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Das jüdische Echo · 1930-05-23 · 21 (23.5.1930) · p. Seite 295

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
21 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
Seite 295 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 21 Das Jüdische Echo 295 Nansen zugunsten der Flüchtlinge geleitete Hilfswerk kam auch vielen Tausenden jüdischen Flüchtlingen zugute. In der Zeit der Hungersnot in Rußland im Jahre 1922 hat das Nansen-Werk auch den russischen Juden Hilfe gebracht. Die „Jüdische Welthilfskonfernz“ in Paris hat einen Teil ihres Hilfswerks für die hungernden Juden Rußlands im engsten Kontakt mit den von Nansen geschaffenen Organisationen durchgeführt. Bei den vielen jüdischen Aspekten des Flüchtlingsproblems zeigte sich Nansen immer als ein warmer und von Energie beseelter Freund. Seine Dienste waren uns in politischer Hinsicht von unschätzbarem Wert. Auf Anregung des Joint Foreign Committee und der Jewish Colonisation Associatirn hat er im Interesse der jüdischen Emigration interveniert, so u. a. als Südamerika sich anschickte, die Tore für neue Einwanderer zu schließen. In der Krisis der Jahre 1921—23, als die polnische und die rumänische Regierung gegen die russisch-jüdischen Flüchtlinge, die sich in den Grenzgebieten dieser Länder ansammelten, vorzugehen im Begriffe waren, hat Nansen die jüdischen Gesellschaften in der Abwehr dieser geplanten Maßnahmen unterstützt. Als im Herbst 1923 die polnische Regierung die Flüchtlinge ausweisen wollte, berief er eine Sondersitzung des Beratenden Komitees ein, dessen Eingreifen eine Zurücknahme der Drohung zum Ergebnis hatte. Als die rumänische Regierung eine Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge aus Bessarabien unter harten Bedingungen anordnete, sandte er in seiner Eigenschaft als Oberkommissar einen energischen Protest nach Bukarest und bewirkte die sofortige Zurücknahme des Ausweisungserlasses. Er intervenierte auch erfolgreich zugunsten der mit Entrechtung bedrohten ausländischen jüdischen Studenten an den österreichischen Hochschulen. Frithjoff Nansen, der seit der Gründung des Völkerbundes an allen Völkerbundstagungen teilgenommen hat, war ständiger Berichterstatter der 6. Kommission, die die Mandatsangelegenheiten zu behandeln hatte. In der letzten Plenarversammlung des Völkerbundes, Ende 1929, hat Nansen als erster Redner die Augustereignisse in Palästina zur Sprache gebracht. Paläsflnabeschlüsse auf der Tagung der Exekutive der Zweiten Internationale Der Anschluß der Miflegeth Poale Erez Israel an die Zweite Internationale vollzogen Aus führenden Kreisen der Liga für das arbeitende Palästina wird der Jüdischen Telegraphen- Agentur über den Inhalt der Beratung der Palästinafrage in der am Dienstag, dem 13. Mai, abgehaltenen Berliner Tagung der Exekutive der Arbeiterinternationale und über die Bedeutung der gefaßten Entschlüsse mitgeteilt: Die Beratung der Palästinafrage bei der Exekutivesitzung der Internationale in Berlin bedeutet einen weiteren Fortschritt auf dem Wege der Gewinnung der Sympathien der internationalen sozialistischen Welt für das arbeitende Palästina. Die bei der Exekutivesitzung angenommenen Resolutionen werden insbesondere dem arbeitenden arabischen Volke zeigen, daß die jüdische Arbeiterschaft Palästinas auf die Sympathie und die Solidarität der ganzen arbeitenden Welt rechnen kann. Die Aussprache war von einer Gruppe angeregt, die dem Zionismus auch heute noch nicht mit Sympathie gegenübersteht. An der Debatte, die der Annahme der Resolutionen vorausging, beteiligten sich eine Reihe von jüdischen Mitgliedern der Exekutive, insbesondere aus dem Osten Europas, und gaben weltanschauliche Deklarationen gegen den Zionismus und das jüdische Arbeiterwerk in Palästina ab. Sie argumentierten dabei mit den altbekannten assimilatorischen und bundistischen Argumenten. Andere jüdische Mitglieder der Exekutive dagegen hielten sich zurück oder nahmen einen vermittelnden Standpunkt ein. Von englischer Seite wurde den Weltanschauungsreden der jüdischen Gegner des Zionismus sehr eindrucksvoll entgegengetreten. Über die politischen Fragen des Palästina-Aufbaus und die aktuellen politischen Probleme fand keine Debatte statt, was aber wohl an der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit lag. Die Resolutionen wurden einstimmig angenommen, nachdem der Vertreter Palästinas, Kaplansky, in wirkungsvoller Weise den jüdischen Kritikern geantwortet hatte. Im einzelnen gelang es, eine Erklärung der Solidarität der Internationale für die jüdische Arbeiterschaft Palästinas zu erlangen, ohne daß die Internationale damit zum zionistischen Problem als solchem Stellung nimmt. Die Internationale hat weiterhin der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas ihr Vertrauen ausgesprochen, daß sie einen Weg der Verständigung mit dem arabischen Volke in Palästina finden wird, der jede Verhetzung des einen Teiles ausschließt. In der Frage der Ligen für das arbeitende Palästina wurde der Irrtum, der in gewissen Kreisen der Internationale bestand, aufgeklärt, wonach die Liga und der geplante Weltkongreß für das arbeitende Erez Israel eine Veranstaltung internationalen Charakters sein solle, an der auch nichtjüdische Sozialisten teilnehmen. Es wurde der Palästinasektion der Internationale und dem Weltverband Poale Zion freie Hand bei der Schaffung von Ligen und. bei der Mitarbeit in ihnen wie auch für den Kongreß für das arbeitende Erez Israel gegeben. Gleichfalls dürfen die sonstigen jüdischen Sozialisten an diesen Institutionen teilnehmen, wenn sie sich nach freiem Ermessen dazu entschließen. Es wurde festgestellt, daß die Poale Zion an zionistischen Kongressen und, wie auch andere jüdische Sozialisten, an der Jewish Agency teilnehmcn dürfen, und es wurde dabei die Hoffnung ausgesprochen. daß sie bei der tatkräftigen Durchsetzung der Interessen der jüdischen Arbeiterklasse in diesen Institutionen Erfolg haben werden. Die Bildung der vereinigten Arbeiterpartei Palästinas Miflegeth Poale Erez Israel wurde zur Kenntnis genommen, und die Partei erneut als palästinensische Landessektion der Internationale anerkannt. Es wurde weiterhin festgestellt, daß die Landesgruppen der Zoale Zion in der Welt mit dieser Sektion konföderiert sind. Auch wenn in diesen Resolutionen noch nicht alles erreicht worden ist, was die jüdische Arbeiterschaft Palästinas und der sozialistische Zionismus von der Internationale erwarten können, so ist doch ein wesentliches Ziel erreicht worden. Der von den Gegnern vorbereitete große Angriff gegen die palästinensische Arbeiterschaft ist nicht zur Auswirkung gelangt, und das Ergebnis einer Erklärung der Solidarität mit der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas auf der einen Seite, die organisatorischen Möglichkeiten auf der anderen Seite, die sich aus den Beschlüssen ergeben, werden günstige Folgen für die weitere politische und wirtschaftliche Arbeit der sozialistischen zionistischen Bewegung haben.

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