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Das jüdische Echo · 1930-05-30 · 22 (30.5.1930) · p. Seite 306

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
22 (30.5.1930)
Date
1930-05-30
Page
Seite 306 (sequence 4)
Language
German
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306 Das Jüdische Echo Nr. 22 sie schon überschritten ist? Wir haben nicht die Macht, mit Gewalt das uns zugefügte Unrecht zu verhindern und wir müssen uns daher damit begnügen, zu protestieren, wenn dem vielen Unrecht, das wir Juden in unserer Geschichte zu erdulden hatten, neues unerhörtes Unrecht hinzugefügt wird; vor dreiunddreißig Jahren hat uns Theodor Herzl die Tribüne geschaffen, von der aus es gelungen ist, die Juden zu sammeln und die Welt für das Judenschicksal zu interessieren — der Kongreß wird auch dieses Mal für das jüdische Volk die Worte finden müssen, die das Ohr der Welt erreichen und er muß die Kraft beweisen, das jüdische Geschick zu gestalten. I. E. Die Resolution des Landesvorstandes der Z.V.f.D. dem britischen Botschafter überreicht Berlin, 26. Mai (JTA.) Der Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat dem britischen Botschafter in Berlin mit der Bitte um Weiterleitung an die englische Regierung eine Resolution überreicht, in der Protest erhoben wird gegen die Suspendierung der von der Palästinaregierung für das Halbjahr April-September 1930 bestätigten Einwanderungszertifikate, die nach sorgfältiger Prüfung der Wirtschaftslage durch die Palästinaregierung erteilt worden waren. Der Landesvorstand erblickt, wie er in der Resolution mitteilt, in der Suspendierung der Zertifikate „einen politischen Vorgang, der in unvereinbarem Gegensatz zu den der Regierung aus dem Mandat erwachsenden Verpflichtungen hinsichtlich der Förderung der jüdischen Einwanderung nach Palästina steht und Anlaß zu ernsten Besorgnissen für die Wahrung dieser lebenswichtigen Grundlage des jüdischen Aufbauwerkes gibt!“ Ähnliche Protestresolutionen wurden von allen größeren zionistischen Organisationen angenommen und den englischen Vertretern zur Kenntnis gebracht. Die Suspendierung der Chaluz-Einwanderung vor dem Unterhaus — Erklärungen von Sir Drumond Shiels London, 22. Mai. (JTA.) In Erwiderung auf Fragen von Sir Robert Hamilton und Herrn Marcus, betreffend die Suspendierung der neuen Einwanderer-Schedule für Palästina, erklärte Dr. Drummond Shiels, der Unterstaatssekretär für die Kolonien, im Unterhaus; Die Lage ist die, daß die Positionen, die die neuen Einwanderer hätten einnehmen sollen, zeitbedingt waren, wie z. B. Wegebau und ähnliches. Wir haben versucht, in der Durchführung der im Weißbuch von 1922 niedergelegten Politik nur Einwanderer nach Palästina kommen zu lassen, die das Land wirtschaftlich absorbieren kann. Im Zusammenhang mit den Unruhen wurde eine Kommission eingesetzt. Diese Kommission kritisierte nicht das Ziel unserer Einwanderungspolitik, sondern die Art, in der diese durchgeführt wird, und sie machte den Vorschlag, daß ein Experte zur Prüfung der Bodenfrage entsandt werde. Ein solcher Experte ist nun entsandt worden, und es erscheint uns nur als eine Maßnahme gewöhnlicher Überlegung, daß inzwischen die Einwanderung eingeschränkt wird; man würde uns sonst den Vorwurf machen können, daß wir die Fehler, die wir nach der Ansicht der Kommission in der Vergangenheit gemacht haben, jetzt wiederholen. Sir Archibald Sinclair stellte nun die folgenden Fragen: Wenn die wirtschaftliche Kapazität Palästinas nicht eine solche war, daß das Land 3300 neue Einwanderer absorbieren kann, warum hat dann der High Commissioner die Zertifikate gewährt? Wenn anderseits Palästina wirtschaftlich fähig ist, 3300 neue Einwanderer zu absorbieren, und wenn die Regierung diese Einwanderer dauernd daran hindert, ins Land zu kommen, verstößt dies nicht gegen die Bestimmungen des Mandats? Dr. Drummond Shiels erwiderte: Eine allgemeine Einstellung oder ein Verbot der Einwanderung hat nicht stattgefunden. Der Staatssekretär für die Kolonien weiß es, daß der High Commissioner infolge eines Mißverständnisses eine Schedule über 3300 Personen im Mai für das mit 30. September d. J. endende Halbjahr bewilligt hat. Diese Schedule schloß 950 Personen ein; deren Zulassung schon vorher' sanktioniert worden war. Die Regierung Seiner Majestät hat den Standpunkt eingenommen, daß im Hinblick auf die im Bericht der Shaw-Kommission gemachten kritischen Feststellungen und mit Rücksicht auf die darauffolgende Mission Sir John Hope Simpsons, die in Palästina die Fragen des Bodens und der Einwanderung studieren soll, es als erwünscht erscheint, daß bis zum Erhalt des Berichtes von Sir John Hope Simpson die weitere Einwanderung beschränkt bleiben soll. Demgemäß wurde beschlossen, die Ausgabe von Zertifikaten vorläufig auf die erwähnten 950 Personen zu beschränken. Es wurden keine Zertifikate für ungültig erklärt, noch wurde ein endgültiger Beschluß für die die Zeit bis 30. September 1930 betreffende Arbeiter-Schedule gefaßt. Auf eine Frage Sir Robert Hamiltons, wie viele Personen durch die Suspendierung der Arbeiter- Schedule betroffen werden, erwiderte Dr. Shiels: Ich glaube, daß etwa 2000 Personen hiervon betroffen sein werden; aber es ist kein Grund anzunehmen, daß sie endgültig durch diese Maßnahme betroffen sein sollten. Ein Artikel des „Manchester Guardian“ London, 23. Mai (JTA.) Der Londoner Korrespondent des „Manchester Guardian“ schreibt: Bereits bewilligte Einwanderungszertifikate sind zurückgezogen, der Bodenverkauf an jüdische Siedler ist unterbunden worden, bis zu der Zeit, in der Sir John Hope Simpson seinen Bericht erstattet haben wird. Die neue Krisis trifft das Prestige von Dr. Weizmann schwer. Dr. Weizmann hat alles auf seine Loyalität gegenüber der englischen Regierung gesetzt, auf Hunderten von Rednertribünen hat er sie mit großem Risiko für sich kraftvoll gegen die Revisionisten verteidigt. Seine Position wird nun rapide unhaltbar, ich hörte sogar Andeutungen über seinen bevorstehenden Rücktritt von der Leitung der Zionistischen Organisation. Ich hoffe, daß sich dieses Gerücht als falsch erweisen wird, aber es scheint nicht ohne Grundlage zu sein. Es ist schwer, sich die Zionistische Organisation ohne Dr. Weizmann an ihrer Spitze vorzustellen, denn die ganze Bewegung in ihrer heutigen Form ist seine Schöpfung. Unter jedem anderen Führer würde diese internationale Organisation England gegenüber weit weniger freundlich sein. „Manchester Guardian“ fügt dieser Mitteilung den folgenden Kommentar hinzu: Kaum ist der Irland-Krebs in unseren internationalen Beziehungen geheilt, so hat Mac Donalds Unentschlossenheit eine noch schlimmere Krisis, in den Beziehungen zur Judenheit, heraufbeschworen.

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