Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 21 (23.5.1930)
- Date
- 1930-05-23
- Page
- Seite 296 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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296 Das Jüdiscbe Echo Nr 21 Das jüdische Volkseinkommen in Europa und Ämerika An Hand verschiedener offizieller Statistiken sowie eigener Schätzungen unternimmt Menes (Wirtschaft und Leben, Februar 1930) den Versuch, das Einkommen der jüdischen Bevölkerung in Europa und Amerika zu errechnen. Trotzdem die absoluten Zahlen mit Vorbehalt aufgenommen werden müssen und im ganzen nur als Schätzungswerte gelten können, sind die Ergebnisse sehr aufschlußreich. Sie geben ein ungefähres Bild von der Lage der Juden in der ganzen Welt, von der Bedeutung und den Aussichten der Aufbauarbeit der großen jüdischen Organisationen in Osteuropa. Das Einkommen der jüdischen Bevölkerung in Rußland verteilt sich wie folgt. Bevölkerunsrszahl Durchsclinittl. .1 ahresein- Summe Soziale Gruppen kommen eines in Tausend. wi i tschaftlich Aktiven Millionen Lohnarbeiter . . . . 415 930 386 Kleinbürgertum . . . 361 660 238 Arbeitslose . . . . 210 300 63 Insgesamt für städtische Bevölkerung . . . 986 696 687 Bauern. . 110 225 25 Insgesamt für Stadt und Land . . . . 1096 650 712 Der Verfasser stellt fest, daß das durchschnittliche jüdische Einkommen infolge der ungünstigen sozialen Struktur um 16 Prozent niedriger ist, als das der nichtjüdischen städtischen Bevölkerung. Noch größer wird diese Differenz, wenn man das Einkommen nicht nur der wirtschaftlich Aktiven, sondern der Gesamtbevölkerung in Betracht zieht. Es beträgt dann: bei den Juden 275, bei Nichtjuden 365 Rubel jährlich, also um etwa 35 Prozent mehr. Als Grundlage für die Berechnung des Einkommens der jüdischen Bevölkerung in Deutschland dienten dem Verfasser die Angaben der jüdischen Steuerbehörden. Das jüdische Einkommen in Deutschland beträgt nach seiner Schätzung 1450 bis 1600 Millionen Reichsmark jährlich, wobei ihm als durchschnittliches Einkommen das Einkommen der jüdischen Bevölkerung Berlins dient. Dabei wird festgestellt, daß die Zahl der deutschen Juden, die in besonders günstigen Verhältnissen leben, verschwindend klein ist und daß die große Masse der Juden über kein höheres Einkommen als die Nichtjuden verfügt. Das Einkommen der Juden in Polen berechnet der Verfasser nach dem Einkommensdurchschnitt der städtischen Bevölkerung. Es setzt sich wie folgt zusammen: Zahl der Durch- Summe Soziale Ornnnen Wirtschaftschnittin Soziale Uruppen lich Akjven liches Millionen (in 1000) Einkommen Zloti Selbständige Händler . . 249 3240—3600 806,8—896,4 Andere Selbständige . . . 247 3600—4000 889,2—988,0 Arbeiter . 229 1900—2100 435,1—489,9 Mithelfende Arbeiter ... 199 900—1000 179,1—199,0 Insgesamt .. 924 2500—2775 2310,2-2573,3 Die Angaben über die jüdische Bevölkerung sind laut der Volkszählung des Jahres 1921 zusammengestellt. Da sich die Bevölkerung inzwischen um 7 Prozent vergrößert hat, errechnet der Verfasser als endgültige Summe für das Jahr 1928 2472 bis 2744 Millionen Zloti heraus. Er stellt dabei die bekannte Tatsache fest, daß das Durchschnittseinkommen der Juden niedriger als das der Nichtjuden ist. Das Einkommen von den 3 Millionen polnischen Juden ist bedeutend kleiner als das Einkommen des fünfmal kleineren deutschen Judentums. Bei der Berechnung des Einkommens der jüdischen Bevölkerung in Amerika nimmt der Verfasser ebenfalls als Grundlage das Durchschnittseinkommen der städtischen Bevölkerung (875 Dollar jährlich) an, da die Juden Amerikas dort eine Mittelschicht bilden. Das ergibt für 4,25 Millionen Juden 3,72 Milliarden Dollar jährlich. Die Zahl des europäischen Judentums ist fast zweimal so hoch wie die des amerikanischen. Das jüdische Einkommen in Europa bildet jedoch kaum 40 Prozent des Einkommens der amerikanischen Juden. Für die übrigen Länder schätzt der Verfasser: 200 Millionen Dollar für die Juden in Osteuropa, 300 Millionen in Westeuropa und 176 Milionen im übrigen Amerika. Das Einkommen errechnet er nach dem entsprechenden allgemeinen Durchschnitt. Insgesamt beträgt das Gesamteinkommen der jüdischen Bevölkerung in Europa und Amerika: Millionen uollar Rußland.365 Polen. 280— 310 Deutschland . 345— 380 Das übrige Osteuropa .200 Das übrige Westeuropa.300 Vereinigte Staaten. 3720 Das übrige Amerika.. 176_ Zusammen 5386—5451 Schl. Aus dem Maiheft des von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise herausgegebenen wertvollen und instruktiven Zeitschrift. Aus der jüdischen Welt Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. f. D. Berlin, den 19. Mai. (JTA.) Am Sonntag, dem 18. Mai, fand eine stark besuchte Sitzung des Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in Berlin statt. Den Vorsitz führte in Vertretung von Herrn Blumenfeld, der zur Zeit in Palästina weilt, Herr Dr. Siegfried Moses. Die Vormittagssitzung war einer eingehenden Beratung des Statuts (Referent: Alexander Adler) und des neuen Entwurfes der Maasser-Ordnung für die Mitglieder der Z.V.f.D. (Referent: Dr. Martin Rosenblüth) gewidmet. Hieran schloß sich die Fortsetzung der Aussprache über das Thema „Bekämpfung des Antisemitismus und Wirtschaftsnot der deutschen Juden“ mit einleitenden Referaten der Herren Landauer und Alfred Berger. Nach einer sehr eingehenden Aussprache, an der sich insbesondere die Herren E. Ascher, Bileski, Förder, Goldmann, Ilberg, Klinoff, Moses, Noack, Nußbaum, Samuel, Weltsch beteiligten, wurde beschlossen, die in der vorigen Sitzung eingesetzte Studienkommission zu einer ständigen Kommission unter Hinzuwahl von Mitgliedern zu erweitern. Dieser Kommission wurde die Aufgabe übertragen, auf der Grundlage der der Sitzung vorgelegten Thesen praktische Vorschläge für konkrete Beschlüsse des Landesvorstandes auszuarbeiten. Der größte Teil der Nachmittagssitzung war einer Aussprache über die gegenwärtige politische Lage und die sich hieraus für die zionistische