Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 22 (30.5.1930)
- Date
- 1930-05-30
- Page
- Seite 311 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 311 Das bayerische Schlachtviehbetäubungsgesetz verkündet In der letzten Nummer des Gesetz- und Verordnungsblattes (Nr. 15) ist das vom Landtag beschlossene Gesetz über das Schlachten von Tieren mit Wirkung vom 1. Oktober 1930 verkündet. Gleichzeitig gibt das Innenministerium die Ausführungsbestimmungen bekannt, in denen es heißt: Unter Schlachten ist jede Tötung eines Tieres zu verstehen, bei der eine Blutentziehung stattfindet. Mit der Blutentziehung darf erst nach vorausgegangener vollständiger Betäubung begonnen werden. Infolgedessen darf auch der Halsschnitt für das rituelle Schlachten erst dann vorgenommen werden, wenn das Schlachttier vor dem Schächtschnitt vollständig betäubt ist. Die Tiere dürfen erst dann in den Schlachtraum gebracht werden, wenn alle Vorbereitungen zur sofortigen Abschlachtung getroffen sind; auch dürfen die Tiere erst unmittelbar vor der Betäubung gefesselt werden. In Schlachtbetrieben, in denen jährlich mindestens 100 Großtiere oder 200 Kleintiere geschlachtet werden, darf nur mit besonderen (mechanischen) Apparaten betäubt werden. Bei den übrigen Schlachtungen ist der Kopfschlag bis auf weiteres noch gestattet. Aus der Jüdischen Welt Einweihung des Landesheims des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden Würzburg, 19. Mai 1930. Gestern fand hier die Einweihungsfeier des Erweiterungsbaues des vom Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden zur Aufnahme jüdischer Pfründner errichteten Landesheimes statt. Der vom Architektei Erhärt entworfene, unter Führung des verstorbenen Kommerzienrats Hermann Rosenthal errichtete Neubau bietet etwa dreißig Plätze; das Gebäude steht an der Westseite des Gartens des Israelitischen Krankenhauses. Sie Begrüßungsansprache bei der Einweihungsfeier, zu der Vertreter vieler Organisationen erschienen waren, hielt Herr Hermann Buxbaum; weiter sprachen Herr Rabbiner Dr. Hanover, Herr OberstLGR. Dr. A. Neumeyer, Herr Geh. R. Prof. Dr. Silberschmidt, Stadtrat Hauck und Justizrat Dr. Haas. An die Eröffnungsfeier schloß sich unter Führung von Herrn Sigmund Seltigsberger ein Rundgang an, der Gelegenheit bot, die zweckmäßige Einrichtung des Hauses kennenzulernen. Friedhofsschändung in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M-, 22. Mai. (JTA.) Auf dem Friedhof der Israelitischen Gemeinde an der Rat- Beil-Straße wurden am Sonntag nachmittag fünf in der Nähe der Mauer gelegene Grabsteine umgerissen und ein Stück des Friedhofs in brutaler Weise demoliert und verunreinigt. Den sofort angestellten Ermittlungen ist es gelungen, als Täter mehrere Schulknaben festzustellen, deren Bestrafung somit in die Wege geleitet werden kann. Die Täter sind unter Zuhilfenahme von aufgeschichteten Pflastersteinen über die Mauer gestiegen. Synagogenschändung in Sensburg Sensburg, 21. Mai. (JTA.) Bisher unerkannt gebliebene Täter haben in der Nacht zum 13. Mai in der Synagoge zu Sensburg Verwüstungen angerichtet. Die Täter stießen ein Fenster des Synagogengebäudes ein und stiegen durch dieses in den Betraum. Dort rissen sie die Altardecke und ein Betpult herunter und warfen die silbernen Leuchter zu Boden. Schließlich verunreinigten sie noch den Altar. Man zweifelt nicht daran, daß die Täter in völkischen Kreisen zu suchen sind, da in Sensburg die nationalsozialistische Bewegung in letzter Zeit stark zugenommen hat. Die Staatsanwaltschaft hat einen Kriminalbeamten aus Allenstein zur Aufklärung der Angelegenheit entsandt. Direktor Hugo Ostberg gestorben Berlin, 22. Mai. (JTA.) Nach längerer Krankheit verstarb heute in Berlin im Alter von 48 Jahren Direktor Hugo Ostberg, einer der Führer des liberalen Judentums in Deutschland. Der Verstorbene nahm im jüdischen Leben Deutschlands eine große Position ein. Aus der liberalen Bewegung hervorgegangen, gründete er vor dem Kriege in Berlin den jüdisch-liberalen Jugendverein mit. In den letzten Jahren gehörte er dem Arbeitsausschuß der Vereinigung für das liberale Judentum, sowie dem Vorstand des liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin an. Auch war er Mitglied der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde und der Reformgemeinde, ebenso des Engeren Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Er war Mitglied des Hauptvorstandes des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, wo er dem radikalen antizionistischen Flügel angehörte. Er war Präsident der Spinoza- Loge des U-O.B.B. In den letzten Monaten trat er durch die Gründung des Aktionsausschusses deutscher Juden, der die bekannten Aufrufe gegen Zionismus und Jewish Agency erlassen hatte, hervor. Religionsbeschimpfungen im Strafrechtsausschuß Berlin, 27. Mai. Im Strafrechts-Ausschuß des Reichstags wurden die neuen Strafvorschriften über Störungen des religiösen Friedens in folgender Fassung verabschiedet: „Wer öffentlich im Reich bestehende Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts in gemeiner Weise beschimpft, wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafen bestraft. Die Tat wird nur auf Verlangen der beteiligten Religionsgesellschaften verfolgt.“ Die thüringische Regierung lehnt die Zurückziehung der Haßgebete ab Berlin, 26. Mai. (JTA.) Die thüringische Regierung hat heute beschlossen, von einer Zurückziehung der „Schulgebets-Verordnung“, die vom Reichsinnenminister Dr. Wirth gefordert wurde, abzusehen. Thüringen überläßt es dem Reichsinnenminister, in dieser Angelegenheit die Entscheidung des Staatsgerichtshofes anzurufen. Universität Jena gegen Dr- Günther Wie der Rektor der Universität Jena mitteilt, haben Rketor und Senat gegen die Berufung des Schriftstellers Dr. Günther zum ordentlichen Professor an der Universität Jena einstimmig Protest eingelegt, da das in der Universitätssatzung verbriefte alte Recht der Universität, bei der Berufung auf die Lehrstühle durch ihre Vorschläge sachkundig mitzuwirken, im vorliegenden Falle durchbrochen worden ist.