Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 20 (16.5.1930)
- Date
- 1930-05-16
- Page
- Seite 279 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 279 nm& ist, verfaßte als Vorsitzender des Herrenausschusses die Statuten. Diese Satzungen wurden im Juni 1900 in einer a u ß e r ordentlichen Mitgliederversammlung geändert und haben dann diese Fassung mit kleinen Zusätzen aus den Jahren 1904, 1911 und 1916 bis 1925 beibehalten. ln der Mitgliederversammlung vom Juli 1925 fielen die einschränkenden Bestimmungen bezüglich der Reichsangehörigkeit und Gemeindemitgliedschaft der zu Unterstützenden. Außerdem wurde die Wöchnerinnenfürsorge auch auf die unehelichen Mütter ausgedehnt. An Stelle des Herrenausschusses traten nunmehr zwei Beiräte, die den Frauenausschuß juristisch und kaufmännisch unterstützen. Auch die Hilfstätigkeit war naturgemäß im Laufe der Zeit Wandlungen unterworfen. Während sich ursprünglich die Hilfe meist auf Kranke und Wöchnerinnen erstreckte, wurde allmählich auch allgemeine Fürsorge für ..weibliche Notleidende“ mit in den Bereich der Vereinsarbeit gezogen. Durch den Verlust des ehemals großen Vereinsvermögens war man allerdings nicht mehr imstande, in allen Krankheitsfällen durchgreifende Hilfe leisten zu können. Einen zeitgemäßen Ausweg bot die Aufnahme der Petenten in eine Krankenkasse, deren Gebühren der Verein trägt. Natürlich wäre auch hier die Zahl der Versicherten noch sehr zu vergrößern, wenn die notwendigen Mittel dazu zur Verfügung ständen. Ein weiteres Tätigkeitsfeld bieten die regelmäßigen Besuche in den Krankenhäusern, die in den letzten Jahren auf die Heilanstalten Eglfing, Haar u. a. ausgedehnt wurden. Die angestrebte Gefangenenfürsorge, die so außerordentlich wichtig wäre, scheiterte bisher am Widerstand der betreffenden Direktionen. Auch die Einrichtung der Pflegschaften, denen im heutigen Wohlfahrtswesen eine so große Bedeutung zukommt, war in der Vereinstätigkeit im wesentlichen schon ausgebildet. Sie hat in den letzten Jahren durch Zusammenarbeit mit dem Wohlfahrtsamt der Gemeinde eine Ausgestaltung erfahren und neue Impulse erhalten. ITe Erholungsfürsorge, scheinbar auch eine Errungenschaft der jüngsten Zeit, gehört seit langem in den Aufgabenkreis des Frauenvereins und wurde seit einigen Jahren in Verbindung mit dem Heim für Ferienkolonien in Krumbach mehr und mehr ausgedehnt. Ein eigenes Erholungsheim wäre hier natürlich ein Ideal, dessen Verwirklichung einer wirtschaftlich besseren Zukunft Vorbehalten bleiben muß. Ein erstaunlicher Weitblick, ein sicheres Erfassen der Zeitbedürfnisse spricht aus der hundertjährigen Geschichte des Israelitischen Frauenvereins. Zu erklären nur durch die sichere Intuition mütterlichen Frauengeistes, welche diese Vereinigung in den letzten fünfzig Jahren geleitet hat. Drei Führerpersönlichkeiten großen Stiles und doch schlichter Fraulichkeit sind mit seiner Geschichte untrennbar verknüpft: Rosalie Perles. Johanna Kohn s. A., Rosa Werner s. A. Den Lebenden und den Toten dankt ihr Werk. C. F. Hus der Berliner Jüdischen Gemeinde Aussprache über jüdische Wirtschaftsnot Berlin, 2. Mai. (JTA.) Der Vorsitzende eröffnet am Abend des 1. Mai die Repräsentantensitzung der Berliner Jüdischen Gemeinde mit Tennis Bekleidung und Ausrüstung Sporthaus JllllMI El% Katalog kostenlos! München, Rosenstraße 6 Glückwunschworten zum 75. Geburtsag des Mitgliedes Herrn Emil Pincus. Auf eine Anfrage wegen der drohenden Exmittierung der großen „Synagoge Passauer Straße“ stellt der Gemeindevorsitzende Kareski Abhilfemaßnahmen auch der Gemeinde in Aussicht, erwartet aber nunmehr die willige Einordnung des Synagogenvereins und seiner Funktionäre in den für die subventionierten Vereine allgemein geltenden Rahmen. An Beihilfen wurden u. a. gewährt: der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem 5000 RM.. dem jüdischen Lehrgut Rodges 1000 RM., der Akademie für die Wissenschaft des Judentums 7000 RM., der „Hoffmannschen Jeschiwah“ (Große Gemeinde) in Frankfurt a. M. 1000 RM., dem Verband ostjüdischer Organisationen in Deutschland 6000 RM., der Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Tuberkulosenfürsorge 3000 RM., dem Hilfsverein der Deutschen Juden für den Wiederaufbaufonds des abgebrannten Jüdischen Kinderheims in Kowno 1000 RM. Die Versammlung stimmt sodann dem Statutenentwurf für das bald zu eröffnende vierte Altersheim, in Schmargendorf mit einigen Änderungen zu. Das Heim wird 180 Betten haben, während jetzt insgesamt 600 geprüfte Aufnahmegesuche vorliegen. Nach einer Debatte über die „Gemeindeabende“ wünscht die Fraktion der Jüdischen Volkspartei in einer von Dr. Klee begründeten Anfrage Auskunft über Gemeindemaßnahmen gegen jüdische Wirtschaftsnot und wirtschaftlichen Antisemitismus. Der Gemeindevorsitzende Kareski bejaht die Existenz einer besonderen jüdischen Wirtschaftsnot entgegen den Darlegungen im Leitartikel vier heutigen „Jüdisch-liberalen Zeitung“, der die zionistische Aktivität in dieser Frage als eine Entlastungsoffensive für das gescheiterte Palästinaexperiment bezeichnet und einerseits Beeinflussung der sozialpolitischen Gesetzgebung u, dgl. m„ anderseits Durchsetzung des Wirtschaftslebens mit jüdischer Wirtschaftsethik fordert. Kareski gibt einige Zahlen aus dem Gemeindearbeitsamt: Die Anmeldungen dort übersteigen 1930 die im Vorjahre um monatlich etwa 1000 (März 1929: 4000, März 1930: 5200). Die Zahl der Vermittlungen ist fast genau im umgekehrten Verhältnis zurückgegangen und beträgt im März d. J. 600 mit etwas steigender Tendenz. Die Gemeinde geht jetzt an den Ausbau des Arbeitsamtes durch Trennung von gewerblicher und kaufmännischer Arbeitsvermittlung, sozialpolitisch eingestellte Kontrolle von Gemeindelieferanten, Ausbau der Berufsberatung. Heranziehung der Lehrerschaft, Schülerkonferenzen und Bildung von Arbeitgeberausschüssen und Arbeit von sozialpolitischen Experten. Die letzten Monate haben hier schöne Erfolge gezeitigt. Selbst bei steigender Konjunktur wird speziell jüdische Wirtschaftsnot durch die besondere historisch und kul-