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Das jüdische Echo · 1930-05-16 · 20 (16.5.1930) · p. Seite 277

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
20 (16.5.1930)
Date
1930-05-16
Page
Seite 277 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 20 16. Mai 17. Jahrgang Aufschwung In Palästina Von Helene Hanna Thon Wenn man in diesen Nach-Pessachtagen die Lage im Lande in ihrer Totalität betrachtet, so kann man sagen, daß die Foteen der Augustunruhen, die monatelang ihre zerstörenden Kreise zogen, nunmehr vollständig überwunden sind. Die wirtschaftliche Lage ist ausgesprochen günstig. Der Orangenmarkt, der sich zu Beginn des Winters nicht ganz so günstig anließ wie im Vorjahr, erwies sich auf die Dauer als gut, und die Einnahmen der Pflanzer entsprachen den Erwartungen. Ein klimatisch besonders günstiger Winter, in dem Regenfall und Sonnenschein im richtigen Verhältnis verteilt waren, gibt Hoffnung auf eine vorzügliche Getreide- und Obsternte. Diese Erwartung wird noch bestärkt durch das rechtzeitige Eintreten des „Malkosch“ — eines starken, drei Tage währenden Regens nach Pessach, auf den das Land immer mit Ungeduld wartet und den es mit Dankbarkeit als Fruchtbringer begrüßt. Wenn es in diesem Jahre gelingt, die reiche Ernte ohne Zwischenfall hereinzubringen, so gebührt ein Teil des Dankes hierfür der Regierung, die sich mit großer Energie und unter Investierung erheblicher Summen hat angelegen sein lassen, die drohende Heuschreckengefahr abzuwenden. Ohne ihre umfassenden Kriegsmaßnahmen im Kampfe gegen das verheerende Ungeziefer — Kanonen und Flammenwerfer an den Landesgrenzen und ein ganzes Heer von Beduinen "zur Zerstörung der Heuschrekkeneier — hätten wir vielleicht in diesem Jahre die Katastrophe des Kriegsjahres 1916 nochmals erlebt, bei der die Felder und Pflanzungen im Lande vollständig von den Heuschrecken verwüstet wurden. Handel und Wandel gehen nicht nur ihren gewohnten Gang, sondern haben auf gewissen Gebieten einen ausgesprochenen Aufschwung genommen, vor allem auf dem Gebiete des Baugewerbes. In den Städten, in erster Linie in Jerusalem, hat sofort nach den Unruhen eine starke Baubewegung eingesetzt. Die vom arabischen Boykott in ihrer Existenz bedrohten Kaufleute der Jerusalemer Altstadt flüchteten aus ihren ohnehin baufälligen, licht- und luftlosen Bazaren in die neueren Stadtviertel — durch diese Bewegung erlebte das jüdische Handelszentrum an der Birkat-Mamillah-Straße, das sich einige Jahre lang nicht recht entwickeln wollte, einen jähen Aufschwung. Die jüdischen Mieter arabischer Häuser —■ besonders in den entlegeneren, in unruhigen Zeiten gefährdeten Häusern — strebten nach dem Anschluß an kompakte jüdische Wohnsiedlungen; aus diesem Streben heraus begann ein so intensives Bauen jüdischer Wohnhäuser, daß heute die Lücken zwischen mehreren bisher isolierten jüdischen Vierteln fast vollständig ausgefüllt sind. Unter den jüdischen öffentlichen Gebäuden, die im letzten Winter entstanden sind, zeichnet sich besonders das neue Haus des Jüdischen Nationalfonds in dem Jerusalemer Viertel Rechawiah aus, in das nun, obgleich noch überall geklopft, gestrichen und gefeilt wird, das Büro bereits verlegt worden ist. Schon wird auf dem großen Terrain, auf dem das Haus des Keren Kajemeth zusammen mit den-Häusern des Keren Hajessod und der Zionistischen Exekutive einen stattlichen und — wie man aus diesem ersten Hause schließen darf — wirklich ästhetischen Gebäudekomplex bilden wird, weiter gesprengt, gegraben, Baumaterial vorbereitet. Diese rege Bautätigkeit wirkt natürlich äußerst günstig auf den Arbeitsmarkt — man kann sagen, daß zur Zeit in den Städten so gut wie gar keine Arbeitslosigkeit unter den Männern besteht (in bezug auf Frauenarbeit liegen die Verhältnisse etwas ungünstiger). Auch auf dem Lande sind — besonders durch Anlage der neuen Orangenpflanzungen — die Arbeitsverhältnisse recht befriedigend. Geringere Einnahmen als in den Vorjahren fließen in diesem Jahre dem jüdischen Touristengewerbe zu. An sich ist der Touristenstrom nicht kleiner geworden — es scheint sogar, als ob die Reisegesellschaften in diesem Winter das Land Palästina, das wieder einmal die Aufmerksamkeit der Welt auf sich gezogen hat, als besondere Attraktion in ihr Programm einbezogen haben. Nur haben den Nutzen von diesen Reisegesellschaften im allgemeinen mehr die christlichen und arabischen Hotels, Führer, Kutscher, Andenkenläden abgesehen von dem großen, eleganten neuen Palace-Hotel in Jerusalem, das auf Wakf-Boden errichtet ist, aber einer mit jüdischem Kapital fundierten Gesellschaft gehört und einem jüdischen Pächter untersteht. Eine bedauerliche Erscheinung im diesjährigen Touristenverkehr ist die erbitterte antizionistische Propaganda, die von arabischer und christlicher Seite unter den Touristen getrieben wird und gegen die wir durchaus Abwehrmittel schaffen müßten. Die Zahl der jüdischen Touristen ist verhältnismäßig gering; viele Leute haben nach den Unruhen ihren Plan einer Winterreise nach Palästina aufgegeben — übrigens ganz unnötigerweise, da das Reisen im Lande auch für Juden wieder absolut sicher geworden ist und diese Einbuße das jüdische Touristengewerbe schädigt. Dagegen ist in den letzten Monaten die wirkliche jüdische Einwanderung in einem ständigen, starken Strom erfolgt. In den schweren Wochen und Monaten nach den Unruhen war dieser Zustrom neuer, körperlich und seelisch auserwählter Elemente der größte Trost und die größte Mutstärkung,, welche der schwer getroffene Jischuw erfahren konnte. Bei den günstigen Arbeitsverhältnissen im Lande konnten die neuen Einwanderer restlos nach einer Woche, spätestens nach zwei Wochen sämtlich in Arbeitsstellen untergebracht werden, und trotz dieser erheblichen Neueinwanderung besteht auch jetzt noch an vielen Stellen eher ein Mangel als ein Überfluß an Arbeitskräften. Zur Hebung der Stimmung haben auch die nun veröffentlichten Rekonstruktionspläne beigetragen, nach denen die zerstörten Siedlungen wieder auf-

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