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Das jüdische Echo · 1930-05-16 · 20 (16.5.1930) · p. Seite 284

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
20 (16.5.1930)
Date
1930-05-16
Page
Seite 284 (sequence 15)
Language
German
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284 Das Jüdische Echo Nr. 20 und Landesverweisung verurteilt. Die am 30. April verhafteten Joseph Herschcnbaum, Mordechai Berditschewsk und Pua Alami wurden zu je 35 Tagen Gefängnis, abzulösen durch je 7 Pfund Geldbuße, verurteilt. Die palästinensische politische Polizei setzt ihren verschärften Kurs gegen die Kommunisten^ fort. Neuerdings wurde der Kommunist Michael Elimelech, von dem sich herausstellte, daß er seit 1922 ohne gesetzliche Erlaubnis in Palästina ansässig ist. zu vier Monaten Gefängnis mit nachfolgender Deportation wegen kommunistischer Tätigkeit verurteilt. Die Tatsache, daß an einem Telegraphenmast in Haifa eine rote Fahne mit Inschriften gegen die Todesstrafe befestigt war, gab Anlaß zur Verhaftung von drei weiteren Kommunisten. Ein arabisches politisches Attentat Jerusalem, 6. Mai. (JTA.) Der Nablus-Araber Mohammed Altiti, der prozionistische Sympathien hegte und zusammen mit einem anderen Nablus- Araber im „Palestine Bulletin“ eine Kondolenzkundgebung zum Tode Balfours veröffentlichte, wurde durch Messerstiche schwer verletzt aufgefunden. Sein Zustand ist sehr ernst. Man nimmt mit Bestimmtheit an, daß es sich um einen Racheakt nationalistischer Araber handelt. Samuel Pevsner. Schwiegersohn Achad Haams, gestorben Jerusalem, 8. Mai. (JTA.) Ingenieur Samuel Peysner, Mitglied des Waad Leumi, ein Schwiegersohn des verstorbenen hebräischen Denkers Achad Haam (Ascher Ginsberg), erlitt am 6. Mai morgens einen Schlaganfall, an dessen Folgen er verstarb. Pevsner war Präsident der Haifaer jüdischen Handelskammer und der Haifaer jüdischen Vorstadt Hadar Hakarmel. Ein Aufruf der Bnei-Brith-Logen für das Balfourbuch des JNF. Jerusalem, 7. Mai. (JTA.) Die Palästina- Loge der Bnei Britli erließ einen Aufruf an die Bnei-Brith-Logen der ganzen Welt, die Aktion für Eintragung jüdischer Gemeinden und Institutionen in das Goldene Balfourbuch des Jüdischen Nationalfonds zu fördern. Aus Palästina werden 100 Eintragungen erwartet, Jerusalem leistete bereits 30 Eintragungen. Wenn jedes Land verhältnismäßig soviel leistet wie Palästina, wird die Gesamtsumme bald verfügbar sein. | | Feuilleton | | II 11 ‘ 1 II Ein weltliches Fest Das einzige jüdische Fest, das seinen historischweltlichen Ursprungscharakter nicht verloren hat und nicht zu einem ausschließlich oder vorwiegend religiösen wurde, ist der Lag Baomer. Der Ursprung des Festes liegt in dem Aufstande Bar Kochbas gegen die Römerherrschaft. Eine später aufgekommene Legende aus dem Talmud aber erzählt: „Der große Gelehrte Rabbi Akiba hatte 24 000 Schüler, die alle vom heiligen Eifer für das göttliche Gesetz erfüllt waren. Sie waren damit aber nicht zufrieden, und ihr Wunsch, sich gegenseitig an Weisheit und Ruhm zu übertreffen, verursachte ewige Streitigkeiten und den Gefährten. Der Ewige, gelobt sei sein Name, beschloß, sie zu bestrafen und schickte ihnen ein Unglück in Form einer Epidemie, die verheerend unter ihnen wütete und die meisten der jungen Gelehrten vernichtete. Zu Pessach begann diese Epidemie, und erst 33 Tage später, am 18. Ijar, dem Lag-Baomer-Tag, beschwichtigte sich der Zorn Gottes,“ So interpretiert die Überlieferung den Ursprung des Lag-Baomer-Festes, dieses bescheidenen, aber tief in die Volksseele eingegrabenen Feiertages. Von Pessach bis Lag Baomer bemächtigt sich des Juden eine Atmosphäre der Trauer. Jede Freude ist untersagt; man darf keine Hochzeit feiern, darf seine Haare nicht schneiden noch ein neues Kleid anlegen während der ganzen Zeit des Omerzählens. Erst zu Lag Baomer ■— am 18. Ijar — ist die Trauer aufgehoben und ein Fest wird gefeiert, an dem die Jugend lebendigen Anteil nimmt. Der Name Rabbi Akibas und seiner Schüler ist eng mit dem Aufstand Bar Kochbas verbunden, diesem letzten Zeichen eines politischen Willens im Volke Israel. Darum erinnert man sich am Tag von Lag Baomer dieses verzweifelten Kampfes, der im Beginn einen so glänzenden Erfolg hatte und mit einer so schrecklichen Niederlage geendet hat. Die jüdischen Kinder sind es, die sich dieses Ereignisses, vielleicht unbewußt, am besten erinnern. Im östlichen Europa, wo das jüdische Kind im allgemeinen dem Leben im Felde, den kriegerischen Freuden, so ungeheuer fernsteht, ist es Sitte, daß die kleinen Cheder- und Talmud-Thora-Schüler am Lag Baomer mit Pfeil und Bogen, mit Holzsäbeln und Kindergewehren hinaus in den Wald ziehen, um unter den Bäumen Krieg miteinander zu führen, ihre alten Vorfahren nachahmend, die sich gegen den fremden Eindringling erhoben. i Die geschichtlichen Ereignisse des Bar-Kochba- Aufstandes spielten sich folgendermaßen ab: In ganz Judäa bildeten sich bewaffnete Banden und es wurde ein Freischarlerkrieg gegen die Römer geführt. In den entlegensten Gebirgsorten Judäas, in Höhlen und Grotten wurden die Waffenvorräte verborgen, und die rebellischen Gruppen versteckten sich abseits von den großen Straßen, um die römischen Legionen anzugreifen, die sich dorthin wagten. Der damalige, durch seine Grausamkeit bekannte Prokurator von Judäa, Tinnius Rufus, tat sein Möglichstes, und wendete die äußersten Machtmittel an, um dem Aufstand ein Ende zu bereiten. Aber es gelang ihm nicht. Die jüdischen Revolutionäre überfielen die Truppen an Plätzen, die sie besser kannten, als die fremden Eindringlinge, und verursachten den römischen Legionen schwere Verluste. Der große Gelehrte Rabbi Akiba, ein berühmter Führer der damaligen Judenheit, schloß sich bald den Verteidigern der Freiheit an. Nicht einen Augenblick zweifelte er daran, daß es gelingen werde, dem jüdischen Volk die vor 50 Jahren ihm so grausam genommene Unabhängigkeit wiederzugewinnen, und er stellte sich an die Spitze der Freiheitsbewegung, überzeugt, daß die Befreiung Israels nahe bevorstehe. Dieser große Gelehrte, bisher ganz und gar theoretischen Überlegungen hingegeben, wurde plötzlich zu einem Mann der Tat erster Ordnung, bereitete die damalige Diaspora in Palästina, Klöinasien und Me-

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