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Das jüdische Echo · 1930-05-23 · 21 (23.5.1930) · p. Seite 294

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
21 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
Seite 294 (sequence 6)
Language
German
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294 Das Jüdische Echo Nr. 21 29. April abgelaufen. Das Gesetz ist gleichwohl bis heute noch nicht verkündigt. Auf eine Anfrage im Staatsministerium des Innern, wann das Gesetz verkündet werde, wurde uns erklärt, eine Antwort hierauf könne nicht gegeben werden. Nun wissen wir freilich von anderer Seite, daß Bemühungen der Schächtanhänger in Deutschland im Gange sind, eine Aussetzung der Verkündung zu erreichen, bis der Antrag des Zentrums-Abg. Bell (reichsrechtlicher Schutz des betäubungslosen Schächtens) im Reichstag angenommen sei- Es haben ferner im März d. J. der Präsident des .American Jewish Committee4, das sich nach Mitteilung der deutschen Botschaft in Washington .mit der Wahrung jüdischer Rechte in der Welt beschäftigt4, und der Hauptschriftleiter der Jewish Telegraphie Agency4 in Neuyork die deutsche Botschaft in Washington gebeten, die bayerische Regierung auf die durch den Landtagsbeschluß vom 29. Januar .entstehende Mißstimmung in den jüdischen Kreisen der Vereinigten Staaten aufmerksam zu machen4 und die deutsche Botschaft in Washington, das Auswärtige Amt und der Reichsminister des Innern Wirth glaubten dieser Bitte entsprechen zu sollen. Wir weigern uns aber, anzunehmen, daß jene Bemühungen und diese Mißstimmung den maßgebenden Stellen des Freistaates Bayern beachtlicher erscheinen als der Beschluß des Bayerischen Landtages und die Bestimmungen der bayerischen Verfassungsurkunde. Die unverzügliche Ausfertigung und Verkündung eines vom Landtag beschlossenen Gesetzes nach Ablauf der dreimonatigen Frist ist die verfassungsmäßige Pflicht der dazu berufenen Stellen. An diese Stellen richten wir daher, zugleich im Namen der angeschlossenen bayerischen Tierschutzvereine, hiermit öffentlich die Frage: Warum wurde das vom Landtage beschlossene Gesetz noch nicht verkündigt? Wann wird es verkündigt werden?44 Man muß es dem Tierschutzverein lassen: er versteht es trefflich hinter an sich unverfänglichen Redewendungen ausgesprochen antisemitische Argumente zu verstecken; auf die Antwort der bayerischen Staatsregierung wird nicht nur der Tierschutzverein gespannt sein. Fortdauer der antisemitischen Exzesse in Rumänien Bukarest, 13. Mai- (JTA.) Nach der Teilnahme an einer lO.-Mai-Feier zogen zahlreiche rumänische Jünglinge, fast durchwegs Studenten, über die Piatza Unirii in die Strada Lapusneanu!und malträtierten alle jüdischem Personen, die ihnen entgegenkamen. Es wurden zahlreiche Bürger überfallen und blutig verprügelt. Bukarest. 14. Mai. (JTA.) Die neue Serie der antisemitischen Exekutive in Rumänien setzt sich fort. Am Sonntag abends war Galatz der Schauplatz wüster antisemitischer Ausschreitungen. Cuzistische Agitatoren und Mitglieder der Ortsgruppe des Verbandes „Eiserne Garde“, deren Führer Celea Codreanu ist, drangen in das Theater „Paradies“ ein, wo gerade eine jüdische Theatergruppe eine Vorstellung gab, und mißhandelten die Besucher und die Schauspieler. Die Polizei intervenierte und verhaftete drei Juden und einen Cuzisten. Nach dem Überfall im Theater exzedierten die Cuzisten im Volksgarten von Galatz, wobei sie mehrere jüdische Passanten mißhandelten. Unter der jüdischen Bevölkerung von Galatz. herrscht über diese Ausschreitungen starke Erbitterung. Bukarest, 16. Mai. (JTA.) Die antisemitischen Exzesse in Bukarest, in mehreren Städten Altrumäniens und im Kreise Marmorosch dauern an. Vor dem Studentenheim in Bukarest wurde Rabbiner Katz, als er dort vorbeiging, von Insassen des Heims fürchterlich mißhandelt. Die Ortschaften Sziget, Borscha und Wiseu, die bereits Schauplatz schwerer antisemitischer Ausschreitungen in der letzten Woche gewesen sind, stehen immerwährend unter dem Terror einer mehr als hundert Köpfe zählenden antisemitischen Bande, die von dem angeblichen Studenten Banila und dem Pfarrer Andrej Berindei angeführt wird. Die Mitglieder dieser Bande fordern die Bauernschaft der Umgebung auf, über die Juden in den Städten herzufallen, sie zu berauben und die Beute unter sich zu verteilen. Banila wurde von der Gendarmerie verhaftet, der Pfarrer Berendei aber auf freien Fuß gelassen. Die jüdischen Einwohner des Städtchens Borscha, das 3000 jüdische Familien zählt, werden unaufhörlich von den Cuzisten mißhandelt. Der Fuhrwerksbesitzer Chaim Stemwarde blutig geschlagen und schließlich gezwungen, aus einer Höhe von zwei Metern in das Wasser des Viseu zu springen, wodurch an ihm eine „symbolische Taufe“ vollzogen wurde. Die Tochter des Abraham Glanz wurde aus der Wohnung ihrer Eltern geholt und ebenfalls -zur „Taufe“ in den Fluß Viseu geworfen. Das gleiche passierte dem Kaufmann Abraham Inger. Bukarest, 18. Mai. (JTA.) Während sich im Zentrum von Bukarest die Kämpfe zwischen den Gendarmen und Verkäufern konfiszierter oppositioneller Blätter abspielten, benutzten etwa 15 Cuza-Studenten die Gelegenheit, um über jüdische Passanten herzufallen und sie schwer zu mißhandeln. Mehrere jüdische und jüdisch aussehende Passanten wurden fürchterlich verprügelt. Kischin ew, 18. Mai. (JTA.) In der Ortschaft Baltzi ereignen sich seit einiger Zeit fast täglich antisemitische Ausschreitungen. Die Cuzisten durchziehen in Gruppen die Stadt und schlagen auf alle Juden, die ihnen in den Weg kommen, mit Stöcken und Knüppeln los. ln der Nacht von Donnerstag zu Freitag richteten Antisemiten auf dem jüdischen Friedhof von Baltzi ungeheure Verwüstungen an. Zahlreiche Grabsteine wurden umgestürzt und zertrümmert. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht größte Erregung. An den Ministerpräsidenten Maniu und den Innenminister Vaida wurden Protesttelegramme abgeschickt. Sämtliche jüdischen Schüler des Lyzeums „Creanga“ in Baltzi wurden aus der Schule ausgeschlossen. Professor Staraate erklärte den christlichen Schülern, daß die Juden die ärgsten Feinde des rumänischen Volkes seien und darum ausgerottet werden müssen. Er forderte die christlichen Schüler auf, mit ihren jüdischen Kollegen nicht mehr zu sprechen. Jüdische Trauer um FrithjofS Nansen Genf, 15. Mai. (JTA.) Der allgemeinen Trauer über das Ableben des berühmten Polarforschers Prof. Frithjoff Nansen, Oberkommissar des Völkerbundes für das Flüchtlingswesen, schließen sich auch alle jene jüdischen Kreise an, die mit der Völkerbundsarbeit verbunden sind. Das von

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