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Das jüdische Echo · 1930-05-30 · 22 (30.5.1930) · p. Seite 309

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
22 (30.5.1930)
Date
1930-05-30
Page
Seite 309 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 209 betreffenden Böden in jüdische Hand zu verhindern. Und endlich scheint es, als wenn für den besten Boden Palästinas, den für Orangenzucht geeigneten bewässerbaren Boden der Küste sich Interessenten in Ägypten finden, deren Motive rein wirtschaftlicher Art sind. Wenn so ein kurzer Blick auf die Lage des Bodenmarktes beweist, wie sehr wir daran interessiert sein müssen, in kürzester Zeit möglichst viel Boden in unsere Hand zu bekommen, so gilt auch dasselbe vom kolonisatorischen Standpunkt. Die Konsolidierung unserer Siedlungen wird, wie wir hoffen, in kürzester Zeit beendet sein; die jetzt beschlossene Neuansiedlung von tausend Arbeiterfamilien wird über den größten Teil der noch freien Keren-Kajemeth-Böden verfügen und für die große neue Kolonisationstätigkeit, die, nach unser aller Willen, unter den Auspizien der erweiterten Jewish Agency baldigst eingeleitet werden soll, muß Boden erworben und vorbereitet werden. Die einzige unserer Sache würdige Antwort auf Überfälle und feindliche Maßnahmen liegt in verstärkter Aufbautätigkeit in Palästina. Für sie muß der Keren Kajemeth die Möglichkeiten schaffen. Die Bodenkäufe der nächsten Monate müssen die neue große Kolonisation der folgenden Jahre vorbereiten. Das also ist der große Gedanke, mit dem der Keren Kajemeth in diesem Augenblick vor das jüdische Volk tritt: Einen Betrag von 100 000 Pfund aufzubringen, um mit ihm ein mit dem palästinensischen Boden unlösbar verknüpftes Werk zu schaffen, das das einzige Balfours würdige Denkmal sein wird und das zugleich der Welt zeigen wird, daß unser Volk allen Anfeindungen zum Trotz den begonnenen Aufbau seiner Heimstätte in Palästina fortsetzen wird und daß jeder Angriff auf unsere Sache nur den Opfermut des Volkes erhöhen wird, mit dessen Hilfe Erez Israel eine Wirklichkeit werden wird. L.S. flmery über England und Palästina Eine bedeutungsvolle Ansprache des früheren Kolonialministers Berlin, 21. Mai. (JTA.) Das Deutsche Komitee Pro Palästina veranstaltete am Montag, dem 19. Mai im Hotel „Der Kaiserhof“ zu Ehren des zur Teilnahme an dem Paneuropa Kongreß in Berlin eingetroffenen früheren englischen Kolonialminister L. S. Amery, einen Empfang, dem eine Anzahl führender Persönlichkeiten beiwohnten. Den Vorsitz bei der Veranstaltung hatte Herr Professor Dr. M. Sobernheim, Mitglied des Präsidiums des Pro Palästina-Komitees, inne, der Mr. Amery und die Gäste in einer Ansprache begrüßte. Unter großer Spannung der Anwesenden ergriff nun Herr L. S. Amery das Wort zu der folgenden Ansprache: Ich weiß, daß seit den Unruhen in Palästina und seit dem Bericht der Shaw-Kommission eine gewisse Furcht in der ganzen jüdischen Welt zutage getreten ist, daß wir von unserer Politik abweichen werden. Davon kann keine Rede sein. Wir sind nicht gewohnt, unser Wort zu brechen. Das Wort Englands ist durch die Balfour-Deklaration an die Welt und besonders an das Judentum gegeben worden und dieses Versprechen haben wir gegenüber ganz Europa in Genf wiederholt, als wir das Mandat übernahmen. Es kann also gar keine Rede davon sein, daß wir von dieser Sache zurücktreten. Jede britische Regierung seit dem Krieg hat die Politik in dieser Frage unverändert weitergeführt. Führer aller drei Parteien sind aktive und tief überzeugte Anhänger dieser Politik. Wir glauben, daß in der Idee des jüdischen Nationalheims etwas liegt, was nicht nur für das Judentum ein sentimentales und kulturelles Interesse hat, sondern auch etwas, was für den ganzen nahen Orient bedeutungsvoll sein kann. Wir glauben, daß durch das jüdische Nationalheim in Palästina ein Kern und Keim moderner Entwicklung, des westlichen Geistes, sich in diesem ganzen Weltteil zu entfalten und erweitern wird. Ein Weltteil, der geschichtlich von unermeßlicher Bedeutung ist, aus dem die drei größten Religonen der Welt entsprungen sind, die alte Heimat großer Zivilisationen, die noch leben und wirken. Wenn man von den wunderbaren Funden in Ur hört und bedenkt, daß diese Kunstwerke 1800 Jahre begraben lagen, ehe der junge Abraham in den Straßen von Ur herumging, so bekommt man einen Begriff davon, was _ dieser kleine Erdstrich von Mesopotamien bis Ägypten für die Zivilisation bedeutet. Von diesem Standpunkt aus ist auch mein eigenes persönliches Interesse an dieser Sache begründet. Meine erste Berührung mit der Frage kam freilich von einer anderen Seite. Als ich im Krieg die Fragen des Nahen Orients vom militärischen Standpunkt aus betrachten mußte, war ich interessiert daran, daß wegen des Schutzes des Suezkanals Palästina nicht unter andere Herrschaft käme. Der nächste Schritt war die Überlegung, daß wenn wir Interesse an Palästina haben, das Land auch Fortschritte machen soll, und wer sonst könnte diese Fortschritte bewirken, wenn nicht die Juden, die tiefes historisches Interesse mit dem Land verbindet? Aber von diesem ersten Standpunkt bin ich sehr bald zu der weiteren Entwicklung gekommen, die ich schon oben angedeutet habe, nämlich zu der Erkenntnis, der Bedeutung des Fortschritts Palästinas für den ganzen Orient. Die Hauptsache, die ich in der jetzigen Situation zu sagen habe, ist, daß Sie keine Änderung in der Richtung der englischen Politik zu befürchten haben. Was den Bericht der Shaw Kommission betrifft, wäre es vielleicht besser gewesen, wenn sie sich etwas enger an ihre Kompetenz gehalten hätte. Denn die direkte Ursache der Unruhen war eine sehr einfache. Wir hatten aus ökonomischen Gründen die Polizei im Lande zu stark vermindert, und besonders den englischen Teil der Polizei, und in einem Lande, wo Rassenfragen aus kleinen Konflikten sich schnell auszudehnen pflegen, war es unvorsichtig, den englischen Kern der Polizei zu vermindern. Ich sage das ganz offen, denn eigentlich bin ich gewissermaßen der Schuldige; es war unter meiner Verantwortung und mit meiner Genehmigung, daß dies geschehen ist, in einer Zeit, wo jedes Pfund wichtig war für die ökonomische Entwicklung des Landes, da wir eine schwere ökonomische Krise durchmachten. Ich glaube, daß der Bericht eine etwas irreführende Perspektive der ganzen Situation gibt, eben weil er ein Bericht ist, der nach den Unruhen gemacht wurde, und unter der Atmosphäre all der gegenseitigen Anklagen der verschiedenen Zeugen vor der Kom-

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