Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 22 (30.5.1930)
- Date
- 1930-05-30
- Page
- Seite 312 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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312 Das Jüdische Echo Nr. 22 Folgen der antisemitischen Hetze in Rumänien Ein Bauer ermordet einen Juden, um Cuza zu gefallen Bukarest, 22. Mai. ((JTA.) In der Gemeinde Nina, Bezirk Somesch, hat sich — wie aus Cluj {Klausenburg) telegraphiert wird —, ein furchtbares Verbrechen ereignet, das auf antisemitische Verhetzung durch Professor Cuza zurückzuführen ist. Der Bauer Jan Sata kam in die Wohnung des Juden Hermann Eger und stieß ihm, ohne ein Wort zu sagen, einen Dolch bis an das Heft in die Brust. Eger starb an den Folgen der tödlichen Verletzung. Jan Sata wurde verhaftet. Bei der Einvernahme durch den Untersuchungsrichter erklärte Sata, er habe dieses Verbrechen begangen, um Herrn Professor Cuza, den er sehr verehre und der zur Ausrottung aller Juden aufgefordert habe, einen Gefallen zu tun. Vor dem Wiedereintritt der Brandeis-Gruppe in die Zionistische Organisation Washington, 25. Mai. (JTA.) Das Administrative Committee der Zionistischen Organisation Amerikas hat bekanntlich ein aus Dr. James Heller, Rabbi Israel Goldberg, Dr. Nathan Ratnoff und David Freiberger bestehendes Komitee beauftragt, mit Oberstrichter Louis D. Brandeis, der nach dem Kriege mit einer Gruppe führender Zionisten aus der offiziellen Zionistischen Organisation ausgetreten ist und eine eigene Palästina- Arbeitsgruppe gebildet hat, Verhandlungen über den Wiedereintritt Brandeis’ und seiner Freunde in die offizielle Organisation anzuknüpfen. Das Komitee ‘ist nun zum zweitenmal mit Brandeis zusammengetroffen. In Verfolg dieser Versprechungen haben Oberstrichter Louis D. Brandeis, Richter Julian W. Mack, Jacob de Haas und Robert Szold ein Statement unterzeichnet, in welchem die völlige Reorganisation der Zionistischen Organisation Amerikas als Bedingung ihres Wiedereintritts in dieselbe gefordert wird. In dem Statement wird ein Interimsregime bis Ende dieses Jahres gefordert; die im Juni stattfindende Konvention der amerikanischen Zionisten soll eine Leitung aus neutralen Persönlichkeiten, unter Ausschluß der jetzigen Exekutive wie der Brandeis- Gruppe, wählen. In dem Statement wird Nachdruck darauf gelegt, daß die Brandeis-Gruppe keinerlei Propaganda betreiben wird, um die Annahme ihres Vorschlages durch die Konvention zu sichern. Leichtes Erdbeben in Palästina Jerusalem, 21. Mai. (JTA.) Heute, Mittwoch, den 21. Mai, 1.05 Uhr nachmittags, wurde in Jerusalem wie in Nablus ein leichtes Erdbeben verspürt, das im Hinblick auf das frühere katastrophale Beben einige Beunruhigung hervorrief, aber keinerlei Schaden verursachte. Neue Kolonien in Palästina Jerusalem, 22. Mai. (JTA.) In der Nähe der Kolonie Neß Ziona wurde unter dem Namen „Beth Owed“ eine Arbeiter-Kleinpächtersiedlung begründet. Der Jüdische Nationalfonds (Keren Kajemeth) hat jedem Siedler je 7 Dunam Boden zur Verfügung gestellt. Bisher haben sich 20 Arbeiterfamilien auf dem Boden des Keren Kajemeth angesiedelt. Neuyork, 22. Mai. (JTA.) Die Zionistische Organisation von Texas hat in ihrer soeben abgehaltenen Konferenz beschlossen, die Summe von 100 000 Dollar zur Gründung einer Kolonie in