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Das jüdische Echo · 1930-05-16 · 20 (16.5.1930) · p. Seite 278

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
20 (16.5.1930)
Date
1930-05-16
Page
Seite 278 (sequence 4)
Language
German
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2*78 Das Jüdische Echo Nr. 20 gebaut, gestärkt und in möglichst nahe Verbindung miteinander gebracht werden sollen. Freilich: Orte wie Hebron und Saffed bieten auch heute noch ein Bild trostloser Verwüstung und Vereinsamung — ein großer Teil der Bewohner ist nach Jerusalem, Tel-Awiw, Tiberias übersiedelt oder nach Amerika ausgewandert. Das weitere Schicksal dieser Orte ist noch nicht ganz bestimmt. Demgegenüber ist es tröstlich, daß die Orte mit einer produktiv arbeitenden Bevölkerung bald neu erstehen werden. Die Stimmung der Befriedigung über den ständigen wirtschaftlichen Aufschwung wird natürlich stark getrübt durch die tiefe Depression, die der Bericht der Untersuchungskommission geschaffen hat. Wohl hatte der Verlauf der Verhandlungen deutlich bewiesen, daß man von den meisten Mitgliedern der Kommission wenig Verständnis und Sympathie für die jüdische Sache erhoffen dürfe, doch war man immerhin nicht auf einen so absoluten Mangel an Verständnis für das jüdische Volksproblem und die unternommenen heroischen Versuche zu seiner Lösung vorbereitet gewesen. Die Beunruhigung über den Bericht wird noch verstärkt durch die eiskalte, ablehnende Haltung des englischen Kreises im Lande gegenüber der jüdischen Bevölkerung, der sich bis tief in gesellschaftliche. persönliche Beziehungen hinein erstreckt und den Juden die Vermutung nahelegt, daß alle auf Vereitlung des zionistischen Werkes hinzielenden Vorschläge und Anregungen des Berichtes bei der englischen Beamtenschaft sicherlich wenig Gegnerschaft finden werden. Trotzdem scheint es, als ob der Bericht auf die Palästinenser weniger stark gewirkt hatte als auf das jüdische Ausland. Man steht eben hier in einem so mächtigen Wirbel jüdischer Volkskraft, sieht so unnuterbrochen das Aufblühen und Reifen des neuen jüdischen Lebens im Lande, daß man fühlt: diese Elementarkraft muß mit der Zeit alle noch so klugen und tückischen Gegenkräfte überwinden. Das bedeutet natürlich nicht, daß man in einen blinden Optimismus die Dinge einfach ihrer Entwicklung zutreiben läßt. Es ist vielmehr gerade in diesen letzten Monaten in der palästinensischen Bevölkerung ein starker Wille zu vorausschauendem, verantwortlichem Handeln erwacht. Eine Empfehlung der Untersuchungskommission, die besonders große Besorgnis im jüdischen Publikum schafft, ist diejenige, die auf Beschränkung, wenn nicht Unterbindung des jüdischen Bodenerwerbs hinzielt. Als natürliche Reaktion auf diese Gefährdung des jüdischen Siedlungswerkes ist im Lande eine wahre Sehnsucht nach sofortigem neuen Bodenerwerb erwacht. Gerade im Hinblick auf die große Zahl neuer Einwanderer, die ja nicht dauernd als Lohnarbeiter beschäftigt werden können, sondern im Lande verwurzeln müssen, sehnt man sich nach einer so schnell wie möglich zu schaffenden Bodenreserve und hat die Beschlüsse der Jewish-Agency-Sitzung in London, die sich hierauf bezogen, mit besonderer Genugtuung begrüßt. In Zusammenhang mit diesem Wunsche nach sofortigem Bodenerwerb wird die neue Aktion, die der Jüdische Nationalfonds eingeleitet hat, mit besonderem Verständnis aufgenommen. Bekanntlich macht der Keren Kajemeth Vorbereitungen für eine große Gedächtnisspende auf den Namen von Lord