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Das jüdische Echo · 1930-05-16 · 20 (16.5.1930) · p. Seite 280

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
20 (16.5.1930)
Date
1930-05-16
Page
Seite 280 (sequence 6)
Language
German
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280 Das Jüdische Echo Nr. 20 turell bedingte Lagerung des Judentums und zumindest latent stets bestehenden Judenhaß nicht weichen, die Arbeit' nach dieser Richtung also auch nicht überflüssig werden. Kareski sieht im qualifizierten Handwerker den produktiven Judenberuf der Zukunft und warnt vor weiterem Zuzug zum Zwischenhandel. Rosenthal (lib.) hält den „technischen Kaufmann“ für die typische Erscheinung kommender Wirtschaftsform, während Marcus (lib.) die Fürsorge für den deklassierten Kleinmittelstand in den Vordergrund gerückt wissen will, und Frau Eschelbacher (Mittelpartei) Bekämpfung der Landflucht fordert. Demgegenüber glaubt Kareski (Gemeindevorstand) nicht an die Möglichkeit der erfolgreichen Bekämpfung der schicksalhaft sich vollziehenden Landflucht, verspricht sich auch selbst von Aufnahme von Millionengemeindekrediten für Kleingewerbekredite, wie sie zuweilen gefordert werden, nichts für die Aufrechterhaltung einer durch die Natur der modernen auf Normung, Ballung und Spezialisierung eingestellten Wirtschaft zurückgedrängten Existenzform. Er hofft aber, ältere Menschen dieser Gruppe im Ausbau gewisser von der Gemeinde beeinflußbarer Wirtschaftsorganismen eine — wenn auch beschränkte — Hilfe schaffen zu können. Waldmann (Volkspartei) betont den Charakter jüdischer Hilfe als Zusatzarbeit, fordert gerade in diesem Rahmen jüdische Selbsthilfe durch Wiederbelebung der früher die jüdische Wirtschaftsbasis bildenden jüdischen „Binnenwirtschaft“ und Verwirklichung auch der wirtschaftlichen jüdischen Weltschicksalsgemeinschaft. Stärkung des jüdischen Selbstvertrauens bei bedingt durch Umstellung der Juden von den sterbenden oder sinkenden Berufen der Zwischenproduktion und unmittelbaren handelsmäßigen Konsumbefriedigung zu neuen grundproduktiven Aufgaben. Die Gefahr liege in der drohend sich bildenden Weltmeinung von unserem Überflüssigwerden als produktiven Faktor. Von hier aus ansetzend, muß das Judentum seinem Ziel in der Moderne zustreben: Reproduktivierung von Judenvolk und Judentum! Die Versammlung bewilligt die Mittel zur Wiederherrichtung der von Nationalsozialisten besudelten Fassade der Synagoge Kottbuser Ufer mit der Maßgabe, daß der Gemeindevorstand gehalten ist, die Schadensansprüche gegen die Täter energisch zu vertreten. Äus dem Reiche Fricks Einspruch des Reichs gegen Fricks „Schulgebete“ Berlin, 13. Mai. Reichsinnenminister Dr. Wirth hat, wie die „Vossische Zeitung“ berichtet, die Absicht, gegen Fricks Einführung von Schulgebeten beim thüringischen Staatsministerium im Namen des Reichs Protest zu erheben. Dieser Protest werde darauf hinweisen, daß die „Schulgebete“, wie sie Dr. Frick in Thüringen einführen will, die Verfassung verletzen, da sie gegen die religiöse Freiheit deutscher Staatsbürger gerichtet sind und zur religiösen Unduldsamkeit aufstacheln. Ferner habe die Reichsregierung mit großem Befremden von einer Rede des thüringischen Innenministers Dr. Frick Kenntnis genommen, wonach die Absicht besteht, nationalsozialistische Parteigenossen zu leitenden Beamten zu ernennen. Auch