Pa-« lästina bereitzustellen. Es soll sofort ein Bodenareal von 5000 Acker an Palästina für die zu gründende Kolonie erworben werden. Der Vizepräsident der Zionistischen Organisation von Texas, Charles Bender, begibt sich nach Palästina, um die notwendigen Vorbereitungen zur Gründung der Kolonie zu treffen. Wiederum Heuschreckengefahr in Palästina Jerusalem, 22. Mai. (JTA.) Palästina ist wiederum von einer Heuschreckeninvasion heimgesucht. Riesenschwärme erscheinen in verschiedenen Teilen des Landes. Es werden Notmaßnahmen zur Bekämpfung der Heuschreckenplage ergriffen. Ein mit einem Funkapparat ausgerüstetes Polizeiauto fährt im Lande herum und berichtet über die Bewegung der Heuschrecken; dadurch wird es möglich, die mit der Abwehr beschäftigten Arbeiter schnell an die gefährdeten Stellen zu bringen. Gemeinden-u.Vereins-Echo Die Jubiläumsfeier des Israelitischen Frauenvereins Eine große und festliche Versammlung beging am 22. Mai im Cherubinsaal mit dem Israelitischen Frauenverein das Fest seines hundertjährigen Bestehens. Den Beginn bildete das Beethovensche Andante favori in f-dur (am Flügel: Dr. Kurt Bettsack); darauf begrüßte die erste Vorsitzende des Vereins, Frau Dr. Jenny Baerwald, mit den Gästen die Vertreter zahlreicher Korporationen und Organisationen — der Stadtrat München hätte sich durch Frau Stadträtin Stiegler vertreten lassen —, sie umriß in ihrer Ansprache Eigenart und Arbeitsweise des Vereins, erinnerte an die verdienten früheren Vorsitzenden, Frau Johanna Kohn-Billmann und Frau Rosa Werner, in deren aufopferungsfreudigem Geist der Verein Weiterarbeiten wolle. Für die Israelitische Kultusgemeinde München und den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden überbrachte in herzlichen, von persönlichen Erinnerungen getragenen Ausführungen Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer Dank und Glückwünsche und machte die Mitteilung von einer Spende der Münchener Gemeindekollegien in Höhe von 1000 RM., die dem Verein für seine Erholungsfürsorge zur Verfügung gestellt wird. Im Namen des Stadtbundes Münchener Frauenvereine beglückwünschte dessen Vorsitzende, Frl. Amalie Nacken den Mitgliedsverein, für die Münchener jüdischen Frauenorganisationen sprach Frau Recha Stark, die eine von Kunstmaler Mandl ausgeführte Glückwunschadresse mit anerkennenden Worten übergab; endlich beschloß die Reihe der Gratulanten Herr J.-R. Leo Oppenheimer als Vertreter der Chewra Kadischa und der israelitischen Krankenfürsorge und im eigenen Namen. Einen „literarischen Spiegel“ überbrachte als Festgeschenk Herr Rabbiner Dr. Leo Baerwald mit seinem Vortrag: „Die Frau in der jüdischen Spruchdichtung — die Frau von heute-“ Nicht die Frauengestalten der Bibel wollte er zeigen, die zu. groß, unserem Wesen zu sehr entrückt seien; aus seiner Zusammenstellung von Sprüchen aus den Sprüchen Salomos, des Jehoschuah von Sirach und des Talmuds ergab sich ein anziehendes Mosaik, ein Bild der jüdischen Frau und vergangener Zeiten mit all ihren guten, auch manchen Weniger guten Eigenschaften. Wie unter den ganz anders gelagerten Verhältnissen der Moderne, die auch die jüdische Frau vielfältigen neuen Problemen gegenüberstellt, der alte Geist bewahrt werden müsse und könne, stellte der zweite Teil des mit großem Beifall aufgenommenen Vortrags dar.