Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 19 (9.5.1930)
- Date
- 1930-05-09
- Page
- Seite 271 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 271 Sprachschule seinen Teilnehmern. Es ist sein größter Vorzug, daß sein Leiter, Herr Dr. Percikowitsch, ihn nicht lediglich als Substrat zu Übersetzungsübungen benutzt, also etwa wie die „Klassiker“ auf den Mittelschulen gelesen wurden, sondern jeweils einen geschichtlich fundierten Einblick in die Verhältnisse tun läßt, die den einzelnen Aussprüchen des Propheten zugrunde liegen. Dazu kommt eine in die historische Entwicklung der Sprache eindringende Untersuchung manchen Ausdrucks, der die Kenntnisse der Hörer bereichert. Ohne mehr als eine gewisse Geläufigkeit und Vertrautheit mit der hebräischen Sprache vorauszusetzen, zieht Herr Dr. Percikowitsch seine Mitarbeiter, die zum Teil selbst viel zur gegenseitigen Wissensbereicherung beitragen, zu einer Arbeitsgemeinschaft heran, die jedem Nutzen bringt. Es ist zu wünschen, daß der während des Winters erfreulich stark besuchte Kurs auch weiter Freunde der hebräischen Sprache heranzieht und damit einen Stamm gehobener Sprachbeflissener, um den sich die Schülerschaft der übrigen Kurse zu ranken vermag. Makkabi-Turntag 1930. Das diesjährige Kreis-, Turn- und Sportfest des Deutschen Makkabikreises wird am Sonntag, dem 24. August 1930, nach langer Zeit wieder einmal in Hamburgs Mauern veranstaltet werden. Die jahlreichen Vereine des Deutschen Makkabi-Kreises sowie manche ausländischen Makkabi-Vereine werden zu dieser Veranstaltung ihre besten Kräfte entsenden und um die Deutsche Makkabimeisterschaft in den verschiedenen Sportdisziplinen kämpfen. Daneben werden die Delegierten der Kreisvereine ihren „Kongreß“ — kurz Turntag genannt — haben. Wichtige Organisationsfragen sollen besprochen und zur Entscheidung gebracht werden. In den Rahmen dieser Veranstaltungen fällt das zwanzigjährige Vereinsjubiläum des Hamburger „Bar-Kochba“, das durch einen besonderen Festakt begangen werden soll. Sicherlich werden die geplanten Veranstaltungen, die ja nicht nur lokales Interesse haben, in weitesten jüdischen Kreisen Deutschlands die größte Beachtung finden. In der dem Turntag folgenden Woche wird ein Sommerlager auf dem Priwall bei Travemünde allen organisierten Makkabim Gelegenheit zur Teilnahme an einem Jugendführerkurs und zu froher Geselligkeit geben. Jüdisches Jugendheim München. Vorträge von Dr. Ernst Simon. Vorübergehend weilt Herr Dr. Ernst Simon in Europa. Die jüdische Jugend Münchens hat ihn in herzlicher Freude über seine Anwesenheit um Vorträge gebeten. Der Einladung folgend wird Dr. Ernst Simon in öffentlichem Vortrage am Mitwoch, dem 4. Juni, abends 8 Uhr, über „Franz Rosenzweig“, und am Donnerstag, dem 5. Juni, abends 8 Uhr, über „Traditionelles Judentum und Erziehungsfragen“ sprechen. Beide Vorträge finden im Kunstgewerbesaal, Pfandhausstraße 7, statt. Zur Deckung der Unkosten werden von Jugendlichen 30 Rpf. für den Einzelvortrag, 50 Rpf. für beide Vorträge, und von den Erwachsenen 50 Rpf. für jeden Vortrag an der Abendkasse erhoben. Bar-Kochba. Sportabteilung. Der vom Südd. F. u. L.