Balfour. Dieser große Politiker und Philosoph, der — wie wenige Menschen auf der Welt —- das Problem des heimatlosen, nach seiner Heimat zurückverlangenden jüdischen Volkes erfaßt hat, ist zu unserem Schmerz gerade in einem Augenblick dahingegangen, wo Versuche zur Erschütterung des Jüdischen Nationalheims, dem er die politische Grundlage verschaffte, unternommen werden. Hätte er in diesen Tagen gelebt, so hätte er zweifellos seine Schöpfung weiter verteidigt, wie er sie durch die im Winter gemeinsam mit Lloyd George und Smuts Unterzeichnete Erklärung zu verteidigen begonnen hatte. Da der Tod ihn uns entrissen hat, will der Jüdische Nationalfonds seinen Namen durch ein besonderes, seinem Andenken gewidmetes Goldenes Buch dem jüdischen Volke verewigen und gleichzeitig durch eine große Aktion das Werk, das mit seinem Namen eng verknüpft ist, befestigen und gegen Angriffe feien. In das Goldene Buch, das der Keren Kajemeth dem Andenken von Lord Balfour widmet, sollen alle jüdischen Körperschaften und Institute und eine möglichst große Anzahl von jüdischen Namen eingetragen werden, die auf diese Weise dem großen Freunde unseres Volke ihren Dank erweisen. Das Buch soll in zwei Exemplaren angefertigt werden, von denen eines in Jerusalem bleibt, ein zweites dem Londoner Britischen Museum überwiesen wird. Die 100 000 £, die der Keren Kajemeth durch Eintragungen in dieses Buch zu erhalten hofft, sollen zur möglichst raschen Durchführung eines Bodenerwerbs verwendet werden, der auf beträchtliche Zelt hinaus die Ansiedlung jüdischer Kolonisten im Lande ermöglicht. Diese Aktion findet großes Interesse im Lande -- selbst kleine, wenig kapitalkräftige Organisationen haben sich bereits zur Eintragung des Balfour-Namens mit dem Betrage von 20 f verpflichtet. Man wartet nun in Erez Jsrael darauf, daß die Juden des Auslandes ebenfalls ihre Pflicht erfüllen und damit eine Schuld am Jischuw abtragen: in Palästina ist nämlich das Gefühl sehr stark, daß cs zu den Augustmorden nicht gekommen wäre, wenn das Judentum der Welt durch größere Opferkraft in früheren Jahren dazu verholfen hätte, den Jischuw so stark zu machen, daß er unangreifbar geworden wäre. Zum 100 jähr. Jubiläum des Israelitischen Frauenvereins von 1830 Wir sind le.cht geneigt, soziale Tat und soziales Verständnis der Frau als Zeichen und Errungenschaft unserer Zeit anzusprechen. Da ist es kulturgeschichtlich um so bemerkenswerter, sich darüber klar zu werden, daß die Anfänge sozialer Frauenarbeit in unserer Gemeinde bereits ein volles Jahrhundert zurückliegen. Im Jahre 1830, nur wenige Jahre nach Gründung der Gemeinde München, schlossen sich einige Frauen zum Israelitischen Frauenverein zusammen, von dem Wunsche geleitet, bedürftigen Kranken und Wöchnerinnen „wesentliche und wirksame Hilfe“ 1 zu leisten. Die erste Anregung hierzu ging von Frau Magdalena Marx aus, die wohl in ihrem sozialen Empfinden ihrer Zeit voraus war. Sie leitete dann auch von 1830 bis 1836 den Verein als 1. Vorsitzende. Neben dem Frauenausschuß fungierte ein Herrenausschuß, der insbesondere das Kassenwesen und die Vermögensverwaltung unter sich hatte. Auch zwei Ärzte gehörten diesem Gremium an, die jeweils aus der Zahl der für den Verein tätigen Arzte gewählt wurden. Im Jahre 1884 erfolgte die offizielle Eintragung des Vereins. Herr Justizrat Ofner, dessen liebenswürdige Persönlichkeit vielen von uns in lebhafter Erinne- 1 Aus dem Gründungsstatut vom 21. April 1830.

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