Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1930-05-16 · 20 (16.5.1930) · p. Seite 285

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
20 (16.5.1930)
Date
1930-05-16
Page
Seite 285 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103085-9229995--10859-9222930
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 20 285 Das Jüdische Echo sopotamien und rief seine Volksgenossen zur Unterstützung des Aufstandes und zur Wiedererrichtung des Königreiches Judäa auf. Seine sehr zahlreichen Schüler (nach dem Talmud betrug ihre Zahl etwa 24 000) schlossen sich den Revolutionären an und bildeten die aktivste Partei der Bewegung. Sie gaben ihr Blut für die Verteidigung des Königreiches hin. Darum lebt auch ihr Andenken noch heute im Herzen des Volkes, das sich ihrer stets zu Lag Baomer erinnert und sie in den langen Wochen der Sephira betrauert. Nicht alle jüdischen Gelehrten folgten Rabbi Akiba. Auch in dieser Epoche gab es, ebenso wie in der Zeit des Zelotenaufstandes gegen Vespasian und Titus, in Palästina eine mächtige Friedenspartei, die nicht an den Erfolg des Aufstandes glaubte. Man erzählt, daß einer der damaligen Tannaim, Rabbi Jochanan ben Torta, zu Rabbi Akiba gesagt hat: „Akiba, Deine Wangen haben sich mit Gras bedeckt, ehe der Messias gekom- Gemeinden- und Vereins-Echo An die Münchener jüdische JugendI Errichtung einer Beratungsstelle Aus der Münchner jüdischen Jugend heraus ist der Wunsch laut geworden, eine freie Beratungsstelle für Jugendliche zu schaffen, die, g^fragen von gegenseitigem menschlichen Vertrauen, jungen Menschen Rat und Hilfe, wo immer sie nötig ist, erteilen soll. Sie ist nicht zuletzt auch für solche gedacht, die keiner Jugendorganisation angehören, die vielleicht nicht die Möglichkeit haben, sich an Führer oder ältere Freunde, die ihr Vertrauen rechtfertigen, zu wenden. Selbstverständlich wird völlige Diskretion gewahrt — die Ratsuchenden brauchen ihre Namen nicht anzugeben. Wir wissen, auch in der jüdischen Jugend gibt es verschwiegene Nöte, geheime Ratlosigkeit. Schwierigkeiten in Fragen der Lebensführung und Lebensgestaltung, von denen Eltern und Lehrer oft nichts erfahren, weil die Furcht, gerade von einer nächsten Umgebung nicht verstanden zu werden, den jungen Menschen schweigen läßt. Hier will die Beratungsstelle helfend eingreifen, will neutralen Boden, menschliche Nähe und Aussprachemöglichkeit schaffen. Mitglieder der Beratungsstelle, vorgeschlagen von einem jugendlichen Kreis, sind: Dr. Erich Feuchtwanger, Nervenarzt, Adelheidstraße 6, Tel. 3 71 1 39. Dr. Alfred Heller, Verleger, Herzog-Wilhelm- Straße 20. Tel. 93 0 99. Frau Dr. Rahel Straus, Ärztin, Kobellstraße 13/1. Tel. 73 8 89. Frau Gertrude Weihl, Königinstraße 4. Tel. 28 0 87. Rudi Baer („Kameraden“), Elisabethstraße 23. Tel. 3 70 6 02. Ernst Eisen (KJV.), Schwanthalerstraße 95. Tel. 5 97 2 38. Jakob Kohnstamm, Rechtsanwalt, Maximiliansplatz 12b. Tel. 93 8 01. Die drei Letztgenannten sind selbst jüngere Menschen, die aus der Jugendbewegung kommen. Wendet Euch an eines der Mitglieder, wenn Ihr Rat und Hilfe braucht. Sie bitten um Euer Vertrauen — in Eurem Dienst! men ist.“ Zahlreich waren jene, die in der Unterdrückung durch die Römer die Hand Gottes erblickten und glaubten, daß nur ein übernatürliches Wunder das Volk retten könne. Die Zeiten, Verhältnisse und Methoden haben sich geändert. Jüdischer Heldenmut von heute trägt ein anderes Gepräge. Er heißt Chaluziuth, Pioniertum, Opferwille in der Diaspora, zäher Arbeitswille in Palästina sind die Waffen, mit denen die neue Freiheit erkämpft werden soll. Die Mittel sind friedlicher, aber der Kern der Aktion ist der gleiche wie vor 1800 Jahren: Selbsthilfe und Anspannung aller Kräfte. Alles hängt letzten Endes von den Juden selbst ab, von ihrer Einsicht, von ihrem Ernst, von ihrer Opferfreudigkeit. Das weltliche Fest des Lag Baomer sollte besonders unserer Jugend in Erinnerung bringen, daß nicht Wunder und Geschenke fremder Mächte uns Freiheit zu geben vermögen, sondern nur eigene Leistung. k. k. Israelitischer Frauenverein von 1830. Anläßlich seines hundertjährigen Bestehens veranstaltet der Jüdische Frauenverein am Donnerstag, dem 22. Mai 1930, abends 8 Uhr, eine Jubiläumsfeier im Cherubinsaal, Vier Jahreszeiten, Eingang Marstallstraße. Nach Begrüßung und Ansprache wird Herr Rabbiner Dr. Baerwald den Festvortrag halten über „Die Frau in der jüdischen Spruchdichtung und die Frau von heute“. Die Feier wird von musikalischen Darbietungen umrahmt, für die sich in liebenswürdiger Weise Fräulein Ella Flesch und Herr Adolf Fischer von der Staatsoper, München, sowie Herr Dr. Kurt Bettsack zur Verfügung gestellt haben. Karten für unsere Mitglieder und Freunde (Eintritt frei) sind bis Mittwoch, den 21. Mai, in der Gemeindekanzlei, Herzog-Max-Straße 7/1, Fernsprecher 93 4 01, erhältlich. — Die Büchsen, die der Israelitische Frauenverein zu seinem hundertjährigen Bestehen hat anfertigen lassen, werden in den kommenden Wochen in die Hände der Mitglieder gelangen. Nichtmitglieder, die eine dieser besonders geschmackvollen Büchsen aufzustellen wünschen, werden gebeten, dies unter Nummer 57 5 43 zu melden, damit ihnen die Büchsen zugestellt werden können. Jungzionistischer Arbeitskreis München. Die nächste Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 21. Mai, 20.30 Uhr im Heim des K.J.V.St., St.-Anna- Straße 6, statt. Frl. Hertha Lieber wird über das Buch des Kanzlers der Hebräischen Universität, L. Magnes, „Wie alle Völker“ referieren, dessen Gedankengänge in der letzten Zeit Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen im deutschen Zionismus gewesen sind; eine nachfolgende Aussprache soll versuchen, eine Klärung der Gedanken herbeizuführen. Gäste sind herzlich willkommen. Wochenprogramm der V.J.St. Jordania, München Samstag, 17. Mai: 11A Uhr Sport auf dem Platz Säbener Straße. Treffpunkt: Haltestelle Krüppelheim der Linien 15 und 25. Sonntag, 18. Mai: Bei gutem Wetter Ausflug Kochel-Herzogstand. Treffpunkt 6.40 Uhr Starnberger Bahnhof. Bei schlechtem Wetter Treffpunkt 4 Uhr Karlstor. Mittwoch, 21. Mai: 1la9 Uhr c. t. Jungzionistischer Arbeitskreis. Donnerstag, 22. Mai, 8.30 Uhr c. t. Konvent, anschließend Fuxenkurs.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.