschaft, Literatur und Wirtschaft führenden bayerischen christlichen Persönlichkeiten. Auf eine Umfrage gingen zahlreiche, den Antisemitismus verurteilende Antworten ein, die im letzten Heft der „Abwehrblätter“ publiziert sind. * * * * Im Zusammenhang mit seiner nach München einberufenen 40. Jahrestagung veranstaltete der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus“ am Montag, 2. Juni, im Bayerischen Hof einen Vortragsabend vor geladenen Gästen. An Stelle des am Erscheinen verhinderten 1. Vorsitzenden, Minister a. D. Dr. Gothein, leitete Univ.-Prof. Dr. Baumgarten (Kiel) den Abend ein; darauf hielt Geheimrat Prof. Leo Frobenius, der bekannte Kulturforscher, ein Referat über den Konflikt der Kulturstile, in dem er den gegenwärtigen Zustand des Deutschen Reiches untersuchte, die noch keineswegs abgeschlossene Strukturwandlung aufzeigte, die es mit der ganzen Welt in besonderem Maße ergriffen hat und in dem er auch die Rolle und die Bedeutung der Juden, so wie sie selbst sie empfinden und wie sie von der Allgemeinheit empfunden wird, charakterisierte. Seine offenherzigen Darlegungen liefen darauf hinaus, daß jedes Land die Juden habe, die es verdiene und daß die deutschen Juden besser seien als es den deutschen Zuständen entsprechen müßte. Der nächste Redner, Pater Augustin J. Arand, zeigte in seinen Ausführungen über „Religion und Judenhaß“, daß die Kirche aus dogmatischen Gründen gegen den Judenhaß, überhaupt für konfessionellen Frieden sein müsse; auch hätten sich die Führer der Kirche stets gegen die Verhetzung ausgesprochen. Arand gab vor allem auch seiner Empörung über die zahlreichen Friedhofs- und Synagogenschändungen Ausdruck. Dr. R. Horlacher, der Geschäftsführer des Ver- .Sperthaus 5dtu&ttr ä JJIümlicv» 2 C 7, Xoaettsti oö&e 6 ’as at-esee u.