in diesem Falle zieht Dr. Wirth einen Schritt in Weimar in Erwägung. Selbst der Kirche graut vor diesen „Schulgebeten“ Zu der Verordnung des Ministers Frick über die Einführung eines „Freiheitsgebetes“ in den thüringischen Schulen schreibt das vom Volksdienst der Thüringer evangelischen Kirche herausgegebene Volksblatt „Glaube und Heimat“: „Das Gebet wird in seinem Lebensnerv getroffen, wenn es irgendeinem Nebenzweck dienstbar gemacht wird. Man kann sich aber im Hinblick auf vorliegenden Entwürfe dem Eindruck nicht entziehen, daß sie zugleich der Weckung oder Pflege einer bestimmten politischen Gesinnung dienen sollen und daß sie damit den Charakter des Gebetes auch inhaltlich verlieren. Zum rechten Beten anzuleiten, ist eine der wichtigsten Erziehungsaufgaben der Kirche. Es ist daher ein ganz unerträglicher Eingriff des Staates in das Lebensgebiet der Kirche, wenn er in dieser Beziehung inhaltliche Richtlinien zu geben versucht.“ Nationalsozialistischer Wahlsieg in Gotha Bei den Stadtratswahlen in Gotha haben die Nationalsozialisten unstreitig einen starken Erfoig errungen. Gegenüber der letzten Wahl vor zwei Jahren stieg ihre Stimmenzahl von 1300 auf 6100. die Mandatszahl von 2 auf 11, sie smd jetzt an Stimmen und Mandaten die stärkste I^rtei in Gotha. Ihre Stimmen haben sie den bürgerlichen Parteien abgejagt: Deutschnationale und Deutsche Vclkspartei verloren zusammen 2300 Stimmen und 6 Mandate, die Wirtschaftspartei 800 Stimmen und 1 Mandat und außerdem kam eine bürgerliche Angestelltenliste in Wegfall. Die thüringischen Nationalsozialisten wollen bei ihren Koalitionsgenossen eine Zustimmung zum Schächtverbot erpressen Weimar, 11. Mai. (JTA.) Der in Weimar erscheinende „Nationalsozialist“ veröffentlicht die von der Fraktion der Nationalsozialisten im Thüringer Landtag bei der Beratung der Steuergesetzc eingebrachten Forderungen, von deren Erfüllung sie ihre weitere Mitarbeit in der Koalition abhängig machen. Punkt 4 dieser Forderungen lautet: Das von der Fraktion der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei eingebrachte Gesetz über das Schächten von Tieren muß von allen Koalitionsparteien sobald wie möglich angenommen und verabschiedet werden. Punkt 6 lautet: Die in der Koalition befindlichen Parteien sollen anerkennen, daß Nationalsozialisten, die sich um Staats- bzw. Beamtenstellen bewerben, genau dasselbe Recht haben, wie jeder andere Deutsche. Insbesondere sollen die vom .Staatsminister Dr. Frick vorzuschlagenden Persönlichkeiten für die Besetzung der Polizeidirektorstellen von den Koalitionsparteien anerkannt werden. Bewegte Unterhaus-Debatte über die Korrespondenz zwischen MacMahon und Hussein London, 8. Mai. (JTA.) Der Antizionist Colonel Howard-Bury richtete im Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Siels, die Frage, welche zwischen Mac Mahon und dem einstmaligen Sheriff Hussein gewechselten Briefe bezüglich der staatlichen Selbständigkeit der Araber veröffentlicht und welche nicht veröffentlicht wurden; ob er im Hinblick auf die bezüglich dieser Korrespondenz herrschenden verschiedenen Auffassungen veranlassen wolle, daß die gesamte Korrespondenz veröffentlicht wird. Dr. Drummond Shiels erwiderte: Ich habe bei vielen Anlässen bereits auf die Gründe hingewiesen, warum wir die Veröffentlichung dieser Briefe

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