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Das jüdische Echo · 1930-05-23 · 21 (23.5.1930) · p. Seite 297

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
21 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
Seite 297 (sequence 12)
Language
German
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Nr. 2! Das Jüdische Echo 297 Arbeit in Deutschland ergebende Aufgaben gewidmet. Die Debatte wurde eingeleitet durch die Herren Weltsch, Wolfsberg und Kanowitz. An der Aussprache beteiligten sich die Herren Halpern, Bileski, Lichtheim, Goldmann, Landauer, Weltsch. Es wurden verschiedene Beschlüsse gefaßt. Der Landesvorstand nahm eine Resolution an, in der nachdrücklichst gegen die Suspendierung der von der Palästina-Regierung gewährten Zertifikate für das Halbjahr April/September 1930 protestiert wurde. (Der Wortlaut der Resolution wird noch bekanntgegeben werden.) Es wurde ferner beschlossen, die politische Aussprache in der nächsten Sitzung des Landesvorstandes, die nicht später als Ende Juni stattfinden soll, fortzusetzen. Paula Ollendorff 70 Jahre Breslau, 18. Mai. (JTA.) Am Sonntag, dem 18. Mai 1930, vollendete Frau Paula Ollendorff in Breslau, die bekannte Führerin der jüdischen Frauenbewegung und der jüdischen sozialen Fürsorge, ihr 70. Lebensjahr. Frau Ollendorf gehört zu den Gründern des Breslauer Israelitischen Mädchen-Heims, des Kleinkinderheims, des Jüdischen Frauenbundes in Breslau und des Flinsberger Kinderlandheims., Nach Einführung des Frauenwahlrechts in der Breslauer Gemeinde wurde sie auf der Liste des liberalen Judentums in die Repräsentanz gewählt und kurze Zeit darauf in den Vorstand der Gemeinde berufen, dem sie noch heute als einziges weibliches Mitglied angehört. Seit der Begründung des Jüdischen Frauenbundes in Deutschland gehört sie dessen Hauptvorstand an, seit vielen Jahren als dessen zweite Vorsitzende. An der Begründung des Weltverbandes jüdischer Frauen hat sie leöhaften Anteil genommen und gehört dessen Präsidium an. Sie steht an der Spitze des Wohlfahrtsamtes der Breslauer Jüdischen Gemeinde. Im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden ist sie ein führendes Mitglied des Wohlfahrtsausschusses. Sie ist auch in der allgemeinen interkonfessionellen Arbeit führend tätig, so in der Volkshochschule, in der Gefährdetenfürsorge, in der Gefangenenfürsorge, in der Fürsorge für die Insassen der Heil- und Pflegeanstalten, in kommunalen und politischen Angelegenheiten innerhalb der demokratischen Partei, die sie ein Jahrzehnt hindurch als Stadtverordnete vertrat. Abermalige Verurteilung Münchmeyers Magdeburg, 16. Mai. (JTA.) Der Antisemit Münchmeyer, ehemals Pfarrer auf Borkum, wurde vom Magdeburger Gericht wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz in zwei Fällen in Tateinheit mit öffentlicher Beleidigung der jüdischen Religionsgemeinschaft zu einer Geldstrafe von 1500 RM., an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von drei Monaten, verurteilt. Während der Verhandlung terrorisierte Münchmeyer das Gericht und die Zeugen. Die Wahlen zum Delegiertentag der österreichischen Zionisten Wien, 15. Mai. (JTA.) Die am 13. Mai stattgefundenen Wahlen des Kreises Wien zum Delegiertentag der österreichischen Zionisten hatten folgendes Ergebnis: 1. Allgemeine Zionisten (Listenführer Dr. Jakob Ehrlich) 1524 Stimmen; 2. Demokratische (radikale) Zionisten (Listenführer Robert Stricker) 864; 3. Revisionisten (Listenführer Dr. Karl Pollak) 317; 4. Hitachduth (Listenführer Dr. Gebhard) 256 Stimmen. Von den 60 Wiener Mandaten entfallen auf die Allgemeinen Zionisten 31, auf Hitachduth 5, aüf die Liste Stricker 18, und auf die Revisionisten 6 Mandate. Die WahlresultaSte in der österreichischen Provinz sind noch nicht bekannt. Das Palästinaproblem vor dem Völkerbundsrat Eine Erklärung Hendersons Genf, 15. Mai. (JTA.) In der öffentlichen Sitzung des Völkerbundsrates am 15. Mai, gab der Minister des Auswärtigen Großbritanniens eine Erklärung über die Palästinapolitik der englischen Regierung ab. Er sagte einleitend, daß im Verlauf der Behandlung des Berichtes der britischen Palästinauntersuchungskommission durch die Mandatskommission des Völkerbundes in ihrer nächsten Tagung der britische Bevollmächtigte ein ausführliches Statement abgeben wird, heute wolle er nur manches aus dieser Erklärung antizipieren. Die erste Aufgabe in Palästina sieht die Regierung in der Aufrechterhaltung der Ordnung. Sie hat darum die englischen Militärstreitkräfte in Palästina verstärkt und befaßt sich gegenwärtig mit dem Studium der Frage des Unterhaltes einer ständigen Garnison im Lande. Bis zur Beschlußfassung über diese Frage wird eine Reduktion der in Palästina gegenwärtig vorhandenen Militärstreitkräfte nicht vorgenommen werden. Der Polizeisachverständige Dowbiggin wurde mit der Ausarbeitung eines Vorschlages bezüglich Reorganisation und Reform der Palästinapolizei betraut; sein Bericht liegt noch nicht fertig vor, manche seiner provisorischen Vorschläge bezüglich der Verbesserung des Polizeischutzes werden schon heute durchgeführt. Die rein britische Polizeiabteilung wurde um 400 Mann erhöht, weitere 79 werden hinzukommen. Die britische Regierung, fuhr Henderson fort, ist sich der Bedeutung der Probleme des Bodens und der Einwanderung in Palästina, auf die in dem Bericht der Shaw-Kommission hingewiesen wird, bewußt; sie entsandte Sir John Hope Simpson nach Palästina, um speziell diese Probleme zu studieren. Die britische Regierung, sagte Henderson zum Schluß, hat die Anwesenheit einer arabischen Delegation in London benutzt, um mit ihr die zukünftige Politik zu erörtern. Die Regierung hat sich über den Standpunkt der arabischen Führer und über die arabischen Aspiriationen informieren lassen. Die Regierung widmet sich dem Studium dieses Problems und hofft, Wege zu finden, um im Rahmen des Mandates die legitimen Forderungen der Araber zu befriedigen und die von den Arabern noch gehegten Befürchtungen zu zerstreuen. Der Völkerbundsrat ernennt die Klagemauerkommission Der Schwede Zoefgren, der Schweizer Barde und der Holländer van Kempen Genf, 15. Mai. (JTA.) Der Rat des Völkerbundes hat am 15. Mai in geschlossener Sitzung gemäß dem Vorschlag der englischen Regierung drei nichtenglische Persönlichkeiten zu Mitgliedern der Kommission zur Prüfung der jüdischen und der arabischen Rechte und Ansprüche in Verbindung mit der Klagemauer ernannt. Präsident der Kommission ist der ehemalige schwedische Außenminister Eliel Zoefgren, Mitglieder sind ferner der Genfer Richter Charles Barde und der Holländer van Kempen, ein früherer höherer Beamter der holländischen Kolonialverwaltung.

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