-Verband, Gau Oberbayern, ausgeschriebene Erstlingskampf wird auf dem Sportplatz der Eisenbahner, Laimer Straße, ausgetragen. Das Ergebnis des Erstlingsneunkampfes wird zur Wertung der Vereinsmeisterschaft 1930 und für die Klasseneinteilung für 1930 in Rechnung gesetzt. Das Antreten ist daher überaus wichtig und wir erwarten von unserer Kampfmannschaft, daß sie pünktlich zur angegebenen Zeit am Treffpunkt erscheinen. Besonders möchten wir nochmals auf unser Dreß hinweisen, der aus weißem, ärmellosen Trikot mit Mögen David, weißer Hose mit hellblauen Bändern an den Seiten besteht. Es sind aufgestellt: 100 m: Spielmann. 800 m: Koschland. Speerwerfen: Eisenmann. Hochsprung: Kraus. 4-mal-100-m-Staffel: Kalter, Eisenmann, Gröbel, Spielmann. 3000-m-Lauf: Hönigstein. Weitsprung: Spielmann. Kugelstoßen: Kraus. Olymp. Staffel: Koschland, Renka, Spielmann, Finkei. Die Leitung. Bar-Kochba. SportabteHung. Morgen vormittag findet für sämtliche Herren, Jugend und Fußballjugend auf dem Säbener Platz Grünwald-München- Training statt. Sämtliche Aktive, die nicht beim Erstlingsneunkampf beschäftigt sind, müssen erscheinen, da anschließend am Training die für den großen Staffellauf in Frage kommenden Leichtathleten in die Mannschaften eingereiht werden. Die Leitung. Bar-Kochba. Fußballjugend. Alle dieser Abteilung angehörenden Jugendleute erscheinen morgen vorm, halb 10 Uhr auf dem Säbener Platz zum Grünwald-München-Training. M. K. Bar-Kochba. Damen-, Mädchen-, Kinderabteilung, Der gesamte Turnbetrieb ist wieder in vollem Gang. Die Damenabteilung I turnt jeden Montag von 7 bis 8 Uhr, die Damenabteilung II von 8 bis 9 Uhr, die Mädchenabteilung von 6 bis 7 Uhr in der Luisenschule. Kinderturnen: Kinderabteilung I turnt Mittwoch von 3 bis 4 Uhr, Kinderabteilung II von 4 bis 5 Uhr in der Jüdischen Volksschule, Herzog-Rudolf-Straße 5/0. Den jüdischen Witz und seine Bedeutung behandelte Herr Dr. Percikowitsch in einem Vortrage, den der jüdische Kulturverein „Perez“ veranstaltete. Ausgehend von der Bedeutung der volkstümlichen Literatur überhaupt für die Erkenntnis des geistigen Wesens eines Volkes, ging der Referent zu dem Gebiete über, das gerade für die Juden besonders charakteristisch ist, dem des Witzes. Dann stellte er die verschiedenen Versuche Freuds, Bergsons u. a. dar, den Witz, das Komische und seine Wirkung, das Lachen zu erklären. Vor allem ist der Witz eines der Mittel, durch das sich die unerlaubten, vom Bewußtsein unterdrückten Triebe des Menschen einen Weg nach außen bahnen. Im zweiten Teile des Vortrages wurden die verschiedenen Typen des jüdischen Witzes behandelt und mit Beispielen belegt. Nicht nur gegen die Umwelt richtet sich der jüdische oft beißende Spott aus dem Bewußtsein des „Atto Bochartonu“ heraus, sondern auch gegen die eigenen Volksgenossen, seien es die Amratzim oder die Chassidim oder die Misnagdim, und endlich nimmt einen weiten Raum der Ausdruck der Bitterkeit über die Last des Lebens im Golus, über die Anomalität der jüdischen Berufstätigkeit ein. Der Vortrag, der großen Beifall und oft heitere Stimmung erregte, hätte eine viel größere Zuhörerschaft verdient. Jüdischer Frauenbund München. Am Dienstag, 13. Mai, abends 8 Uhr, findet in den Räumen der Concordia, Prannerstraße 4, ein Vortrag von Frau Anita-Müller-Cohen (Wien) über „Frauenarbeit in Palästina“ statt.